Sake at meji jingu – One Day in Tokyo
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Ein Tag in Tokio: Zu Fuss von Harajuku nach Shinjuku (an Silvester getestet)

16 min read

Die meisten Besucher erwarten einen riesigen Countdown an der Shibuya-Kreuzung oder ein Feuerwerk über der Bucht. Doch Tokios wahre Magie zeigt sich in den Übergängen zwischen den berühmten Vierteln. Nachdem ich über zwei Jahre in Tokio gelebt habe, weiss ich: Wenn du nur einen Tag in Tokio hast, erlebst du die Stadt am besten nicht aus dem Zug, sondern zu Fuss entlang der Nahtstellen zwischen den Vierteln. Weitere Ideen findest du in meinem Tokio-Guide.

In diesem Guide stelle ich eine Route vor, die ich mit meinem Freund Benji gegangen bin und die innerhalb von 24 Stunden an Tokios wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Von den modischen Strassen Harajukus bis zur Neonintensität von Shinjuku: Das ist ein dokumentierter, in der Praxis erprobter Reiseplan, der auf meinen Ortskenntnissen basiert. Er richtet sich an alle, die Tokios «All-Star»-Orte sehen und den üblichen Stress mit den Verkehrsmitteln vermeiden möchten.

Ein Tag in Tokio: Warum diese Route funktioniert

Statt kreuz und quer durch die Stadt zu fahren, sind wir einer logischen Route mit einem natürlichen Verlauf gefolgt. So bekommst du Folgendes zu sehen:

  • Die Popkultur-Seite: Harajuku, die Takeshita-dori und Themenläden.
  • Die traditionelle Seite: den Wald und den Meiji-Schrein.
  • Die ikonische Grossstadt: die Shibuya-Kreuzung von oben und nachts das Neonlicht von Shinjuku.

Jeder Halt, jede Kaffeepause und jede Beobachtung hier beruht auf unseren eigenen Erlebnissen in der besonderen Atmosphäre der Stadt zum Jahresende.

Die Route auf einen Blick

StoppWas du unternehmen kannstEinzuplanende ZeitBis zum nächsten Stopp
HarajukuAnakuma Cafe, Takeshita Street, Mittagessen bei Udon Iroha, Harry-Potter-Shop2–3 StundenEin paar Minuten zu Fuss
Meiji JinguSpaziergang durch den Wald, Sake-Fässer, Hauptschrein45–60 MinutenZu Fuss etwa 27 Minuten bis Shibuya
ShibuyaOne-Piece-Shop, Shibuya Crossing, Dachterrasse im MAG’s Park1,5–2 StundenMit der JR-Yamanote-Linie nur ein paar Minuten bis Shinjuku
ShinjukuOmoide Yokocho, Kabukicho, Golden GaiDen ganzen Abend,

Da Silvester war, sind wir am frühen Nachmittag gestartet. Für einen normalen Tag findest du meine Tipps am Ende dieses Guides.

Einblick vor Ort: Wenn du zwischen diesen Zentren zu Fuss unterwegs bist, entdeckst du das verborgene Tokio – ähnlich wie in Vierteln wie Koenji und Asagaya , wo das Leben der Einheimischen noch immer die Strassen prägt.

So nutzt du diesen Guide

Das ist nicht einfach eine Liste von Orten, sondern ein konkreter Plan. Egal, ob du zum ersten Mal hier bist oder selbst als Expat in Japan lebst: Folge einfach genau dieser Route. So kommst du zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Tokios und verpasst trotzdem nicht die besondere, stille Schönheit, die es nur an Silvester gibt.



Der Tag beginnt in Harajuku

Crowded entrance to Takeshita Street in Harajuku on a busy New Year's Eve 2025.
Der Eingang zum Herzen von Tokios «Kawaii»-Kultur. An Silvester ist es hier voll und die Stimmung elektrisierend.

Wir starteten am frühen Nachmittag in Harajuku, dem unbestrittenen Zentrum von Tokios Jugend- und «Kawaii»-Kultur. Selbst im tiefsten Winter ist die Energie hier elektrisierend. Seit der Tourismus wieder voll angelaufen ist, wirkt das Viertel lebendig – allerdings deutlich voller als bei meinem letzten Jahreswechsel hier.

Das Kaffee-Ritual «Bär im Loch»

A furry bear paw handing a coffee cup through a hole in the wall at Anakuma Cafe.
Kaffee, serviert von einer Bärentatze. Nur in Harajuku! 🐾

Bevor wir uns ins Getümmel stürzten, brauchten wir erst einmal einen Koffeinkick. Doch in Harajuku ist selbst eine Kaffeepause ein Erlebnis. Wir machten Halt im Anakuma Cafe (wörtlich «Bär im Loch»).

Das Konzept ist typisch japanisch und genial: Es sind keine Baristas zu sehen. Du bestellst am Tablet, und ein paar Minuten später klingelt eine Glocke. In einer waldgrünen Wand öffnet sich eine kleine Holzklappe, und eine grosse, pelzige Bärentatze reicht dir dein Getränk.

  • Die Atmosphäre: Das Ganze ist verspielt und leicht surreal. Gleichzeitig zeigt es Japans Gespür für Service ohne direkte Interaktion: Du erlebst etwas Unvergessliches, ohne dich zu einem Smalltalk verpflichtet zu fühlen. Genau solche Erlebnisse sind der Grund, warum ich meinen Guide zu den schrägen Dingen in Tokio geschrieben habe, die dir erst auffallen, wenn du schon eine Weile hier lebst.
  • Das Getränk: Abgesehen vom Gag ist der Kaffee wirklich hochwertig. Die meisten – uns eingeschlossen – kommen aber wegen des Fotomoments: Eine Bärentatze gibt dir ein High-Five oder zeigt dir den Daumen hoch, während du deinen Latte in die Hand nimmst.

Durch das Takeshita-Chaos

Mit ausreichend Koffein im Blut machten wir uns auf zur Takeshita Street. Normalerweise sind die Menschenmengen wegen der winterlichen Kälte etwas kleiner, doch an Silvester war die Strasse ein einziger Menschenstrom. Trotz des Gedränges gehört ein Spaziergang durch diese Strasse einfach zu Tokio. Hier prasseln Sinneseindrücke auf dich ein: buntes Streetfood, riesige Zuckerwatte und Boutiquen mit ganz spezieller Mode.

Für eine ganz bestimmte Mission machten wir einen Abstecher in einen Sanrio-Laden: Wir wollten ein Hello-Kitty-Geschenk für Benjis Freundin finden. Sie war im Hotel geblieben und kämpfte mit einer Wintererkältung. Als «Gute Besserung»-Souvenir gibt es kaum etwas Passenderes als ein Sanrio-Plüschtier, das es nur in Harajuku gibt.

Mein Tipp: Wenn dir die Takeshita Street zu eng und überfüllt ist, findest du in den Seitenstrassen (Ura-Harajuku) eine deutlich ruhigere Atmosphäre, mit exklusiven Streetwear-Labels und versteckten Galerien, die viele Touristen verpassen. Wenn du ruhigere Viertel Tokios mit Cafés und versteckten Läden magst, bietet Kichijoji eine ganz ähnliche Atmosphäre, abseits der touristischen Zentren.


Tiercafés und Mittagessen in der Nähe

Auf dem Weg durch Harajuku kommt man kaum an den Tiercafés vorbei, die sich an den Seitenstrassen aneinanderreihen: mit Schweinen, Ottern und sogar Capybaras. Diese typisch japanischen Konzepte sind in der Gegend sehr beliebt, aber durchaus umstritten. Die Meinungen dazu gehen auseinander, doch die Cafés prägen weiterhin das Strassenbild von Harajuku.

Der eigentliche Höhepunkt unseres Nachmittags war aber das Mittagessen. Ich nahm Benji mit an einen Ort, der schon lange auf meiner persönlichen Google-Maps-Liste «Tokyo Food Guide» steht: Udon Iroha.

Die Kunst der Fusions-Udon: Udon Iroha

Bowls of miso and vongole fusion udon at Udon Iroha Harajuku.
Fusion-Udon mit Miso-Sahne und Vongole im Udon Iroha in Harajuku.

Ich habe diesen Ort zum ersten Mal mit meiner Verlobten entdeckt und auf den richtigen Moment gewartet, um ihn Benji zu zeigen. Udon Iroha ist für seine Fusion aus «Italienisch und Japanisch» bekannt. Hier gibt es nicht nur traditionelle Brühe, sondern auch kreative Schüsseln wie Carbonara-Udon und Gorgonzola-Udon.

  • Die Wartezeit: Stell dich auf eine Schlange ein. Selbst an einem kalten Silvesterabend wartet man draussen meist 20 bis 30 Minuten. Am Eingang musst du deinen Namen und die Anzahl Personen auf die Warteliste schreiben und warten, bis du an der Reihe bist. In Tokio ist eine solche Schlange meist ein Qualitätsmerkmal – und das Warten lohnt sich wirklich.
  • Das Essen: Sobald du drinnen bist, geht der Service unglaublich schnell.
    • Meine Wahl: Ich entschied mich für das Miso-Cream-Udon – reichhaltig, herzhaft und der perfekte Schutz vor der winterlichen Kälte.
    • Benjis Wahl: Er nahm das Udon nach Vongole-Art, das voller Venusmuscheln steckt und den unverkennbaren italienischen Pasta-Charakter mit dem dicken, bissfesten Biss japanischer Nudeln verbindet.
  • Der «Omori»-Vorteil: Das Beste an Iroha ist unter anderem, dass du ohne Aufpreis eine grosse Portion (Omori) für 0 Yen bestellen kannst. In einer Stadt, in der fast alles einen Aufpreis kostet, ist das eine seltene und willkommene Entdeckung. Es gibt auch eine Filiale in Ginza, wo du dasselbe Angebot bekommst, wenn du gerade dort bist.

Genau das hatten wir gebraucht: etwas Einfaches, Warmes und Sättigendes, das uns genug Energie für den nächsten Abschnitt unserer Reise Richtung Shinjuku-Countdown gab.


Merchandise-Kultur und eine ruhige Pause am Meiji Jingu

Nach dem Mittagessen tauchten wir tief in Tokios «Merchandise-Kultur» ein – eine ganz andere Welt als in Europa oder den USA. In Japan sind Themenläden nicht einfach Geschäfte, sondern immersive Erlebnisse, bei denen Fans jedes Detail wertschätzen.

Der neue Flagship-Store der Wizarding World

The exterior storefront of the new Harry Potter shop in Harajuku, featuring magical window displays.
Die Magie beginnt schon auf dem Trottoir. Harajukus neuer Flagship-Store der Wizarding World.

Als riesige Harry-Potter-Fans mussten Benji und ich beim brandneuen Harry Potter Shop in Harajuku Halt machen. Da meine Verlobte und ich die Reihe lieben, haben wir bereits die Studiotour «Making of Harry Potter» in Nerima gemacht. Inzwischen bin ich so etwas wie ein lokaler Experte für Tokios «Potter-Runde».

Dieser neue Flagship-Store ist unglaublich. Er ist wie der Verbotene Wald gestaltet, mit lebensgrossen Seidenschnabel-Statuen und Bereichen, die den einzelnen Häusern gewidmet sind.

  • Die Verbindung: Meine Verlobte lernt tatsächlich Deutsch am Goethe-Institut in der Nähe von Akasaka-Mitsuke, und der Bahnhof wurde komplett in eine Harry-Potter-Sehenswürdigkeit verwandelt. Von der Dekoration im Stil der «Grossen Treppe» bis zum Harry Potter Café gleich neben ihrer Schule verbringen wir viel Zeit in dieser «Mini-London»-Ecke Tokios.
  • Die Atmosphäre: Wenn man die Menschen in Harajuku dabei beobachtet, wie sie sorgfältig Zauberstäbe oder exklusive Harajuku-Kleidung auswählen, wird klar, warum Japan der zweitgrösste Potter-Markt der Welt ist. Es geht um Oshikatsu – die hingebungsvolle Unterstützung des Lieblingsstars oder -charakters –, die diese Orte so lebendig macht.

Der Kontrast: Silvester am Meiji Jingu

A massive outdoor display of colorful decorative sake barrels at Meiji Jingu Shrine in Tokyo.
Die ikonische Wand aus Sake-Fässern (kazaridaru). Jedes einzelne ist eine Opfergabe an die Gottheiten.

Wir liessen Harajukus Neonlichter und Magie hinter uns und spazierten direkt in die bewaldete Anlage von Meiji Jingu. Der Übergang könnte kaum abrupter sein – und gerade das macht ihn so besonders. Innerhalb von Sekunden verschlucken riesige Zedern das Stadtlärmen, während unter unseren Füssen der Kies knirscht.

Da der 31. Dezember war, lag eine konzentrierte, feierliche Stimmung in der Luft. Wir sahen Shinto-Priester in traditionellen weissen Gewändern, die zügig über das Gelände gingen. Sie schlenderten nicht einfach herum – sie waren mitten in den Vorbereitungen auf Hochtouren.

Warum Meiji Jingu an Silvester etwas Besonderes ist:

  • Die Ruhe vor dem Sturm: Meiji Jingu ist der wichtigste Schrein für Hatsumode (den ersten Schreinbesuch des Jahres). An Silvester kannst du die ruhigen Vorbereitungen miterleben. Dort zu stehen und den Priestern dabei zuzusehen, wie sie sich auf die 3 Millionen Menschen vorbereiten, die in den nächsten Tagen kommen würden, lässt die Dimension japanischer Traditionen erst richtig greifbar werden.
  • Besondere Dekorationen: Du kannst einzigartige Neujahrsdekorationen und einen riesigen hölzernen Opferkasten sehen, der nur in dieser Woche aufgestellt wird.
  • Der Andrang: Wenn du mit dem Besuch bis zum 1. Januar wartest – selbst wenn es nur 12 Stunden sind –, wird daraus ein «menschlicher Stau». Dann kann es drei Stunden dauern, bis du die Haupthalle erreichst. Am 31. kannst du die Priester in ihren schönsten Gewändern und den Schrein im Festtagskleid erleben und dabei tatsächlich noch frei atmen.

Das war die perfekte ruhige Pause, bevor wir uns für den Countdown auf den letzten Weg zu den hellen Lichtern von Shinjuku machten.


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Zu Fuss nach Shibuya statt mit dem Zug

Nachdem wir die Ruhe am Meiji Jingu genossen hatten, beschlossen wir, die U-Bahn auszulassen und zu Fuss nach Shibuya zu gehen. Der Spaziergang dauert etwa 27 Minuten – ungefähr so lange, wie man braucht, um sich durch die unterirdischen Gänge zu bewegen und auf einen Zug zu warten. Und nur zu Fuss sieht man, wie die beiden Viertel ineinander übergehen.

Benji wollte das volle «Shibuya-Erlebnis», und an Silvester heisst das, sich auf die schöne, chaotische Energie der belebtesten Kreuzung der Welt einzulassen.

Die Mugiwara-Mission

Life-sized statue of Shanks giving his straw hat to young Luffy inside the One Piece Mugiwara Store in Shibuya.
Den rothaarigen Kapitän gefunden! Ein ikonischer Fotostopp im One-Piece-Store in Shibuya.

Bevor wir uns auf die Suche nach einer Aussicht machten, legten wir unbedingt einen Stopp im One Piece Mugiwara Store im Gebäude MAGNET by SHIBUYA109 ein. Da Benji und ich Fans sind, durfte das ikonische Fotomotiv nicht fehlen: die lebensgrosse Statue von Shanks, der dem jungen Luffy seinen Strohhut reicht.

Hinweis vor Ort: Die meisten merken gar nicht, dass es diesen Laden gibt, weil sie zu sehr auf die Kreuzung konzentriert sind. Für Fans ist er aber der beste «Checkpoint» in der Gegend.

Das «nicht ganz geheime» Dach: MAG’s Park

A high-angle view of the Shibuya Crossing scramble intersection from the MAG's Park rooftop deck.
Der beste Blick auf die Scramble-Kreuzung: Tausende Menschen bewegen sich im Gleichklang.

Viele Reise-Influencer preisen MAG’s Park (auf dem Dach des MAGNET) als «versteckten Geheimtipp» an. Aber seien wir ehrlich: Mittlerweile kennt ihn fast jeder. Das macht ihn aber nicht weniger sehenswert.

  • Der Preis: Der Eintritt kostet 1.500 Yen (Stand 2026). Darin ist ein Getränk inbegriffen – Bier oder ein alkoholfreies Getränk.
  • Das Erlebnis: Hier hast du einen der besten Aussichtspunkte auf die Scramble-Kreuzung, ohne die starken Spiegelungen im Glas, die es an anderen Orten gibt. Auf der Aussenterrasse spürst du den Wind und hörst das Rauschen der Stadt. Wenn die Winterluft zu bissig wird, kannst du dich in den warmen Innenbereich zurückziehen.
  • Der Andrang: Es ist viel los, aber alles ist gut organisiert. Der perfekte Ort, um dich zurückzulehnen, an einem Bier zu nippen und zuzusehen, wie die Tausenden Menschen unter dir wie eine Ameisenkolonie im Gleichklang unterwegs sind.

Shinjuku, Piss Alley und Golden Gai

Als die letzten Stunden des Jahres anbrachen, machten wir uns auf ins Herz von Shinjuku. Während es in anderen Teilen der Stadt langsam ruhiger wurde, lief Shinjuku gerade erst zur Hochform auf.

Rauch und Trubel in der Omoide Yokocho

Unser erster Halt war die berühmte Omoide Yokocho, oft auch «Piss Alley» genannt. Die enge, rauchige Gasse ist voll mit winzigen Yakitori-Ständen und sieht aus wie eine Filmkulisse aus den 1950er-Jahren.

  • Die lokale Perspektive: Ehrlich? Für einen kurzen Rundgang und stimmungsvolle Fotos von den roten Laternen und dem aufsteigenden Grillrauch ist der Ort toll. Aber als Einheimischer würde ich nicht empfehlen, lange hierzubleiben – besonders nicht an Silvester. Es ist eng, und wahrscheinlich bist du mehr damit beschäftigt, Ellbogen auszuweichen, als dein Essen zu geniessen.
  • Unser Plan: Wir machten unsere Fotos, genossen die «Alt-Tokio»-Atmosphäre und zogen dann weiter, um anderswo gemütlicher essen zu können. An Feiertagen mit besonders viel Betrieb gilt hier: anschauen, aber nicht einkehren.

Kabukicho & Golden Gai

Vibrant neon signs and towering buildings in the Kabukicho district of Shinjuku, Tokyo, illuminated at night.
Cyberpunk in echt. Das Neonleuchten von Kabukicho ist nachts die Seele von Shinjuku.

Danach gingen wir weiter nach Kabukicho, ins neonüberflutete Vergnügungsviertel. Hier thront der riesige Godzilla-Kopf über dem Toho Cinema. An Silvester herrscht hier Hochspannung – der beste Ort für die «Cyberpunk»-Neonfotos, die du auf Instagram siehst.

Nur ein paar Minuten entfernt liegt Golden Gai, ein Labyrinth aus sechs winzigen Gassen mit über 200 kleinen Bars.

  • Die Atmosphäre: Jede Bar ist etwa so gross wie ein begehbarer Kleiderschrank und bietet oft nur fünf oder sechs Personen Platz. Hier herrscht eine raue, intellektuelle und unkonventionelle Stimmung, die sich deutlich von den glänzenden Einkaufszentren in der Nähe unterscheidet.
  • Tipp: Einige Bars sind nur für Stammgäste zugänglich oder verlangen einen hohen Eintritt. Achte auf Schilder mit «Welcome» oder englischsprachige Menüs – so findest du die einladendsten Lokale. Hier kannst du perfekt auf einen Drink einkehren und dich kurz mit dem Barkeeper unterhalten, bevor es Mitternacht schlägt.

Countdown am Kabukicho Tower und mit dem ersten Zug nach Hause

Der Countdown am Kabukicho Tower

Japanese girl group Atarashii Gakko! performing on stage in front of the neon Tokyu Kabukicho Tower for the New Year countdown.
Atarashii Gakko! mit «Tokyo Calling» auf der Bühne. Die Stimmung war unglaublich!

Für den eigentlichen Countdown gingen wir zum Tokyu Kabukicho Tower. Dieser Wolkenkratzer ist ganz der Unterhaltung gewidmet, und draussen auf dem Cine City Plaza war die Stimmung elektrisierend.

  • Der Auftritt: Der Höhepunkt war der überraschende Auftritt von Atarashii Gakko!. Falls du die Gruppe nicht kennst: Sie ist für ihre Matrosenuniformen und den Hit «Tokyo Calling» bekannt. Sie diesen Song mitten im Herzen von Shinjuku live spielen zu sehen, war ein echter Tokio-Höhepunkt.
  • Die Strategie in der Gruppe: Ehrlich gesagt: Es war unglaublich voll. Nach dem Countdown war der Andrang so heftig, dass es sich fast wie eine panische Massenbewegung anfühlte. Da kam meine Erfahrung als Bewohner der Stadt ins Spiel: Haltet als Gruppe zusammen. Benji und ich blieben beieinander und gingen zielstrebig weiter, damit wir weder getrennt noch von der Menge mitgerissen wurden. An Silvester musst du in Shinjuku aufmerksam sein.

Bis zum ersten Zug wach bleiben

Die meisten Besucherinnen und Besucher glauben, sie müssten sich beeilen, um den letzten Zug zu erwischen. Doch an Silvester ändert sich Tokios Rhythmus. Während einige JR-Linien, etwa die Yamanote-Linie, die ganze Nacht im 15-Minuten-Takt fuhren, beschlossen wir, die Nacht durchzumachen.

  • Decabar Z: Die frühen Stunden des Jahres 2026 verbrachten wir im Decabar, wo eine wilde Silvesterparty im Halloween-Stil stattfand. Wenn du Lust auf Cosplay, gute Musik und die offene Atmosphäre von Shinjuku Ni-chome hast, kann ich dir diesen Ort sehr empfehlen.
  • Zum Abschluss ins Irish Pub: Schliesslich liessen wir den Abend in einem Irish Pub ausklingen und sahen zu, wie sich der Himmel im Morgengrauen grau färbte.

Willkommen in Tokio: Mit dem ersten Zug nach Hause

Gegen 5 Uhr morgens machten wir uns endlich auf den Weg zum Bahnhof, um den «ersten Zug» zu nehmen. So etwas siehst du nur am 1. Januar: Die Bahnhofshallen und Züge sind voller Menschen – Feiernde in Partykleidung und Schreinbesucherinnen und -besucher im Kimono, alle zusammengesunken und tief eingeschlafen.

Zu sehen, wie das lebhafteste Viertel der Stadt endlich zur Ruhe kam und Hunderte Menschen im Stehen oder an die Bahnhofswände gelehnt schliefen, war der perfekte Abschluss. Wir waren in der Ruhe von Harajuku gestartet und endeten in der erschöpften, glücklichen Stille eines Morgens in Shinjuku.


Diese Route an einem normalen Tag

Wir haben diesen Spaziergang an Silvester gemacht, aber die Route funktioniert an jedem Tag des Jahres. An einem normalen Tag würde ich ein paar Dinge anders machen:

  • Starte morgens beim Meiji Jingu. Der Schrein öffnet ungefähr bei Sonnenaufgang und ist früh am Tag besonders ruhig. Geh danach nach Harajuku, wenn die Läden öffnen – etwa um 10 oder 11 Uhr.
  • Meide die Takeshita Street an Wochenendnachmittagen, wenn du Menschenmengen nicht magst. An Wochentagmorgen ist es deutlich ruhiger.
  • Trag bequeme Schuhe. Mit Abstechern läufst du problemlos 10 km oder mehr.
  • Nimm eine IC-Karte wie Suica mit, falls du eine Etappe auslassen möchtest. Harajuku, Shibuya und Shinjuku liegen alle an der JR-Yamanote-Linie und sind nur wenige Minuten voneinander entfernt.
  • Lass den Tag abends in Shinjuku ausklingen, wenn Omoide Yokocho, Kabukicho und Golden Gai besonders sehenswert sind. Viele Bars in Golden Gai verlangen einen kleinen Eintritt. Schau deshalb auf das Schild an der Tür.

Ein Tag in Tokio: Häufige Fragen

Reicht ein Tag, um Tokio zu sehen?

Nein, aber du hast genug Zeit, um einige der berühmtesten Viertel der Stadt zu entdecken. Diese Route führt durch Harajuku, zum Meiji Jingu, nach Shibuya und Shinjuku. So bekommst du einen guten ersten Eindruck vom traditionellen und modernen Tokio.

Welche Orte führt diese eintägige Route durch Tokio zusammen?

Die Route führt von Harajuku und der Takeshita Street zum Wald und Schrein Meiji Jingu, dann weiter nach Shibuya und zu seiner berühmten Kreuzung. Zum Schluss geht es nach Shinjuku, rund um Omoide Yokocho, Kabukicho und Golden Gai. Die Route verläuft in einem natürlichen, logischen Bogen, statt kreuz und quer durch die Stadt zu führen.

Kann man von Harajuku nach Shinjuku laufen?

Ja. Zu Fuss dauert es etwa 25 bis 30 Minuten. Wenn du wie bei dieser Route über Shibuya gehst, bist du länger unterwegs. Du kannst aber jeden Teil der Strecke mit der JR-Yamanote-Linie fahren.

Wie lange läuft man vom Meiji Jingu nach Shibuya?

Zu Fuss dauert es etwa 27 Minuten. Wir haben die U-Bahn ausgelassen und sind gelaufen. Mit den Wegen in den Stationen dauert es ungefähr gleich lang wie mit dem Zug, und unterwegs bekommst du viel mehr von der Stadt mit.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch im Meiji Jingu?

Am ruhigsten ist es früh am Morgen unter der Woche. Meide die ersten Januartage, ausser du möchtest Hatsumode erleben, wenn Millionen von Menschen den Schrein besuchen.

Was ist das Anakuma Cafe in Harajuku?

Das Anakuma Cafe ist ein Café in Harajuku, in dem ein Bär aus einem Loch heraus den Kaffee serviert. Baristas sind nicht zu sehen: Du bestellst an einem Tablet, eine Glocke klingelt, eine kleine Holzklappe öffnet sich in einer waldgrünen Wand und eine grosse, zottelige Bärenpfote reicht dir dein Getränk. Das Ganze ist verspielt und ein tolles Beispiel für Japans ausgefallenen Service.

Lohnt sich MAG’s Park für den Blick auf Shibuya Crossing?

Ja. MAG’s Park auf dem Dach des Gebäudes MAGNET by SHIBUYA109 ist einer der besten Aussichtspunkte auf die Scramble-Kreuzung – ohne die Spiegelungen auf den Scheiben, die du anderswo hast. Der Eintritt kostet 1’500 Yen (Stand 2026) und beinhaltet ein Getränk, Bier oder Softdrink. Es gibt einen Aussenbereich und einen warmen Innenbereich.

Was ist Golden Gai in Shinjuku?

Golden Gai ist ein Netz aus sechs winzigen Gassen in Shinjuku mit mehr als 200 Mikro-Bars. Jede ist etwa so gross wie ein begehbarer Kleiderschrank und bietet Platz für fünf oder sechs Personen. Die Gegend hat eine raue, bohemische Atmosphäre. Einige Bars sind allerdings Stammgästen vorbehalten oder verlangen Eintritt. Halte deshalb nach einem «Welcome»-Schild oder einer englischen Speisekarte Ausschau.

Was ist die Omoide Yokocho (Piss Alley)?

Die Omoide Yokocho, oft auch Piss Alley genannt, ist ein schmaler, rauchiger Durchgang mit winzigen Yakitori-Ständen in der Nähe des Bahnhofs Shinjuku. Ein kurzer Spaziergang hindurch lohnt sich wegen der besonderen Atmosphäre und der Fotos von den roten Laternen und dem Rauch der Grills. Allerdings wird es sehr eng, weshalb man an geschäftigen Tagen besser nur durchgeht, statt sich hinzusetzen.

Wo kannst du in Tokio den Countdown zum neuen Jahr verfolgen?

Wir haben den Countdown am Tokyu Kabukicho Tower in Shinjuku verfolgt – einem Wolkenkratzer, der ganz der Unterhaltung gewidmet ist und draussen eine lebhafte Atmosphäre bietet. An Silvester fahren einige JR-Linien, etwa die Yamanote-Linie, die ganze Nacht. So kannst du gemütlich bis zum ersten Zug unterwegs bleiben.

Autor

  • maxintokyo

    Max lebt in Tokyo, wo er Informatik studiert und auf Reisen weiterhin die Welt erkundet. Sein Interesse an Kulturen rund um den Globus hat sowohl seinen persönlichen als auch seinen akademischen Weg geprägt. Seinen Bachelor- und Masterabschluss machte er in der Schweiz. Danach verbrachte er als Austauschstudent ein Jahr in Südkorea. Später absolvierte er ein Masterprogramm an der Waseda University in Japan, wo er sein Fachwissen vertiefte und seinen internationalen Horizont erweiterte.
    Heute arbeitet Max in Tokyo als Senior Software Engineer in einer anspruchsvollen Position im Banken- und Finanzsektor. In seiner Arbeit verbindet er technisches Problemlösen mit Branchenkenntnissen. Er hat mehr als dreissig Länder bereist und bringt dadurch wertvolle praktische Erfahrungen in seine Projekte ein.

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