Bern: Bundesstadt und die Kunst des entschleunigten Lebens

Zürich ist der Ort, an dem die Schweiz ihr Geld verdient, und Bern der, an dem sie den Kopf bewahrt. Hier habe ich meinen Bachelor in Betriebswirtschaft und Informatik gemacht und bin an den meisten Morgen aus Solothurn hergependelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war das Tempo. Bern ist Sitz der Schweizer Bundesregierung und führt das Land auf dem Papier, verhält sich aber nie wie eine Hauptstadt. Hier gibt es Sandsteinlauben, einen mittelalterlichen Uhrturm und einen so sauberen Fluss, dass die Leute auf dem Heimweg von der Arbeit mitten durch die Stadt schwimmen. Jahre später, als ich in Tokio lebte, verglich ich andere Städte in Gedanken immer noch mit der Ruhe, die ich hier kennengelernt hatte.


Ein Fluss, in dem man wirklich schwimmen kann

Wenn du Bern verstehen willst, fang mit der Aare an. Im Sommer landet die halbe Stadt im Fluss. Meist steigt man in Eichholz ins Wasser und lässt sich von der Strömung bis ins Marzili treiben, dem kostenlosen Flussbad direkt unterhalb des Parlamentsgebäudes. Die Leute treiben mit einem wasserdichten «Aare-Bag» für Kleider und Handy im Wasser, steigen am Ende aus und laufen in Flip-Flops zurück, um das Ganze gleich noch einmal zu machen.

Eine ehrliche Warnung, denn sie ist wichtig: Die Aare ist schnell und kalt und hat nichts mit einem gemütlichen Strömungskanal zu tun. Steig dort aus, wo die Einheimischen aussteigen, nicht dort, wo das Ufer einladend aussieht. Eine ausführliche Übersicht zu Einstiegsstellen, Ausstiegen und Sicherheit findest du in meinem Guide zum Schwimmen in der Aare. Dieselbe Flusskultur zieht sich durch die ganze Schweiz: von den Zürcher Badis über das Aare-Surfen in Thun bis zur langen, gemächlichen Aare-Schifffahrt von Solothurn nach Biel.


Studentenleben in der Länggasse

Die meisten meiner Berner Jahre verbrachte ich in der Länggasse, dem Quartier gleich hinter dem Hauptbahnhof, in dem die Universität Bern liegt. Hier gibt es Studierende, günstigen Kaffee, Antiquariate und Bibliotheken. Die Stadt wirkt hier bewohnt statt bloss fotografiert. In Bern entwickelt sich ausserdem eine lebendige Fintech- und Biotech-Szene. Sie ist weniger offensichtlich als die Finanzhochhäuser in Zürich, aber sie ist da. Und sie hat mir früh gezeigt, dass man keine Wolkenkratzer braucht, um Grosses aufzubauen.


Unterwegs in Bern – aus Erfahrung mit dem Pendeln

Jahrelang bin ich mit dem Zug aus Solothurn hergekommen, pro Weg etwa 35 bis 40 Minuten. Von ein paar Dingen kann ich also aus eigener Erfahrung berichten. Die Altstadt ist klein und lässt sich gut zu Fuss erkunden. Am schnellsten findest du dich zurecht, wenn du zum Rosengarten hinaufspazierst. Der Weg ist ein paar Minuten lang steil, aber oben hast du den bekannten Blick auf die Aare, die sich um die Altstadt schlängelt, mit dem Münster in der Mitte. Unten im Zentrum ist der Uhrturm Zytglogge das Wahrzeichen, auf das alle zeigen. Sehenswert ist vor allem, hineinzuschauen und die alten Zahnräder bei der Arbeit zu beobachten, bevor die Glocke schlägt.

Wenn du aus meiner Ecke des Kantons kommst, ist Solothurn ein unkomplizierter und oft unterschätzter Ausgangspunkt. Für eine Stadt dieser Grösse gibt es überraschend viele gute Restaurants, dazu die HESO-Messe im Sommer und ungewöhnliche Perlen wie die Alte Brennerei in Unterramsern und die Storchenschifffahrt nach Altreu.


Bern als Ausgangspunkt fürs Berner Oberland

Hier zeigt sich, warum Bern auf einer Reise wirklich seinen Platz verdient. Die Stadt liegt direkt am Eingang zum Berner Oberland, sodass die meisten berühmten Seen und Berge mit dem Zug schnell und unkompliziert erreichbar sind. Auf diese Tagesausflüge schicke ich meine Leute immer wieder:

  • Oeschinensee, der türkisfarbene Bergsee oberhalb von Kandersteg
  • Blausee, der kleine, fast unwirklich blaue Waldsee
  • Thun, eine Schlossstadt am See mit Aare-Surfen und Essen direkt am Wasser
  • Niederhorn und Beatenberg, Gratblicke und Höhlen oberhalb des Thunersees
  • Simmenfälle in Lenk, eine Wanderung zu Wasserfällen am oberen Ende des Simmentals
  • die Alpabfahrt in St. Stephan, wenn dein Timing für den herbstlichen Viehabtrieb passt
  • Ballenberg, das Freilichtmuseum mit alten Schweizer Bauernhäusern in der Nähe von Brienz

Von Bern nach Tokio

Der betriebswirtschaftliche Teil dieses Studiums hat mich schliesslich zu einem Job im Finanzwesen in Tokio geführt – und der Kontrast bringt mich noch heute zum Schmunzeln. In Bern halten die Leute an, um «Grüessech» zu sagen, und behandeln den Feierabend, also das Ende des Arbeitstags, als etwas beinahe Heiliges. Tokio lebt von Neonlicht und einer ganz anderen Intensität. Wenn du zwischen diesen beiden Welten abwägst, vergleiche ich sie ausführlich in Leben in Tokio oder Zürich und Leben in der Schweiz oder Korea. Ausserdem habe ich einen längeren Beitrag über das Leben als Schweizer Expat in Japan geschrieben. Alles rund ums Geld bei einem Umzug findest du in meinem Beitrag über Schweizer Steuern für Ausländer.


Wichtige Reisetipps für Bern

  • Sprache: Die Einheimischen sprechen Bärndütsch, ein langsameres, melodischeres Schweizerdeutsch. Standarddeutsch wird überall verstanden.
  • Kaffee: In den Röstereien in der Länggasse nahe der Universität bist du bestens aufgehoben.
  • Anreise: Mit dem Zug dauert es ab Solothurn etwa 35 bis 40 Minuten. Von Bern aus gibt es schnelle Anschlüsse nach Thun, Interlaken und ins übrige Berner Oberland.
  • Tempo: Die Läden haben nur kurz geöffnet, und sonntags ist es wirklich ruhig. Erledige deinen Lebensmitteleinkauf also am Samstag.

Alle meine Guides zu Bern, der Aare und dem Berner Oberland

Bern ist der ideale Ausgangspunkt, um diese ganze Ecke der Schweiz zu erkunden. Hier findest du alles, was ich darüber geschrieben habe, an einem Ort.

Tagesausflüge ins Berner Oberland

  • Oeschinensee, der Bergsee oberhalb von Kandersteg
  • Blausee, der unglaublich blaue Waldsee
  • Thun: Schloss, Aare-Surfen und Essen am Flussufer
  • Niederhorn und Beatenberg: Aussichten und Höhlen oberhalb des Thunersees
  • Simmenfälle in Lenk, eine Wanderung zu den Wasserfällen
  • Alpabfahrt in St. Stephan, der herbstliche Viehabtrieb
  • Freilichtmuseum Ballenberg bei Brienz

Die Aare und mein Heimatkanton rund um Solothurn

  • Baden in der Aare
  • Die Aare-Schifffahrt von Solothurn nach Biel
  • Die Storchenschifffahrt nach Altreu
  • Solothurn-Reiseführer
  • Die besten Restaurants in Solothurn
  • HESO Solothurn
  • Alte Brennerei Unterramsern

Anderswo in der Schweiz

  • Leben in Zürich: der komplette Stadtführer
  • Der Badi-Guide für Zürich
  • Barabende im Landesmuseum Zürich
  • Street Parade Zürich
  • Reiseführer Neuenburg
  • Heidis Alp oberhalb von Maienfeld
  • Gruyères
  • Weihnachten in der Schweiz
  • Der umfassende Schweiz-Reiseführer

Von der Schweiz nach Japan

  • Leben in Tokio oder Zürich
  • Leben in der Schweiz oder Korea
  • Der Schweizer Expat in Japan
  • Schweizer Steuern für Ausländer

Bern lässt sich wunderbar in eine längere Reise einbauen – wie das geht, zeige ich in meinem 7-Tage-Reiseplan für die Schweiz und in meinem Guide zum Swiss Travel Pass.

Häufig gestellte Fragen

Ist Bern die Hauptstadt der Schweiz?

Bern ist die «Bundesstadt» der Schweiz und Sitz der Landesregierung. In der Praxis übernimmt Bern damit die Rolle der Hauptstadt, obwohl die Schweiz keine offizielle Hauptstadt hat. Hier geht es deutlich ruhiger zu als in Zürich.

Was ist das Aareschwimmen in Bern?

Im Sommer springen Einheimische in die gletscherblaue Aare und lassen sich flussabwärts treiben. Eine beliebte Strecke beginnt in Eichholz und führt bis zum Marzilibad unterhalb des Parlaments. Die Strömung ist stark, deshalb ist die Strecke für geübte Schwimmerinnen und Schwimmer geeignet. Damit ihre Kleider trocken bleiben, nehmen viele wasserdichte «Aare-Bags» mit.

Welche Sprache spricht man in Bern?

Man spricht Bärndütsch, eine langsamere und melodischere Variante des Schweizerdeutschen. Hochdeutsch wird überall verstanden.

Wie lange dauert die Zugfahrt von Solothurn nach Bern?

Etwa 35 bis 40 Minuten. Von Bern aus kommst du mit schnellen Zugverbindungen weiter ins Berner Oberland.

Was sollte ich mir in Bern ansehen?

Den mittelalterlichen Zytglogge-Turm, den Rosengarten mit Blick auf die Aareschlaufe und das Berner Münster sowie das Studentenviertel Länggasse hinter dem Hauptbahnhof mit seinen Cafés und der Universität Bern.

Ist Bern ein guter Ausgangspunkt fürs Berner Oberland?

Ja. Bern ist einer der besten Ausgangspunkte für die Region. Mit dem Zug erreichst du bequem den Oeschinensee, den Blausee, Thun, das Niederhorn oberhalb des Thunersees und das Simmental.

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