Alle zwei Jahre verlieren die ruhigen Kopfsteinpflastergassen der Solothurner Altstadt ihre Ruhe. Brunnen, an denen sonst nur das Wasser plätschert, werden zu Treffpunkten, auf dem Kreuzackerplatz steht ein Riesenrad, und über der Aare liegt bis zwei Uhr morgens der Soundtrack aus Livekonzerten. Das ist das Stadtfest Solothurn, das Strassenfest der Stadt. Wer danach sucht, möchte wahrscheinlich eines von drei Dingen wissen: Wann findet die nächste Ausgabe statt? Was ist drei Tage lang geboten? Oder lohnt es sich, eine Reise danach auszurichten? Die kurze Antwort lautet: Ja. Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen.
Was ist das Stadtfest Solothurn?

Das Stadtfest Solothurn ist ein kostenloses, dreitägiges Stadtfest, das an rund zehn Orten in und um die Solothurner Altstadt stattfindet – von der Hauptgasse über den Kreuzackerplatz bis hin zum Aareufer. Es steht unter dem Motto „Üses Fescht, from Solothurn for Solothurn“ – „Unser Fest, von Solothurn für Solothurn“. Das ist mehr als ein Slogan: Das ganze Fest wird von lokalen Vereinen, Kunstschaffenden, Restaurants und Unternehmen getragen und nicht von externen Veranstaltern. Dadurch fühlt es sich wirklich nach einem Fest von hier an – etwas, das bei einer Veranstaltung dieser Grösse immer seltener wird. Eintrittskarten und Eingangskontrollen gibt es nicht. Stattdessen verkaufen die Organisatoren freiwillige Solidaritätsbändeli in Silber, Gold und einer Premium-Ausführung in Rot. Diese beinhaltet zusätzlich freie Fahrt im regionalen öffentlichen Verkehr und eine Ermässigung auf der lokalen Schifflinie. Die Einnahmen kommen direkt der Durchführung des Festes zugute.
Das Programm bietet alles, was zu einem Schweizer Sommerwochenende gehört: ein dichtes Konzertprogramm auf mehreren Bühnen, einen grossen Kinder- und Familienbereich, Marktstände regionaler Produzenten, geführte Rundgänge, ein Riesenrad auf dem Kreuzackerplatz, eine Zipline über die Aare, künstlerische Schwimmvorführungen im Fluss und – 2026 neu – einen 111 Meter langen Brunch-Tisch auf dem Postplatz. Damit sollte, wie die Organisatoren ankündigten, der längste Brunch in Solothurn stattfinden.
Vom Märetfescht zu einem neuen Stadtfest
Das Stadtfest Solothurn entstand nicht aus dem Nichts. Es ist der direkte Nachfolger des Märetfescht, einer langjährigen Solothurner Tradition, die nach der letzten Ausgabe 2019 allmählich zu Ende ging, als das Organisationskomitee das Fest im bisherigen Format nicht mehr weiterführen konnte. In den darauffolgenden Jahren klaffte eine spürbare Lücke im sommerlichen Veranstaltungskalender der Stadt, und die Einheimischen stellten sich immer wieder dieselbe Frage: Bekommt Solothurn sein Strassenfest je zurück?
Die Antwort nahm langsam Gestalt an. Die Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn begann, eine Ersatzveranstaltung zu planen, und hoffte zunächst auf einen Start im Jahr 2023. Als sich zeigte, dass ein Fest dieser Grössenordnung mehr Vorlauf benötigte, wurde die Premiere jedoch um ein ganzes Jahr verschoben. Das Warten lohnte sich. Das allererste Stadtfest Solothurn fand schliesslich vom 28. bis 30. Juni 2024 statt. Unter der Leitung von OK-Präsident Alain Blaser wurde es genau zu dem Comeback, auf das die Stadt gehofft hatte.
Die erste Ausgabe: Juni 2024
Bei der Premiere stand die lokale Kultur im Mittelpunkt. Zum Programm gehörten Führungen durch das „verborgene Solothurn“, altes Filmmaterial über die Stadt im Kino Palace, eine Secondhand-Modenschau in der Löwengasse und – eines der eindrücklichsten Bilder jenes Wochenendes – eine Synchronschwimmvorführung der Solothurner Kunstschwimmerinnen und Kunstschwimmer direkt in der Aare vor dem Landhausquai. Am Sonntag gab es einen Flohmarkt im Kollegiumshof, Karaoke auf dem Friedhofplatz und den allerersten Stadtfest-Brunch. Zum Abschluss des Wochenendes stand der Solothurner Rapper Manillio als Hauptact auf der Bühne am Kronenplatz.
Während der drei Tage kamen rund 40.000 Menschen – eine beeindruckende Zahl für eine Stadt von Solothurns Grösse. Die Rückmeldungen waren ausgesprochen positiv. Die lokale Presse wertete das Fest als Beweis dafür, dass die Stadt „das Feiern nicht verlernt“ habe. Das Organisationskomitee war so überzeugt vom Erfolg, dass es fast umgehend mit den Planungen für eine zweite Ausgabe begann. Ein Detail aus dem Premierenjahr lebt bis heute weiter: Die farbenfrohen Festbanner und Zeltblachen wurden später in Zusammenarbeit mit der Stiftung Solodaris zu handgefertigten Taschen und Accessoires verarbeitet, die als kleines, nachhaltiges Erinnerungsstück an die Ausgabe von 2024 verkauft wurden.
Stadtfest Solothurn 2026
Die zweite Ausgabe fand vom 26. bis 28. Juni 2026 statt und verteilte sich diesmal auf zehn Standorte. Am Freitag dauerte das Fest von 16 bis 2 Uhr, am Samstag von 13 bis 2 Uhr und am Sonntag, der etwas ruhiger angelegt war, von 10 bis 17 Uhr. Der Kreuzackerplatz wurde erneut zum Zentrum des Familienprogramms, organisiert von der Stiftung 3FO unter dem Motto „üsi Ching, üsi Zuekunft“ – „unsere Kinder, unsere Zukunft“. Dort gab es ein Handwerks- und Gewerbedorf, eine Herausforderung mit elf Spiel- und Rätselstationen auf dem Festgelände, Kinderschminken und ein Riesenrad. Neu war ein eigener Jugendbereich beim H4 Hotel mit Retro-Games, einem Street-Soccer-Platz und einem Pumptrack für Skateboards, Scooter und Velos.
Musikalisch war der Höhepunkt am Freitagabend der Auftritt von Veronica Fusaro auf der Bühne am Kreuzackerplatz. Sie hatte die Schweiz mit ihrem Song „Alice“ beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien vertreten und spielte vor einem dicht gedrängten Publikum. Am Samstag sorgte das Stadtorchester Solothurn für einen anderen besonderen Moment: Es spielte ein ganzes Konzert mit Klassikern der Filmmusik. In der Nähe standen dazu ein echter DeLorean und eine Nachbildung des Batmobils, zur Verfügung gestellt von der Enter Technikwelt Solothurn. Auf dem Wasser zeigten Solothurner Pumpfoiler, die zu den besten der Schweiz zählen, eine Vorführung und einen Wettkampf auf der Aare. Auch die Kunstschwimmerinnen und Kunstschwimmer der Stadt kehrten mit einer weiteren Darbietung im Fluss zurück – diesmal mit einer eigens für das Fest entwickelten Choreografie.
Die grosse Neuerung 2026 war der 111 Meter lange Brunch-Tisch auf dem Postplatz, beschattet von den alten Bäumen des Platzes. Dort setzten sich die Besucherinnen und Besucher gemeinsam zu dem Brunch, den die Organisatoren als längsten der Stadtgeschichte ankündigten. Die Öufi-Brauerei, Solothurns lokale Bierbrauerei, deren Bier nach der beliebten Zahl elf der Stadt benannt ist, brachte eigens für den Anlass ein Stadtfestbier heraus. Zudem kreierten drei Stadtbäckereien gemeinsam einen Stadtfest-Sablé-Keks in limitierter Auflage. Ein Teil des Erlöses aus jedem Verkauf floss zurück in die Finanzierung des Festes.
Eine Herausforderung konnten die Organisatoren nicht beeinflussen: das Wetter. Die Ausgabe 2026 fiel mitten in eine sommerliche Hitzewelle. Wegen der hohen Tagestemperaturen richtete die Stadt neun Trinkwasser- und Erfrischungsstationen ein, dazu drei mobile Duschen mit Trinkbrunnen, zusätzliche Sonnenschirme und Schattenplätze auf dem Klosterplatz und im Kreuzackerpark sowie mehrere grosse Ventilatoren auf dem Festgelände. An den Infoständen wurden ausserdem mehr als 4.000 kostenlose Sonnencreme-Proben verteilt. Laut der Berichterstattung nach dem Fest bezeichneten sowohl das Organisationskomitee als auch die Stadtpolizei die Veranstaltung insgesamt als friedlich. Die Hitze habe die Stimmung tagsüber etwas gedämpft, die Abende aber nicht daran gehindert, sich wie geplant zu füllen.
Unterwegs am Fest und was Sie erwartet
Da sich das Stadtfest Solothurn über die ganze Altstadt und nicht über ein einzelnes, abgesperrtes Gelände erstreckt, macht das Flanieren von Platz zu Platz einen grossen Teil des Erlebnisses aus. In der Hauptgasse findet ein kleiner Markt mit regionalen Produkten statt, an den Bereichen rund um Kronenplatz und Marktplatz liegen die grösseren Konzertbühnen, und nach Sonnenuntergang wird das Aareufer selbst zur Attraktion. An den Essens- und Getränkeständen wird grösstenteils bargeldlos bezahlt, mit Twint oder Karte. Das Depot von zwei Franken für den Mehrwegbecher wird jedoch immer bar zurückerstattet. Wer von ausserhalb anreist, sollte das rote Premium-Festbändeli in Betracht ziehen: Es beinhaltet zusätzlich zu den üblichen Vorteilen die freie Fahrt im regionalen öffentlichen Verkehr während des ganzen Wochenendes.
Weil das Stadtfest tatsächlich die ganze Stadt einbezieht und nicht auf ein abgesperrtes Festgelände beschränkt ist, fügt es sich ganz natürlich in das ein, was die Altstadt ohnehin zu bieten hat. Die Restaurants, die sonst jeden Quadratmeter der Altstadt beleben, stellen ihre Tische einfach ein Stück weiter auf die Strasse. Auch die Terrassen, Pizzerien und Cafés, die Solothurns Gastronomie das ganze Jahr über so verlässlich machen, haben während des Festwochenendes geöffnet.
Warum Solothurn ein Fest wie dieses brauchte
Um zu verstehen, warum das Stadtfest Solothurn für die Einheimischen so wichtig ist, lohnt sich ein Blick auf seine Vorgeschichte. Das Märetfescht war nicht einfach irgendeine Sommerveranstaltung, sondern jahrzehntelang eine Institution in Solothurn. Für Vereine, Sportclubs und Quartiergruppen war dieses Wochenende ein fester Bestandteil ihres Jahres, auf den sie ihre gesamte Mittelbeschaffung ausrichteten. Als das Fest 2019 verschwand, fehlte nicht nur eine Feier. Die lokalen Vereine verloren eine verlässliche Einnahmequelle, und der Stadt ging einer der wenigen Anlässe verloren, bei denen die ganze Altstadt – statt nur einer einzelnen Strasse oder eines Platzes – zu einem gemeinsamen Treffpunkt wurde.
Diese Lücke ist ein Grund dafür, dass sich das Stadtfest Solothurn weniger wie eine ganz neue Veranstaltung und mehr wie eine Heimkehr anfühlt. Das Organisationskomitee richtete das neue Fest bewusst nach demselben Prinzip aus, das das Märetfescht so lange erfolgreich gemacht hatte: Lokale Vereine, Kunstschaffende und Unternehmen betreiben ihre eigenen Stände und Bühnen, statt dass ein externes Unternehmen ein austauschbares Festkonzept in die Stadt bringt. Auch deshalb findet das Stadtfest nicht jedes Jahr statt. Die Organisatoren haben offen erklärt, dass ein Anlass dieser Grössenordnung, verteilt auf zehn Standorte und mit Dutzenden beteiligten Freiwilligenorganisationen, so viel Vorlauf braucht, wie ihn nur ein Zweijahresrhythmus bietet. Dieses bewusst gewählte Tempo scheint eher Teil des Reizes als eine Einschränkung zu sein. Wer eine Ausgabe verpasst, muss warten – und genau das scheint die Vorfreude und den Besucherandrang jedes Mal hochzuhalten.
Praktische Tipps für den Besuch
Wenn Sie eine künftige Ausgabe des Stadtfests Solothurn besuchen möchten, sollten Sie ein paar Dinge im Voraus wissen. Sobald die Daten bekannt sind, sind Unterkünfte in der Altstadt schnell ausgebucht. Es lohnt sich also, früh ein Zimmer zu reservieren, wenn Sie lieber alles zu Fuss erreichen möchten, statt täglich anzureisen. Am einfachsten ist die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr, denn die Altstadt ist autofrei und das Fest findet auf Strassen statt, in deren Nähe Parkplätze ohnehin schwer zu finden wären. Falls Sie sich wegen der Sommerhitze Gedanken machen, planen Sie Ihren Tag am besten für die kühleren Morgen- und Abendstunden. Bei einer Hitzewelle können sich Solothurns steinerne Plätze in der direkten Sonne stark aufheizen, wie die Ausgabe 2026 gezeigt hat. Nehmen Sie eine wiederbefüllbare Wasserflasche mit. Auf dem Festgelände gibt es überall kostenloses Trinkwasser – sowohl an den historischen Brunnen der Altstadt, die das ganze Wochenende in Betrieb bleiben, als auch an eigens für den Anlass eingerichteten Erfrischungsstationen.
Für Familien mit kleinen Kindern ist der Kreuzackerplatz ein besonders praktischer Ausgangspunkt: Hier gibt es gebündelt das Kinderprogramm, schattige Ruhezonen und Verpflegungsstände. Gleichzeitig liegt der Platz nahe genug an der übrigen Altstadt, um abends noch zu den Hauptbühnen zu spazieren, wenn die Kinder schlafen. Wer ein bestimmtes Konzert oder eine bestimmte Vorführung sehen möchte, sollte vorher den veröffentlichten Bühnenplan prüfen. Hauptacts wie das Konzert von Veronica Fusaro 2026 ziehen schon früh grosse Menschenmengen an.
Lohnt es sich, eine Reise zum Stadtfest Solothurn zu planen?
Wenn Sie ein wirklich lokales Schweizer Fest erleben möchten statt einer stark kommerzialisierten Veranstaltung für Touristinnen und Touristen, lautet die Antwort: ja. Der Eintritt zum Stadtfest Solothurn ist kostenlos, die Stadt ist von Zürich, Bern und Basel aus gut erreichbar, und alle zwei Jahre zeigt sich Solothurn von einer Seite, die es nur dann gibt: Die barocken Plätze werden zu Bühnen, der Fluss zum Ort für Schwimmen und Pumpfoilen, und die Bäckereien verkaufen eigens für den Anlass limitierte Kekse. Das Fest bringt etwas besonders gut zur Geltung, das die Stadt auch sonst auszeichnet: Menschen bei gutem Essen, guter Musik und einem gemeinsamen Gefühl für ihren Ort zusammenzubringen. Tragen Sie die nächste Ausgabe in Ihren Kalender ein und buchen Sie früh ein Zimmer in der Altstadt, denn die Unterkünfte sind schnell ausgebucht. Freuen Sie sich auf ein Solothurn, das lauter, lebendiger und voller ist als sonst – genau so, wie es sich für ein richtiges Stadtfest gehört.
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