
Die «Schatzinsel» erleben: Warum ein Auto unverzichtbar ist
Wenn du eine Seite von Südkorea kennenlernen möchtest, die sich völlig vom dicht gedrängten, neonbeleuchteten Rhythmus Seouls oder Busans unterscheidet, ist Namhae-gun genau das Richtige. Der südliche Landkreis wird oft «Südkoreas Schatzinsel» genannt. Hier stürzen Granitberge direkt in das smaragdgrüne Wasser der Koreastrasse.
Als Reisender, der diese Küstenkämme erkundet hat, muss ich dir allerdings einen Rat geben, bei dem es keine Kompromisse gibt: Du musst ein Auto mieten.
Warum du das ländliche Südkorea nur mit dem eigenen Auto richtig erkundest
Südkorea ist zwar weltweit für seine KTX-Hochgeschwindigkeitszüge und die hocheffizienten U-Bahnen in den Städten bekannt, doch Namhae zeigt die «entschleunigte» Seite des Landes.
- Lücken im öffentlichen Verkehr: Anders als in Seoul, wo die Anschlüsse nahtlos ineinandergreifen, fahren die Busse in Namhae nach ihrer eigenen Uhr. Viele wichtige Orte werden nur ein paar Mal am Tag angefahren. So wird aus einer Fahrt von 20 Minuten schnell ein dreistündiges logistisches Rätsel.
- Die Topografie als Hindernis: Namhae ist ein geschützter Nationalpark. Die atemberaubendsten Aussichtspunkte und «geheimen» Küstendörfer liegen an steilen Hängen, die von den lokalen Bussen schlicht nicht angefahren werden.
- Der «Anhalten-und-Staunen»-Faktor: Auf Südkoreas Südküste gehört die Fahrt selbst schon zum Erlebnis. Entlang der Strassen gibt es viele Haltebuchten mit Blick auf den Hallyeohaesang-Nationalpark. Mit dem Auto kannst du an diesen Aussichtspunkten am Strassenrand anhalten; im Bus ziehen sie am Fenster an dir vorbei.
Insider-Tipps fürs Autofahren in Südkorea
Aus eigener Erfahrung am Steuer empfehle ich dir diese zwei praktischen Tipps, damit die Fahrt reibungslos verläuft:
Früh tanken: Sobald du das Zentrum von Namhae-eup verlässt, werden Tankstellen rar. Lass den Tank bei deinen Erkundungstouren zu den abgelegenen Kaps im Süden der Insel nicht unter ein Viertel sinken.
Lieber nicht mit Google Maps: Wegen Sicherheitsvorschriften ist die Navigation mit Abbiegehinweisen in Südkorea bekanntermassen unzuverlässig. Lade Naver Map oder KakaoMap herunter. Beide bieten Unterstützung auf Englisch und sind auf Namhaes kurvigen Landstrassen deutlich genauer.
Der Nervenkitzel auf dem Skywalk: Am Abgrund entlanggehen
Bei dem ungewöhnlichen «Gebäude, auf dem man herumklettern kann», das du erlebt hast, handelt es sich wahrscheinlich entweder um den Seolli Skywalk oder das Namhae Treasure Island Observatory – zwei der bekanntesten Attraktionen für Adrenalinjunkies in Namhae. Beide sind so angelegt, dass sie Namhaes dramatische Klippen und den weiten Panoramablick aufs Meer nutzen und die Küste selbst zum Teil des Erlebnisses machen.
Anders als in einem gewöhnlichen Aussichtsturm, wo Besucherinnen und Besucher einfach hinter Glas stehen und Fotos machen, sind diese Anlagen auf ein viel intensiveres Erlebnis ausgelegt. Hoch über dem Meer schwebend, kannst du über durchsichtige Glasböden gehen, dich – mit einem Sicherheitsgurt gesichert – über die Küste hinauslehnen und den freien Blick auf die zerklüfteten Klippen und das smaragdgrüne Wasser der Koreastrasse unter dir geniessen. Für viele Reisende wird das zu einem der unvergesslichsten und überraschendsten Erlebnisse in Südkorea – besonders, weil der Blick aufs Meer, der kräftige Küstenwind und die exponierte Bauweise gemeinsam ein echtes Gefühl von Höhe und Nervenkitzel schaffen.
Seolli Skywalk (Mijo-myeon)

Diese architektonische Meisterleistung ist Koreas erste asymmetrische Kragbrücke. Sie ragt 36 Meter über dem Boden hinaus und hat einen Boden aus durchsichtigem Glas.
- Das «Edge»-Erlebnis: Wenn du mehr als einen Spaziergang möchtest, gibt es ganz an der Spitze eine riesige Schaukel. Das Personal sichert dich mit einem Sicherheitsgurt und schwingt dich über das Geländer hinaus, sodass du über dem Meer schwebst.
- Der Spaziergang: Auch ohne Schaukel ist es ein Erlebnis, mit klopfendem Herzen über die 79 Meter lange Brücke zu gehen und durch den Glasboden auf die Wellen zu blicken, die unten aufschlagen.
Ein Stück Bayern: das Deutsche Dorf (Dogil Maeul)
Auf einem Hügel in Samdong-myeon mit Blick aufs Meer liegt das Deutsche Dorf – kein blosser Themenpark für Touristen, sondern ein lebendiges Stück Geschichte.
Die bittersüsse Geschichte
In den 1960er- und 70er-Jahren gehörte Südkorea zu den ärmsten Ländern der Welt. Um die Wirtschaft anzukurbeln, schickte die Regierung über 8’000 Bergleute und 13’000 Pflegefachkräfte als Gastarbeiter nach Westdeutschland (Gastarbeiter). Unter harten Bedingungen schickten sie ihr mühsam verdientes Geld in D-Mark nach Hause, um Koreas Entwicklung zu finanzieren.
2001 beschloss der Landkreis Namhae, diese Arbeitskräfte zu ehren. Er bot Menschen, die über 20 Jahre in Deutschland gelebt hatten, vergünstigtes Bauland an. So konnten sie nach Korea zurückkehren und Häuser im traditionellen deutschen Stil bauen – mit weissen Wänden, orangen Dächern und allem Drum und Dran.
Eine bewegende Begegnung bei Currywurst

Der wahre Zauber des Deutschen Dorfes liegt in seinen Bewohnerinnen und Bewohnern. Wenn du dich in eines der lokalen Bistros setzt und eine Currywurst mit einem kalten Pint Bitburger oder Erdinger bestellst, ist deine Bedienung oft nicht einfach jemand, der in einem Restaurant mit deutschem Thema arbeitet. In vielen Fällen sind es genau die Menschen, die Südkorea in den schwierigen Nachkriegsjahrzehnten verlassen hatten, um in Deutschland zu arbeiten, und schliesslich nach Namhae zurückkehrten.
So wird aus einem einfachen Touristenstopp eine der ungewöhnlichsten kulturellen Begegnungen in Südkorea. Beim Abendessen hört man nicht selten zwischen den Tischen fliessend Deutsch, während Geschichten aus Frankfurt, dem Ruhrgebiet oder von Jahrzehnten im Ausland ganz selbstverständlich zur Sprache kommen. Wenn du dich für koreanische Geschichte, die deutsch-koreanischen Beziehungen oder authentische Erlebnisse abseits von Seoul und Busan interessierst, bietet dir das Deutsche Dorf die seltene Gelegenheit, eine lebendige Brücke zwischen zwei Kulturen zu erleben.
Eine Brücke zwischen Kulturen erleben: Mitten im ländlichen Korea mit einer einheimischen Person Deutsch zu sprechen, fühlt sich surreal an. Wie der Kellner, den du kennengelernt hast, haben viele dieser Bewohner ihr gesamtes Erwachsenenleben in Deutschland verbracht. Sie verbinden koreanische Wurzeln mit Jahrzehnten deutscher Kultur und tragen so eine einzigartige doppelte Identität in sich. Bei einem Gespräch auf Deutsch über ihr Leben im Ruhrgebiet oder in Frankfurt wird das Essen zu viel mehr als einer Mahlzeit – es ist eine lebendige Geschichtsstunde.
Unbedingt auf deinem Roadtrip
Da du mit dem Auto unterwegs bist, solltest du Namhae nicht verlassen, ohne diese zwei legendären Orte besucht zu haben:
1. Boriam-Einsiedelei (Berg Geumsan)
Dieser Tempel wurde 683 n. Chr. gegründet und liegt hoch oben auf den zerklüfteten Gipfeln des Geumsan.
- Warum du hingehen solltest: Hier kannst du an einem der wenigen Orte beobachten, wie die Sonne über den unzähligen kleinen Inseln des Hallyeohaesang-Nationalparks aufgeht.
- Tipp: Fahr bis zum «Parkplatz Bokggok 2», dann bleibt dir ein langer Aufstieg erspart. Der letzte 15-minütige Fussweg zum Tempel ist allerdings immer noch ziemlich steil!
2. Dorf Gacheon Daraengi
Das Dorf ist berühmt für seine 108 Stufen terrassierter Reisfelder, die sich einen 45-Grad-Hang hinunter bis zum Meer ziehen.
- Der Ausblick: Wenn du auf dem «Jiget-gil»-Weg durch diese Felder wanderst, siehst du, wie sich die Menschen seit Jahrhunderten an die zerklüftete Landschaft von Namhae angepasst haben.
Reisetipps für deine Reise
- Navigation: Vergiss Google Maps – für Autofahrten in Korea ist der Dienst nicht besonders geeignet. Verwende Naver Map oder KakaoMap. Beide lassen sich auf Englisch einstellen und sind für die kurvigen Strassen von Namhae deutlich genauer.
- Die Fahrt: Die Strassen sind gut ausgebaut, in den Dörfern können sie aber sehr schmal und steil sein. Achte auf «Silver Zones» (Gebiete mit vielen älteren Einwohnerinnen und Einwohnern), in denen die Höchstgeschwindigkeit strikt auf 30 km/h begrenzt ist.
- Die beste Reisezeit: Wenn du kannst, komm im Oktober zum jährlichen Oktoberfest des Dorfes – es ist das grösste Fest seiner Art in Asien!
Namhae zeigt, dass es beim Reisen um die Menschen geht, denen man begegnet, und um die Risiken, die man eingeht – sei es, mit einem Schaltwagen einen Berg hinaufzufahren oder über einen Glasboden aufs Meer hinauszugehen.
Hier ist ein Schlussabschnitt für deine Namhae-Seiten. Er verwendet ausschliesslich die regionalen Links deiner Südkorea-Übersichtsseite und wechselt die Reiseziele ab.
Häufige Fragen zu Namhae
Brauchst du ein Auto, um Namhae zu besuchen?
Realistisch gesehen: ja. Namhae ist die ruhige, ländliche Seite Südkoreas. Während die Städte des Landes über Züge und U-Bahnen von Weltklasse verfügen, fahren die lokalen Busse auf der Insel nur selten. Viele der schönsten Aussichtspunkte an der Küste liegen zudem an schmalen Strassen, weit entfernt von jeder Haltestelle. Mit einem Mietwagen wird aus einem frustrierenden Besuch ein unvergessliches Erlebnis. Für die Planung deiner Reise ist er mit Abstand am wichtigsten.
Wie kommst du nach Namhae?
Die meisten Reisenden erreichen Namhae über nahe gelegene Verkehrsknotenpunkte auf dem südkoreanischen Festland, etwa Busan und Jinju, und reisen von dort weiter. Da der öffentliche Verkehr auf der Insel selbst eingeschränkt ist, empfiehlt es sich, zu einem dieser Orte zu fahren und dort einen Mietwagen zu nehmen. Damit kannst du nach Namhae und über die Insel fahren.
Was ist das Deutsche Dorf (Dogil Maeul) in Namhae?
Das Deutsche Dorf, auch Dogil Maeul genannt, ist eine kleine Siedlung am Hang. Sie wurde von Koreanern gegründet, die Jahrzehnte zuvor in Deutschland gearbeitet hatten und anschliessend in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Ihre Häuser bauten sie im traditionellen deutschen Stil, mit weissen Wänden und orangefarbenen Dächern. Heute gehört das Dorf zu den beliebtesten Ausflugszielen in Namhae. Ausserdem findet dort jedes Jahr das Oktoberfest statt, das sich in Korea zu einem bekannten Anlass entwickelt hat.
Was kannst du in Namhae am besten unternehmen?
Die meisten Besucher planen ihre Reise rund um den Seolli Skywalk, einen Glasbodenweg, der über dem Meer aus der Klippe hinausragt, das Deutsche Dorf, die auf dem Gipfel des Geumsan gelegene Einsiedelei Boriam und die terrassierten Reisfelder des Dorfs Gacheon Daraengi. Am besten erlebst du die Insel, indem du diese Orte auf einem Roadtrip mit dem Mietwagen entlang der Küste verbindest.
Lohnt sich ein Besuch des Seolli Skywalks?
Ja, besonders wenn du bei schöner Aussicht ein bisschen Nervenkitzel magst. Der Seolli Skywalk ragt mit seinem durchsichtigen Boden über die Klippen hinaus. So blickst du direkt hinunter aufs Wasser. Er gehört inzwischen zu den meistfotografierten Orten Namhaes. Wenn dir die Höhe zu schaffen macht, kannst du die Umgebung auch ganz in der Nähe von festem Boden aus geniessen.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch in Namhae?
Am angenehmsten sind Frühling und Herbst. Das milde Wetter eignet sich bestens für Fahrten über die Küstenstrassen und Wanderungen zu Orten wie Boriam. Im Herbst findet im Deutschen Dorf ausserdem das Oktoberfest statt. Wenn dich das interessiert, lohnt es sich, deinen Besuch danach auszurichten.
Deine Reise geht über Namhae hinaus
Der ruhige Inselcharme und die einzigartige Architektur Namhaes sind ein Höhepunkt an der Südküste. Doch Südkorea hat noch viele weitere vielfältige Landschaften zu bieten. Ob du zurück in die Hauptstadt fährst oder nach den besten Surfspots vor Ort suchst – wirf einen Blick auf diese Reiseführer:
- Der grosse Überblick: Beginne mit meinem Südkorea-Insiderguide für einen umfassenden Überblick über alle Provinzen.
- Königliches Erbe: Besuche Gyeongju, die alte Hauptstadt, die oft als «Museum ohne Mauern» bezeichnet wird.
- Sonnenaufgänge an der Ostküste: Erlebe die eindrucksvolle Küste von Jeongdongjin. Hier steht der Bahnhof, der dem Meer am nächsten liegt.
- Surfen an der Westküste: Fahr auf die Taean-Halbinsel, um in Mallipo die schönsten Sonnenuntergänge und lokale Surfspots zu erleben.
- Tor zu den nördlichen Bergen: Entdecke Sokcho – den perfekten Ausgangspunkt, um den Seoraksan-Nationalpark zu erkunden.
- Inselabenteuer: Erkunde die vulkanischen Landschaften und spektakulären Wanderwege der Insel Jeju.
- K-Kultur & Neon: Erlebe die pulsierenden Strassen und die unzähligen Essensmöglichkeiten in Seoul.
Suchst du nach der besten Route? Sieh dir meine vollständige Südkorea-Karte an und entdecke, wie all diese Orte zusammenpassen – für deine perfekte Reiseroute.
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