
Zu entscheiden, wo du in Asien leben möchtest, kann ganz schön überwältigend sein. Japan und Südkorea gehören zu den beliebtesten Zielen für Expats, digitale Nomaden und alle, die sich für die Kultur begeistern. Ich hatte das Glück, längere Zeit in beiden Ländern zu leben. Dabei habe ich aus erster Hand erfahren, dass sie zwar einige Gemeinsamkeiten haben, sich der Alltag aber völlig unterschiedlich anfühlt.
Wenn du dich zwischen den beiden Ländern entscheiden möchtest, informiere dich über Japans neue Visabestimmungen. Sie haben einige Wege zur Einreise erleichtert, andere hingegen spürbar erschwert.
Während meines Bachelor-Austauschs lebte ich acht Monate in Korea und studierte an der EWHA University in Seoul. So konnte ich den Alltag sowohl als Student als auch als Bewohner kennenlernen. In Japan lebe ich inzwischen seit zwei Jahren, nachdem ich an der Waseda angenommen wurde, und mache meinen Abschluss an der Waseda University in Tokio. Dadurch habe ich ein echtes Gefühl dafür bekommen, wie sich die beiden Länder anfühlen – weit über das hinaus, was man bei einer kurzen Reise oder durch Online-Recherche mitbekommt.
In diesem Guide vergleiche ich das Leben in Japan und Korea in allen Bereichen, die im Alltag wichtig sind: Lebenshaltungskosten, Wohnen, Arbeitskultur, Universitäten, Sprache, Essen, Sozialleben, Sicherheit und Reisen. Dich erwartet ein ehrlicher Blick auf die Vor- und Nachteile beider Länder – egal, ob du ein Auslandssemester oder einen längeren Umzug planst. Unterwegs stelle ich auch einige meiner persönlichen Favoriten vor: vom koreanischen geschabten Eisdessert Bingsu bis zu den Einkaufsstrassen von Seomyeon in Busan.
Die EWHA liegt direkt neben Sinchon, dem Studentenviertel, das ich in meinem Guide zu Sinchon in Seoul vorstelle.
Lebenshaltungskosten (alle Preise in USD)
Eine der ersten Fragen, die man sich vor einem Umzug ins Ausland stellt, lautet: Wie viel kostet das Leben dort? Sowohl Korea als auch Japan sind entwickelte und vergleichsweise teure Länder, doch bei den Kosten für Wohnen, Essen und den täglichen Bedarf gibt es wichtige Unterschiede. Hier findest du einen übersichtlichen Überblick über die tatsächlichen Alltagskosten, damit du dein Budget planen und Überraschungen vermeiden kannst.
Weiter unten findest du eine übersichtliche Aufstellung der typischen Kosten in USD.
Wohnen
Japan
Japan, insbesondere Tokio und Osaka, ist für hohe Mietkosten bekannt. Ein kleines Studio-Apartment im Zentrum von Tokio kostet in der Regel 860 bis 1’400 $ pro Monat, Nebenkosten nicht eingerechnet. Ältere Gebäude sind möglicherweise günstiger, haben aber oft dünne Wände und veraltete Badezimmer.
Korea
Auch Seoul kann teuer sein, aber für dein Geld bekommst du normalerweise mehr Platz. Studios in beliebten Vierteln kosten zwischen 540 und 970 $ pro Monat. In Korea gibt es ausserdem ein einzigartiges System namens Jeonse: Dabei zahlst du statt der monatlichen Miete eine hohe, rückerstattbare Kaution. Wenn du das nötige Kapital im Voraus hast, kannst du damit langfristig Geld sparen.
Wenn du zentral wohnen möchtest, ist Japan von Monat zu Monat meist teurer. In Korea kann es günstiger sein, besonders wenn du einen Jeonse-Vertrag wählst. Das ist einer der grössten Unterschiede zwischen den beiden Ländern, denn die Wohnkosten können dein Budget stärker beeinflussen als jeder andere Faktor.
Lebensmittel und frische Produkte
Japan
Lebensmittel sind in Japan generell von hoher Qualität, aber teuer. Obst kann überraschend kostspielig sein: Eine einzelne Melone kann zum Beispiel 11 bis 22 $ kosten. Alltagsgemüse und verpackte Produkte sind preiswerter, aber immer noch teurer als in Korea.
Korea
Frische Produkte sind in Korea viel günstiger. Ein Korb mit Obst und Gemüse kostet oft 30 bis 40 % weniger als in Japan. Lokale Märkte gibt es überall; dort findest du saisonale Produkte zu erschwinglichen Preisen. Die internationalen Geschäfte sind schöner als in Tokio (und in Seoul häufiger).
Essen gehen
Japan
Eine einfache Mahlzeit wie Ramen oder ein Mittagsmenü kostet etwa 6.50 bis 11 Dollar, während ein Restaurant der mittleren Preisklasse schnell 16 bis 27 Dollar pro Person kosten kann. In Japan gibt es eine hervorragende Auswahl, darunter Sushi, Udon und unzählige regionale Gerichte. Wenn du aber Lust auf scharfes oder kräftig gewürztes Essen hast, könnte dir die Auswahl begrenzt vorkommen. Vergiss es, anständiges italienisches Essen zu finden. Das chinesische Essen in Tokio ist gut! Brot ist schrecklich.
Korea
Auswärts zu essen ist in Korea generell günstiger. Ein sättigendes Mittagessen kostet schon ab 4.30 bis 6.50 Dollar, und selbst koreanisches BBQ mit Freunden ist oft günstiger als eine vergleichbare Mahlzeit in Japan. Die koreanische Küche ist für ihre kräftigen, vielfältigen Aromen bekannt. In Tokio findest du besseres italienisches Essen. Brot ist schrecklich.
Verkehr
Japan
Japans Zugsysteme sind bekannt für ihre Effizienz, aber nicht gerade günstig. Ein Monatsabo für Pendler in Tokio kann je nach Strecke 65 bis 130 Dollar kosten. Fernzüge wie der Shinkansen sind im Vergleich zu Bussen sehr teuer.
Korea
Das U-Bahn-System in Seoul ist modern und sauber, die Fahrpreise sind etwas tiefer. Ein Monatsabo kostet normalerweise 43 bis 75 Dollar. Fernbusse und Züge sind viel günstiger als in Japan.
Nebenkosten und Internet
Die Nebenkosten (Strom, Wasser, Gas) sind in beiden Ländern ähnlich und liegen bei einer kleinen Wohnung im Durchschnitt bei 108 bis 160 Dollar pro Monat. Koreas Ondol-Fussbodenheizung kann im Winter die Kosten erhöhen.
Die Internetgeschwindigkeit ist in Korea beeindruckend und in Japan ordentlich:
- Korea: Gilt oft als Land mit dem schnellsten Internet der Welt. Unlimitierte Tarife kosten etwa 22 bis 32 US-Dollar pro Monat.
- Japan: Üblicherweise etwas teurer: 32 bis 54 US-Dollar pro Monat. In der Praxis variieren die Geschwindigkeiten in Japan je nach Gebäude und Anbieter stark.
Gesundheitsversorgung
Beide Länder haben eine allgemeine Krankenversicherung. In Japan zahlst du in der Regel 30 % der Behandlungskosten selbst, der Rest wird von der Versicherung übernommen. In Korea können die Zuzahlungen niedriger sein, und private Kliniken gibt es überall. Die Versorgungsqualität ist in beiden Ländern ausgezeichnet, doch die Kosten und der Zugang zu medizinischen Leistungen können sich deutlich unterscheiden.
Kostenvergleich (USD)
| Kategorie | Japan (Tokio) | Korea (Seoul) |
|---|---|---|
| Miete (1 Schlafzimmer) | 860 bis 1.400 $ pro Monat | 540 bis 970 $ pro Monat |
| Lebensmittel | Teuer, besonders Obst | Günstiger, gute lokale Märkte |
| Essen gehen | 6,50 bis 27 $ pro Mahlzeit | 4,30 bis 16 $ pro Mahlzeit |
| ÖV | Monatsabo: 65 bis 130 $ | Monatsabo: 43 bis 75 $ |
| Nebenkosten | 108 bis 160 $ pro Monat | 108 bis 160 $ pro Monat |
| Internet | 32 bis 54 $ pro Monat | 22 bis 32 $ pro Monat |
| Gesundheitsversorgung | 30 % Zuzahlung | 20 bis 30 % Zuzahlung |
Fazit:
Wenn du aufs Budget achtest, sind die Lebenshaltungskosten in Korea im Allgemeinen niedriger – besonders bei Wohnen, frischen Lebensmitteln und Verkehr. Japan kann insgesamt teurer wirken, doch die Dienstleistungen sind durchgehend von ausgezeichneter Qualität und zuverlässig.
Wohnen und Unterkunft
Eine Wohnung zu finden, gehört zu den grössten Herausforderungen, wenn du ins Ausland ziehst. In Japan und Korea gelten jeweils eigene Regeln und kulturelle Erwartungen rund ums Mieten, um Kautionen und um den Wohnungsstandard. Hier findest du einen übersichtlichen Vergleich, der dir bei der Vorbereitung hilft.
Auch wenn du den Mietvertrag unterschrieben hast, musst du die Wohnung noch einrichten. In meinem Guide zu den besten Möbelhäusern in Tokio vergleiche ich MUJI, Nitori und IKEA. So kannst du eine kleine Wohnung einrichten, ohne zu viel auszugeben.
Wohnungstypen
Japan
In Japan, besonders in Grossstädten wie Tokio, sind Wohnungen oft kompakt. Häufig findest du Einzimmerwohnungen, die 1R (ein Zimmer) heissen, oder etwas grössere Wohnungen mit einem Zimmer und einer Küche, sogenannte 1K. Selbst Wohnungen für Familien können nach westlichen Massstäben klein wirken. Viele Gebäude sind älter und haben dünne Wände, eine einfache Isolierung und kleine Badezimmer.
Auch traditionelle japanische Merkmale sind verbreitet, darunter Tatami-Böden, Schiebetüren und tiefe Badewannen, in denen man ganz eintauchen kann. Neuere Hochhauswohnungen (mansions) bieten eine bessere Ausstattung, sind aber meist teurer.
Korea
Koreanische Wohnungen wirken oft moderner. Selbst Gebäude im mittleren Preissegment in Seoul bieten in der Regel Fussbodenheizung (ondol), Einbauschränke und moderne Badezimmer. Die Wohnungen sind im Durchschnitt auch etwas grösser. Hochhaus-Wohnanlagen sind sehr verbreitet und haben oft Sicherheitspersonal, Lagerräume für Lieferungen und Tiefgaragen.
Der Mietprozess
Japan
Eine Wohnung in Japan zu mieten, ist mit viel Papierkram und mehreren Gebühren verbunden. In der Regel brauchst du:
- Schlüsselgeld (reikin): Eine nicht rückerstattbare Zahlung an den Vermieter, oft in Höhe von ein bis zwei Monatsmieten. Diese Gebühr hat mich am meisten geärgert.
- Mietkaution (shikikin): In der Regel ein bis zwei Monatsmieten, abzüglich der Reinigungskosten rückerstattbar. In der Praxis bekommst du selten alles zurück.
- Maklergebühr: etwa eine Monatsmiete.
- Die erste Monatsmiete: im Voraus zu bezahlen.
Das bedeutet, dass du für den Einzug problemlos vier bis sechs Monatsmieten in bar brauchst. Für Ausländerinnen und Ausländer ist es manchmal schwierig, ohne japanischen Bürgen (hoshounin) eine Wohnung zu finden. Viele Expats wenden sich an spezialisierte Agenturen, die sich an Menschen richten, die kein Japanisch sprechen.
Korea
In Korea ist das Verfahren in mancher Hinsicht einfacher, aber auch speziell. Du kannst wählen zwischen:
- Wolse: Monatliche Miete plus Kaution, in Seoul üblicherweise etwa 5 bis 30 Millionen Won (je höher die Kaution, desto tiefer die Miete).
- Jeonse: Eine hohe einmalige Kaution, oft mehr als die Hälfte des Wohnungswerts (50'000 bis über 200'000 US-Dollar), ohne monatliche Miete. Beim Auszug bekommst du die Kaution zurück.
Jeonse kann attraktiv sein, wenn du Ersparnisse hast: Du zahlst keine Miete und musst nur die Nebenkosten und Unterhaltsgebühren übernehmen. In den letzten Jahren haben steigende Immobilienpreise Jeonse für Neuankömmlinge seltener gemacht, aber es bleibt eine Option. Mit Jeonse kannst du deine monatlichen Ausgaben deutlich senken. In Japan gibt es nichts Vergleichbares. Daran zeigt sich, wie unterschiedlich das Wohnen in den beiden Ländern funktioniert.
Beispielpreise
Hier ein grober Überblick über die üblichen Mietkosten für eine moderne Einzimmerwohnung in zentraler Lage. So kannst du die Preise in den beiden Ländern vergleichen.
| Ort | Monatsmiete (USD) |
|---|---|
| Tokio | $1,000 bis $1,500 |
| Osaka | $800 bis $1,200 |
| Seoul | $600 bis $1,000 |
| Busan | $500 bis $850 |
Denk daran, dass die Preise in kleineren Städten oder Vororten deutlich niedriger sein können.
Möblierung und Haushaltsgeräte
Japan
Wohnungen sind normalerweise unmöbliert – das heisst, es gibt weder Kühlschrank noch Waschmaschine, manchmal nicht einmal Deckenleuchten. Du musst alles selbst besorgen. Das kann am Anfang erhebliche Zusatzkosten verursachen. Japanische Vermieter sind extrem rassistisch und vermieten oft nur an Personen mit japanischem Pass.
Korea
Die meisten Wohnungen sind teilmöbliert und oft mit Kühlschrank, Waschmaschine, Klimaanlage und Einbauschränken ausgestattet. Das macht den Einzug unkomplizierter.
Mietdauer und Verlängerung
Standardmietverträge dauern in beiden Ländern zwei Jahre. In Japan erwarten Vermieter in der Regel, dass du deinen Vertrag verlängerst oder ausziehst, wenn die Laufzeit endet. Verlängerungsgebühren sind üblich (oft eine Monatsmiete).
In Korea werden Verlängerungen von Mietverträgen oft zusammen mit einer Anpassung der Kaution ausgehandelt, besonders bei Jeonse-Verträgen.
Tipps für die Wohnungssuche
- Japan: Nutze englischsprachige Immobilienportale wie RealEstate Japan oder wende dich an Agenturen, die auf ausländische Mieter spezialisiert sind. Stell dich auf strenge Anforderungen und viel Papierkram ein.
- Korea: Zieh Apps wie Zigbang oder Dabang in Betracht, auf denen Tausende Wohnungen gelistet sind. Viele Inserate enthalten Fotos sowie Angaben zu Kaution und Miete.
Fazit:
Korea bietet tendenziell modernere Wohnungen und – bei Monatsmiete – niedrigere Anfangskosten, während in Japan hohe Kautionen anfallen und die Grundrisse traditioneller sind. Wenn du neuere Gebäude und einen unkomplizierteren Einzug bevorzugst, hat Korea die Nase vorn. Wenn dich japanisches Design begeistert und du bereit bist, dich durch den zusätzlichen Papierkram zu arbeiten, kann sich Japan lohnen.
Arbeitskultur und Karriere
Ein Umzug ins Ausland bedeutet nicht nur, neue Orte zu entdecken. Oft musst du dich auch an ein völlig anderes Arbeitsumfeld gewöhnen. Japan und Korea haben zwar einige kulturelle Gemeinsamkeiten, doch ihre Bürokulturen können sich sowohl voneinander als auch von westlichen Gepflogenheiten stark unterscheiden. Darauf kannst du dich einstellen.
Hierarchie und Respekt
Japan
Japan ist für seine strenge Hierarchie und die Förmlichkeit am Arbeitsplatz bekannt. Alter, Betriebszugehörigkeit und Position bestimmen stark, wie du mit Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten sprichst. Auch in modernen Unternehmen gehört der Respekt vor Dienstälteren zum Berufsalltag.
Höflichkeit ist fest in der Kommunikation verankert. Dazu gehören die Verwendung der Höflichkeitssprache (keigo) und die ritualisierten Grussformeln bei der Ankunft im Büro und beim Verlassen des Arbeitsplatzes.
Korea
Auch koreanische Unternehmen sind hierarchisch organisiert, doch jüngere Generationen treiben den Wandel voran. Der Respekt vor Dienstälteren bleibt wichtig, aber die Arbeitswelt in Korea verändert sich schneller als in Japan. Flachere Hierarchien, schnellere Entscheidungen und eine offenere Kommunikation gewinnen an Bedeutung. Verbeugungen, formelle Anreden und respektvolle Sprache (jondaetmal) sind dennoch weiterhin üblich.
Arbeitszeiten und Erwartungen
Japan
Lange Arbeitszeiten sind üblich, und Überstunden werden oft nicht bezahlt. Die sogenannte Präsenzkultur – die Erwartung, länger zu bleiben, selbst wenn du deine Arbeit bereits erledigt hast – ist tief verwurzelt. Viele Beschäftigte haben das Gefühl, nicht vor ihrer Führungskraft gehen zu können.
In letzter Zeit setzen sich Unternehmen vermehrt für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ein und versuchen, übermässig lange Arbeitszeiten zu reduzieren. In der Praxis geht der Wandel jedoch nur langsam voran.
Korea<brAuch Koreanerinnen und Koreaner sind für ihre harte Arbeit und langen Arbeitszeiten bekannt. 2018 führte die Regierung jedoch eine Begrenzung der Arbeitswoche auf 52 Stunden ein, um Erschöpfung entgegenzuwirken und die Lebensqualität zu verbessern. Wie konsequent diese Regel eingehalten wird, ist unterschiedlich. Insgesamt hat Korea aber grössere Fortschritte hin zu angemessenen Arbeitszeiten gemacht als Japan.
Kommunikationsstil
Japan
Die Kommunikation im japanischen Geschäftsleben ist bekanntlich indirekt. Von dir wird erwartet, dass du «die Stimmung im Raum liest» (kuuki o yomu) – also unausgesprochene Signale wahrnimmst, statt Dinge direkt anzusprechen. Konflikte werden um jeden Preis vermieden.
Meetings können langsam und konsensorientiert wirken. Entscheidungen müssen oft von mehreren Abteilungen abgesegnet werden.
Korea
Am koreanischen Arbeitsplatz geht es etwas direkter und dynamischer zu. Höflichkeit ist weiterhin wichtig, doch Rückmeldungen können offener ausfallen, besonders unter jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Entscheidungen werden manchmal schneller getroffen, vor allem in Start-ups und internationalen Unternehmen.
Kleiderordnung
In beiden Ländern wird ein eher konservativer Kleidungsstil erwartet, besonders in traditionellen Branchen.
- Japan: Dunkle Anzüge, weisse Hemden und Krawatten für Männer; elegante Blusen und knielange Röcke für Frauen sind üblich. Tattoos und ungewöhnliche Haarfarben können im Berufsleben nach wie vor auf Ablehnung stossen.
- Korea: Ähnliche Erwartungen, doch jüngere Unternehmen setzen zunehmend auf lockerere Kleidungsvorschriften, besonders in der Technologie- und Kreativbranche.
Jobsuche als ausländische Person
Japan
Für Ausländerinnen und Ausländer ist der Einstieg in den japanischen Arbeitsmarkt oft schwierig, wenn sie nicht gut Japanisch sprechen. Selbst internationale Unternehmen erwarten häufig mindestens grundlegende Japanischkenntnisse für Gespräche. In Branchen wie dem Englischunterricht, der IT und der Übersetzung gibt es mehr Stellen für Menschen, die kein Japanisch sprechen.
Die Unterstützung beim Visum ist meist an eine Vollzeitstelle gebunden. Deshalb empfiehlt es sich sehr, schon vor der Ankunft ein Jobangebot zu sichern. Aus meiner Erfahrung als Softwareentwickler können Bewerbungsgespräche für unbefristete Stellen bis zu sieben Runden umfassen. Eine befristete Stelle, die nach etwa einem Jahr in eine Festanstellung übergeht, kann deshalb ein schnellerer Einstieg sein. Sobald du fest angestellt bist, ist es für japanische Unternehmen rechtlich und kulturell mit grossen Hürden verbunden, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Entlassungen sind daher selten, ausser bei schwerwiegendem Fehlverhalten.
Wie sich Japans Regeln für ausländische Arbeitskräfte entwickeln, erfährst du in meinem Überblick zur Einwanderungspolitik Japans.
Am besten liest du auch meine Artikel über Black-and-White-Unternehmen in Japan, damit du nicht darunter leidest.
Korea
Korea kann dank der besseren Englischkenntnisse und des wachsenden internationalen Geschäftsumfelds etwas zugänglicher wirken. Viele Ausländerinnen und Ausländer arbeiten in den Bereichen Bildung, IT, Design und Handel. Zudem gibt es in Korea spezielle Visa, etwa das E-2-Visum (Unterricht) und das D-8-Visum (Investitionen/Geschäftstätigkeit).
Für hoch qualifizierte Fachkräfte bieten Visa der F-Serie mehr Flexibilität und Möglichkeiten für einen langfristigen Aufenthalt.
Löhne und Zusatzleistungen
Die Löhne können je nach Branche und Erfahrung stark variieren. Hier sind aber einige allgemeine Beobachtungen:
| Aspekt | Japan | Korea |
|---|---|---|
| Durchschnittslohn | 30.000 bis 50.000 $ pro Jahr | 25.000 bis 45.000 $ pro Jahr |
| Jahresbonus | Üblich (1 bis 2 Monatslöhne) | Üblich (1 bis 2 Monatslöhne) |
| Bezahlter Urlaub | Etwa 10 bis 20 Tage pro Jahr (werden in der Praxis oft nicht vollständig genutzt) | Etwa 15 Tage pro Jahr (werden in der Praxis oft nicht vollständig genutzt) |
| Krankenversicherung | Universell und von hoher Qualität | Universell und von hoher Qualität |
Beachte, dass die Löhne in beiden Ländern üblicherweise tiefer sind als in den USA oder Westeuropa. Dafür sind die Leistungen bei der Gesundheitsversorgung und der Altersvorsorge solide.
Fazit:
Wenn dir klare Kommunikation, etwas kürzere Arbeitszeiten und eine sich rasch modernisierende Arbeitskultur wichtig sind, fühlst du dich in Korea vielleicht wohler. Wenn dich traditionelle Umgangsformen, Teamarbeit nach dem Konsensprinzip und die formelle japanische Unternehmenskultur faszinieren, kann Japan sehr bereichernd sein. Stell dich einfach auf lange Arbeitstage und indirekte Kommunikation ein.
Universitäten und Hochschulbildung
Wenn du zum Studieren ins Ausland ziehst oder während deines Aufenthalts dort einen Abschluss machen möchtest, bieten Japan und Korea beide hervorragende Universitäten. Die Kultur und der Alltag können sich jedoch deutlich unterscheiden.
Universitätskultur
Japan
Japanische Universitäten sind für ihr Ansehen und ihren Fokus auf anspruchsvolle Aufnahmeprüfungen bekannt. Nach der Zulassung kann sich das akademische Umfeld jedoch überraschend entspannt anfühlen – entspannter als an westlichen Universitäten. Studierende im Grundstudium beschreiben ihre Studienzeit oft als Gelegenheit, soziale Netzwerke aufzubauen, statt intensiv zu lernen. Das gilt besonders ausserhalb der technischen Fachrichtungen.
Master- und Doktoratsprogramme sind dagegen meist anspruchsvoller. Sie sind stark auf Forschung ausgerichtet und setzen voraus, dass du sehr selbstständig arbeitest. Der Umgang mit Professorinnen und Professoren kann recht formell sein, und die Hierarchie spielt in der Kommunikation weiterhin eine Rolle.
Internationale Studierende sind in vielen Studiengängen willkommen. Im Alltag brauchst du aber oft zumindest grundlegende Japanischkenntnisse, besonders wenn du ausserhalb der grossen internationalen Universitäten studierst.
Korea
Koreanische Universitäten legen ebenfalls grossen Wert auf Aufnahmeprüfungen und Rankings. Das Studentenleben in Korea ist meist stärker strukturiert und akademisch wettbewerbsorientierter als in Japan. Viele koreanische Studierende verbringen lange Stunden in Bibliotheken und Lernräumen, und der Druck, gute Noten zu halten, ist gross. Wichtig ist allerdings: Auch wenn es an koreanischen Universitäten oberflächlich betrachtet intensiv zugeht, ist es oft überraschend schwierig, einen Studiengang tatsächlich nicht zu bestehen. Nach meiner Erfahrung an der Ewha Womans University gab es weniger Regeln dafür, wie man besteht, und dafür deutlich klarere Regeln dazu, wie man durchfällt.
In einem VWL-Kurs etwa musste man bei der Abschlussprüfung lediglich mindestens 1 Punkt bei 45 Fragen erzielen. Für jede Frage gab es vier Antwortmöglichkeiten. Das bedeutete, dass selbst bei reinem Raten die Wahrscheinlichkeit, zu bestehen, sehr hoch war. (1−(0.75)45≈99.99945% Chance, mit Raten zu bestehen)
Das Campusleben ist lebhaft und geprägt von aktiven Studierendenclubs, Festivals und Sportveranstaltungen. Im Vergleich zu Japan haben koreanische Universitäten schneller mehr englischsprachige Kurse eingeführt, besonders renommierte Hochschulen wie die Seoul National University, die Korea University und die Yonsei University.
Internationale Programme und Sprache
Japan
Führende Universitäten wie Waseda, Keio und die Universität Tokio bieten englischsprachige Studiengänge in Bereichen wie Wirtschaft, internationale Beziehungen und Ingenieurwissenschaften an. Abseits dieser Programme finden Vorlesungen und Unterrichtsmaterialien jedoch meist auf Japanisch statt.
Viele Austauschstudierende merken, dass der Campus zwar teilweise Unterstützung auf Englisch bietet, die tägliche Verwaltung – etwa die Anmeldung zu Kursen oder die Nutzung von Studierendenportalen – aber weiterhin Japanischkenntnisse erfordert.
Korea
Koreanische Universitäten haben ihr englischsprachiges Angebot rasch ausgebaut. Hochschulen wie die Ewha Womans University, die Yonsei University und KAIST bieten ganze Studiengänge auf Englisch an. Dadurch ist Korea eine attraktive Option, wenn du nicht fliessend Koreanisch sprichst.
Trotzdem empfiehlt es sich dringend, etwas Koreanisch zu lernen, um sich im Campusalltag zurechtzufinden, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen zu kommunizieren und Formalitäten zu erledigen.
Studiengebühren und Kosten
Japan
Die Studiengebühren unterscheiden sich je nach Universität. An staatlichen Universitäten liegen sie bei rund ¥535’800 pro Jahr (etwa $3’500 bis $4’000), während sie an privaten Universitäten zwischen $8’000 und $15’000 pro Jahr betragen. Stipendien gibt es vor allem für internationale Studierende mit sehr guten Leistungen. Die Lebenshaltungskosten können hoch sein, besonders in Tokio.
Korea
In Korea sind die Studiengebühren oft niedriger: An öffentlichen Universitäten liegen sie durchschnittlich bei $3’000 bis $6’000 pro Jahr, an privaten Hochschulen bei $6’000 bis $10’000 pro Jahr. Korea bietet ausserdem verschiedene staatliche Stipendien an, etwa das Global Korea Scholarship (GKS), das Studiengebühren, Lebenshaltungskosten und Flugkosten übernimmt.
Campus-Einrichtungen und Unterstützung
Japan
Universitäten bieten in der Regel gute Einrichtungen, darunter Bibliotheken, Forschungslabore und Sportzentren. Allerdings gibt es oft nur wenige Plätze in Studierendenwohnheimen, weshalb viele Studierende ausserhalb des Campus eine Wohnung mieten. An vielen Universitäten gibt es Büros für internationale Studierende, doch bieten sie möglicherweise nicht durchgehend Unterstützung auf Englisch.
Korea
Koreanische Universitäten bieten oft moderne Studierendenwohnheime, teilweise mit Einzelzimmern und Einrichtungen wie Cafeterias, Fitnessstudios und Lernlounges. Auf den Campus gibt es meist eigene Zentren für internationale Studierende, die bei Visa, Unterkunft und der Orientierung helfen.
Bewirb dich als internationale Studentin oder internationaler Student an den Top-Universitäten
Wenn du dich als Ausländerin oder Ausländer für ein Masterstudium in Japan oder Korea bewirbst, ist das Verfahren meist unkompliziert. Die Details unterscheiden sich zwischen den beiden Ländern jedoch deutlich. In der Regel suchst du zuerst ein Studienprogramm aus, prüfst die Zulassungsvoraussetzungen und stellst alle nötigen Unterlagen zusammen, etwa Zeugnisse, Empfehlungsschreiben, Sprachnachweise und ein Motivationsschreiben. In beiden Ländern kannst du dich über das sogenannte AO-Verfahren (Admissions Office) bewerben. Dazu gehört oft ein Gespräch mit der Forschungsgruppe oder der Betreuungsperson, die du dir ausgesucht hast. Gerade bei forschungsorientierten Studiengängen bewirbst du dich normalerweise nicht einfach bei der Universität als Ganzes, sondern nimmst direkt mit einer Forschungsgruppe Kontakt auf, besprichst deine Forschungsvorhaben und holst dir die Zusage einer Betreuungsperson, bevor das Verwaltungsbüro deine vollständige Bewerbung prüft.
In Japan solltest du bedenken, dass viele öffentliche Universitäten verlangen, dass du für eine Aufnahmeprüfung persönlich anreisen musst. Für Bewerberinnen und Bewerber aus Europa kann das sehr teuer werden, denn du musst womöglich internationale Flüge und eine Unterkunft buchen, nur um die Prüfung abzulegen. In Korea läuft dagegen fast alles online. Das macht den Bewerbungsprozess deutlich zugänglicher, wenn du dich aus dem Ausland bewirbst.
Wie modern oder traditionell die jeweiligen Systeme sind, prägt ebenfalls deine Erfahrung. In Korea läuft alles online – vom Einreichen der Unterlagen bis zum Erhalt der Zusage. Viele japanische Universitäten setzen dagegen noch auf ein eher altmodisches Verfahren: Du druckst alle Unterlagen aus und schickst sie per Post. Manchmal musst du nach der ersten Zusage sogar noch weitere Kopien per Post nachreichen. Sobald deine Forschungsgruppe bestätigt, dass sie dich aufnimmt, erteilt das Verwaltungsbüro die endgültige Zustimmung. Danach kannst du dein Studierendenvisum beantragen.
Hier findest du meine Guides zu den Universitäten Waseda und Yonsei, an denen ich das Auswahlverfahren und das Lab-Interview für den Studiengang Informatik bestanden habe:
Fazit:
Wenn du dir ein international ausgerichtetes Campusleben und eine grössere Auswahl an Studiengängen auf Englisch wünschst, ist Korea vielleicht die bequemere Wahl. Wenn dich Japans akademischer Ruf und das Eintauchen in die Kultur reizen und du bereit bist, Japanisch zu lernen, bietet dir Japan hervorragende Möglichkeiten – besonders in renommierten Studienprogrammen.
Sprache und Lernkurve
Die Sprache gehört zu den wichtigsten und manchmal einschüchterndsten Aspekten, wenn du nach Japan oder Korea ziehst. Auch wenn du schon Erfahrung mit dem Sprachenlernen hast: Japanisch und Koreanisch bringen ganz eigene Herausforderungen mit sich, die sich auf alles auswirken können – vom täglichen Einkauf bis zu deinen beruflichen Aussichten.
Schwierigkeitsgrad
Japanisch
Japanisch gilt oft als schwierig. Viele Expats finden die Sprache mit der Zeit aber gut machbar, weil die Grammatik relativ regelmässig ist und es nur wenige Laute gibt. Das Schriftsystem ist dagegen bekanntlich komplex und besteht aus:
- Kanji (chinesische Schriftzeichen): Tausende Zeichen, die du auswendig lernen musst. Für mich ehrlich gesagt der schwierigste Teil
- Hiragana: Eine Lautschrift für einheimische Wörter und grammatikalische Endungen. Die Grundlagen kannst du in wenigen Tagen lernen
- Katakana: Eine Lautschrift, die vor allem für Fremdwörter verwendet wird. Die Grundlagen kannst du in wenigen Tagen lernen
Das bedeutet, dass es jahrelanges Lernen dauern kann, bis du Zeitungen oder offizielle Dokumente lesen kannst.
Koreanisch
Die koreanische Grammatik weist Ähnlichkeiten mit der japanischen auf. Das Schriftsystem Hangul gilt jedoch als eines der einfachsten Alphabete der Welt. Hangul lesen kannst du schon in wenigen Tagen lernen. Die Sprache hat allerdings komplexe Höflichkeitsformen und Verbendungen, die fliessend zu beherrschen eine Herausforderung sein können.
Wie nützlich ist die Sprache?
Japanisch
Japanisch zu lernen, bringt langfristige Vorteile, wenn du dich für Anime und japanische Popkultur begeisterst oder in einer Branche mit Japanbezug arbeiten möchtest. Japanisch wird auch international häufiger gelernt. Dadurch findest du leichter Lernmaterialien, Kurse und Communities.
Koreanisch
Koreanisch wird ausserhalb Koreas weniger häufig gesprochen. Wenn du dich vor allem für K-Dramen und K-Pop interessierst oder langfristig in Korea leben möchtest, ist die Sprache äusserst nützlich. Wenn du Korea später verlässt, bietet sie dir allerdings weniger berufliche Vorteile.
Englischkenntnisse im Alltag
Japan
Abseits von Touristenorten und grossen internationalen Unternehmen sind die Englischkenntnisse weiterhin eher gering. Für Folgendes wirst du wahrscheinlich Japanisch brauchen:
- Bankgeschäfte
- Mietverträge
- Arztbesuche
- Rechnungen und Schreiben von Behörden lesen
Viele Ausländer sagen, dass ihnen dieses Eintauchen ins kalte Wasser beim schnelleren Lernen hilft (mir auch). Gleichzeitig kann es sich in den ersten Monaten überwältigend anfühlen.
Korea
Korea hat viel in den Englischunterricht investiert, und jüngere Generationen in Seoul sprechen oft genug Englisch, um sich im Alltag zu verständigen. Im täglichen Leben findest du mehr englische Beschilderung, mehr zweisprachige Mitarbeitende in Banken und Spitälern sowie mehr englischsprachige Angebote für Expats. Das erleichtert Neuankömmlingen den Start.
Lernkurve und Motivation
Wenn du dich zwischen den beiden Sprachen entscheidest, überleg dir, was dich persönlich motiviert.
- Japanisch lässt sich leichter über die Popkultur üben. Anime, Manga und japanische Videospiele bieten endloses Lernmaterial.
- Koreanisch ist leichter zu lesen und für Anfänger zugänglicher. Hangul kannst du innerhalb weniger Tage lesen, was dir früh Selbstvertrauen gibt.
Tipps zum Lernen
Japanisch:
- Beginne sofort mit Hiragana und Katakana.
- Nutze Sprachlern-Apps wie Wanikani oder Anki, um dir Kanji schrittweise einzuprägen.
- Schau japanische Medien mit japanischen Untertiteln.
Koreanisch:
- Lerne sofort Hangul und verlass dich nicht auf die Romanisierung.
- Übe früh das Sprechen, denn die Aussprache ist wichtig.
- Nutze Apps wie Talk to Me in Korean und HelloTalk.
Fazit:
Wenn du Anime liebst oder langfristig in Japan arbeiten möchtest, lohnt sich der Aufwand, Japanisch zu lernen – trotz des komplexen Schriftsystems. Wenn du schneller mit dem Lesen loslegen und dich im Alltag leichter integrieren möchtest, ist Koreanisch anfängerfreundlicher. Das gilt besonders für Seoul, wo mehr Menschen Englisch sprechen.
Essen und Kulinarik
Essen gehört zu den Höhepunkten des Lebens in Japan und Korea, doch die kulinarischen Kulturen unterscheiden sich deutlich. Vom alltäglichen Essen bis zum Restaurantbesuch mit Freunden – das erwartet dich.
Allgemeiner Überblick
Japan
Die japanische Küche ist für ihre feinen Aromen, den Schwerpunkt auf saisonalen Zutaten und die sorgfältige Präsentation bekannt. Zu den Mahlzeiten gibt es oft Reis, Fisch, eingelegtes Gemüse und klare Suppen. Viele finden japanisches Essen gesund und raffiniert, doch manche Expats empfinden es mit der Zeit als eintönig und zu mild. Ausserdem fehlt Gemüse beim Essen im Restaurant komplett.
Korea
Die koreanische Küche ist für kräftige Aromen, den grosszügigen Einsatz von Chili und gemeinsam servierte Gerichte bekannt. Zu einer typischen Mahlzeit gehören Reis, Suppe oder Eintopf, gegrilltes Fleisch und mehrere Beilagen (banchan), darunter oft Kimchi. Koreanisches Essen gilt als vielfältiger und kräftiger im Geschmack.
Essen gehen
Japan
Wenn du in einer Grossstadt wie Tokio oder Osaka bist, bietet Essen gehen in Japan eine unglaubliche Vielfalt. Du findest alles – von Sushi-Bars, in denen man im Stehen isst, bis hin zu gehobenen Kaiseki-Restaurants. Durchschnittliche Restaurants konzentrieren sich jedoch meist auf eine Spezialität, etwa Soba, Ramen oder Tempura.
Die Kosten sind moderat bis hoch:
- Eine Schüssel Ramen: ca. 7–10 $
- Sushi-Mittagsmenü: ca. 10–15 $
- Abendessen in einem Restaurant der mittleren Preisklasse: ca. 20–30 $ pro Person
Auch die internationale Küche in Japan ist hervorragend. In Tokio findest du ganz einfach thailändische, chinesische, italienische und koreanische Restaurants – eine willkommene Abwechslung im Alltag.
Korea
In Korea gehört auswärts essen fest zum Alltag und ist deutlich günstiger. Koreanisches BBQ, Eintöpfe, frittiertes Poulet und Nudelgerichte gibt es überall, und die Portionen sind grosszügig. In den Restaurants geht es oft lebhaft und gesellig zu.
Typische Preise:
- Eine Schüssel Kimchi-Eintopf (Kimchi jjigae): ca. 5–7 $
- Koreanisches BBQ: ca. 12–20 $ pro Person
- Frittiertes Poulet und Bier: ca. 15–25 $ für zwei Personen
Viele Lokale haben bis spät in die Nacht oder sogar rund um die Uhr geöffnet. So bekommst du jederzeit problemlos etwas zu essen.
Vielfalt und Schärfe beim Essen
Japan
Japanische Gerichte sind meist milder und setzen eher auf Umami als auf kräftige Würzung. Wenn du scharfes Essen bevorzugst, findest du weniger traditionelle Optionen. Wasabi bringt zwar Schärfe ins Sushi, die meisten Gerichte sind aber fein abgeschmeckt.
Korea
Koreanisches Essen ist für seine Schärfe bekannt. Gochujang (fermentierte Chilipaste) und Gochugaru (Chiliflocken) gehören in vielen Rezepten zu den Grundzutaten. Selbst Beilagen können scharf sein – daran musst du dich vielleicht erst gewöhnen, wenn du empfindlich auf Schärfe reagierst.
Allerdings bieten viele Restaurants auch mildere Varianten an, und in Seoul gibt es eine grosse Auswahl an internationalem Essen.
Zutaten einkaufen
Japan
Supermärkte in Japan bieten hochwertige Produkte und Meeresfrüchte an, oft aber zu höheren Preisen – besonders Früchte sind teuer. Importierte Waren können kostspielig sein. Wenn du oft selbst kochst, summieren sich die Ausgaben schnell.
Korea
In koreanischen Lebensmittelläden und auf Märkten sind frisches Gemüse und Früchte meist erschwinglicher. Kimchi, Saucen und bereits marinierte Fleischstücke sind leicht zu finden. Importierte westliche Produkte gibt es ebenfalls, ausserhalb der grossen internationalen Supermärkte können sie jedoch teuer sein.
Ernährungseinschränkungen
In beiden Ländern ist die Auswahl für Vegetarierinnen und Vegetarier sowie Veganerinnen und Veganer begrenzt, auch wenn sie langsam grösser wird:
- Japan: Dashi (Fischbrühe) kommt in vielen Gerichten zum Einsatz, auch in solchen, die vegetarisch aussehen.
- Korea: Kimchi und Eintöpfe enthalten oft Sardellen- oder Rinderbrühe.
In den Grossstädten gibt es immer mehr vegetarische und vegane Restaurants. Trotzdem musst du bei den Zutaten genau nachfragen. Als ich 2020 in Seoul studierte, gab es einen regelrechten Vegan-Trend, aber die meisten dieser Restaurants sind inzwischen wieder verschwunden.
Meine persönliche Einschätzung
Viele Expats, die in beiden Ländern gelebt haben, finden koreanisches Essen im Alltag aufregender, während japanisches Essen klarer und leichter wirkt. In Japan ist es oft schwieriger, kräftige oder scharfe Aromen zu finden, wenn man nicht gezielt Spezialitätenrestaurants aufsucht. In Korea steckt selbst in den unkompliziertesten Mahlzeiten jede Menge Geschmack.
Fazit:
Wenn du Abwechslung, kräftige Würzung und gemeinsames Essen liebst, fühlt sich Korea für dich wahrscheinlich wie ein Paradies für Gourmets an. Wenn du mildere, raffinierte Aromen und eine hochwertige Präsentation schätzt, bietet Japan ein kaum zu übertreffendes kulinarisches Erlebnis – besonders, wenn du regionale Spezialitäten entdeckst.
Soziale Kontakte und Freundschaften
Wie schön ein Land auch sein mag: Wie es sich anfühlt, dort zu leben, hängt stark von den Beziehungen ab, die du aufbaust. Sowohl in Japan als auch in Korea sind die Menschen herzlich und gastfreundlich, doch beim Zusammensein und Knüpfen von Freundschaften gibt es deutliche kulturelle Unterschiede.
Erster Eindruck und Offenheit
Japan
Die japanische Gesellschaft gilt als ausgesprochen höflich, aber zurückhaltend. Die Menschen sind fast immer zuvorkommend, doch es dauert oft, bis tiefere Freundschaften entstehen. Viele Ausländerinnen und Ausländer beschreiben ihre japanischen Bekanntschaften als freundlich, aber formell – besonders am Anfang.
Vielleicht merkst du, dass man dich nicht gleich nach Hause einlädt oder früh persönliche Dinge erzählt. Vertrauen entsteht langsam und Schritt für Schritt. Sobald du aber in den Freundeskreis aufgenommen wirst, sind die Freundschaften echt und von Dauer.
Korea
Koreanerinnen und Koreaner gelten im Allgemeinen als offener und neugieriger auf Menschen aus dem Ausland. Besonders jüngere Koreanerinnen und Koreaner sind oft offen dafür, schnell neue Freundschaften zu schliessen. In Bars, Restaurants oder bei Sprachaustauschen kommt man häufig mit Fremden ins Gespräch.
Vielen Expats fällt es in Korea leichter, Anschluss zu finden, denn Gruppenaktivitäten und gemeinsame Mahlzeiten gehören zum Alltag.
Als Ausländer Freunde finden
Japan
Ausländische Communities in Japan sind oft eng vernetzt, besonders in den Grossstädten. Treffen zum Englischsprechen, Hobbyclubs und Sportgruppen sind beliebte Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Um lokale Freunde zu finden, braucht es jedoch oft gewisse Japanischkenntnisse und Geduld.
Kulturelle Normen wie direktem Widerspruch aus dem Weg zu gehen und die Harmonie zu wahren, können es Neuankömmlingen erschweren einzuschätzen, wie nahe sie jemandem wirklich stehen. Einladungen zu Feierabenddrinks (nomikai) sind üblich und können der erste Schritt zu engeren Freundschaften sein.
Korea
In Korea gibt es viele Möglichkeiten, Einheimische und andere Expats kennenzulernen. Auf Apps wie Meetup und HelloTalk sowie in lokalen Facebook-Gruppen ist viel los, und man wird freundlich aufgenommen. Viele Koreanerinnen und Koreaner üben gerne Englisch oder teilen ihre Kultur.
Wenn du in einem Unternehmen arbeitest, bist du schnell bei Gruppenessen (hoesik) oder Karaokeabenden (noraebang) dabei – beides ist ein wichtiger Teil des Berufs- und Soziallebens.
Dating und Beziehungen
Japan
Die Dating-Kultur in Japan ist im Allgemeinen eher konservativ. Dating-Apps sind zwar weit verbreitet, doch Beziehungen entwickeln sich oft langsam. Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit sind weniger üblich, und viele Japanerinnen und Japaner halten ihr Privatleben lieber diskret.
Korea
In Korea ist die Datingkultur ausdrucksstärker, und junge Paare zeigen ihre Zuneigung häufig öffentlich. Dating-Apps sind sehr beliebt, und klare Meilensteine in einer Beziehung sind üblich – zum Beispiel das Feiern des 100. Beziehungstags.
Als Ausländerin oder Ausländer erlebt man die Dating-Szene manchmal als dynamisch und schnelllebig, besonders in Grossstädten wie Seoul.
Gemeinschaft und Expat-Netzwerke
Japan
In Japan gibt es schon seit Langem etablierte Expat-Gemeinschaften, besonders in Tokio, Osaka und Fukuoka. Internationale Schulen, Botschaften und Wirtschaftsverbände organisieren regelmässig Veranstaltungen. Ausserhalb der Grossstädte ist die ausländische Bevölkerung jedoch deutlich kleiner, und du fühlst dich vielleicht eher isoliert.
In Seoul, Busan und Daegu gibt es lebendige Expat-Gemeinschaften. Da die Zahl der ausländischen Einwohnerinnen und Einwohner in Korea in den vergangenen zwei Jahrzehnten rasch gestiegen ist, verbessern sich die Angebote und Netzwerke für Neuankömmlinge schnell. Englischsprachige Ärztinnen und Ärzte, rechtliche Beratung und Kulturangebote zu finden, ist heute einfacher denn je.
Soziale Umgangsformen
In beiden Ländern herrscht eine stark kontextgebundene Kultur, in der Respekt und Konfliktvermeidung wichtig sind. Es gibt jedoch wesentliche Unterschiede:
- Japan: Schweigen wird oft als angenehm empfunden. Man unterbricht einander eher nicht, und indirekte Kommunikation ist üblich.
- Korea: Gespräche können lebhafter sein, und Begeisterung zu zeigen, kommt gut an. Älteren Menschen und älteren Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz solltest du trotzdem höflich und respektvoll begegnen.
Fazit:
Wenn du eine Gesellschaft bevorzugst, in der Freundschaften langsam, aber dafür umso tiefer wachsen und die Privatsphäre sehr respektiert wird, passt Japan vielleicht besser zu dir. Wenn du gerne spontan Leute triffst, schneller Anschluss findest und eine offenere, ausdrucksstärkere Kultur magst, dürfte Korea sich unkomplizierter und lebendiger anfühlen.
Sicherheit und unangenehme Begegnungen
Wenn ich den Alltag in Japan und Korea vergleiche, ist die persönliche Sicherheit in beiden Ländern generell sehr hoch. Gewaltverbrechen sind sehr selten, und in den meisten Vierteln kannst du dich ohne Angst bewegen. Viele Frauen, die in beiden Ländern gelebt haben, bemerken jedoch deutliche Unterschiede darin, wie häufig unerwünschte Aufmerksamkeit oder übergriffiges Verhalten vorkommt.
Japan
Trotz des Rufs, besonders höflich zu sein, hat Japan ein ernstes Problem mit Belästigungen, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln. Grabschen in Zügen (chikan) und heimliche Aufnahmen unter Röcke sind bekannte Probleme. Während der Stosszeit gibt es sogar eigene Zugwagen nur für Frauen, weil Grabschen und unangemessene Berührungen so weit verbreitet waren. Es kommt auch vor, dass Frauen hartnäckig angestarrt oder sogar verfolgt werden, besonders an belebten Bahnhöfen oder nachts in ruhigeren Strassen. Manche Frauen berichten, dass ältere Männer sie in Zügen geschlagen oder geschubst haben – einfach, weil sie Platz beanspruchten oder aufgrund fremdenfeindlicher Einstellungen. Solche Erfahrungen können den täglichen Arbeitsweg stressig machen. In vielen Fällen müssen die Täter kaum mit gesellschaftlicher Ächtung oder Konsequenzen rechnen. Auch wenn die Kriminalitätsrate insgesamt niedrig ist, fühlt sich Japan für Frauen in Bezug auf sexuelle Belästigung spürbar weniger sicher an als Korea.
Korea
Auch in Korea gibt es übergriffiges Verhalten, aber im öffentlichen Raum ist es tendenziell weniger sichtbar. Belästigungen kommen vor, besonders online oder in Ausgehvierteln, doch dass man offen verfolgt oder in der Öffentlichkeit berührt wird, ist seltener. Übergriffige Menschen gibt es überall, aber in Korea halten sie sich oft eher zurück, und in belebten Umgebungen wird ein solches Verhalten weniger toleriert. Für viele Frauen fühlt sich der Alltag sicherer an, und der Arbeitsweg ist weniger stressig. Vorsicht ist immer wichtig, aber das soziale Umfeld in Korea macht es generell einfacher, unerwünschte Aufmerksamkeit zu vermeiden.
Fairerweise muss man sagen, dass Korea ein eigenes ernstes Problem mit Straftaten durch versteckte Kameras hat (molka), zum Beispiel in öffentlichen Toiletten und Umkleidekabinen. Im Alltag ist das einfach weniger sichtbar als Belästigungen in japanischen Zügen.
Fazit:
Wenn du als Frau überlegst, allein umzuziehen, solltest du wissen, dass sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum in Japan häufiger vorkommt und es weniger gesellschaftliche Hemmungen gibt, die Täter davon abhalten. Korea ist nicht perfekt, aber viele Frauen empfinden es als spürbar sicherer und angenehmer, besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Alltag und Infrastruktur
Bei einem Umzug in ein neues Land geht es nicht nur um Kultur und Arbeit, sondern auch darum, wie unkompliziert sich der Alltag anfühlt. Japan und Korea haben beide eine ausgezeichnete Infrastruktur. Doch bei den Annehmlichkeiten im Alltag, der Bürokratie und der Organisation insgesamt gibt es grössere Unterschiede, als du vielleicht erwartest.
Convenience Stores und Einkaufen im Alltag
Japan
Japanische Convenience Stores (Konbini) sind für ihre Qualität und Vielfalt bekannt. 7-Eleven, Lawson und FamilyMart gibt es überall. Dort bekommst du alles – von frischen Mahlzeiten und Bankdienstleistungen bis hin zu Konzerttickets. Viele Geschäfte sind rund um die Uhr geöffnet.
Supermärkte sind sauber, gut organisiert und bieten hochwertige Produkte an, auch wenn die Preise ziemlich hoch sein können.
Korea
Koreanische Convenience Stores wie GS25 und CU (früher Family Mart => deshalb haben CU und Family Mart dieselben Farben) sind ebenfalls rund um die Uhr geöffnet und führen eine grosse Auswahl an Lebensmitteln und Haushaltsartikeln. Im Angebot gibt es meist mehr fertige koreanische Gerichte, Instantnudeln und Snacks.
Grosse Supermarktketten und traditionelle Märkte machen das Einkaufen erschwinglich und unkompliziert, besonders bei frischen Produkten.
Internet und Mobilfunk
Japan
Die Internetgeschwindigkeit ist hervorragend, aber einen Internetanschluss für zu Hause zu bestellen, kann überraschend bürokratisch sein. Die Verträge sind meist auf Japanisch und für den Abschluss brauchst du mehrere Dokumente. Mobilfunkabos sind vergleichsweise teuer, viele haben eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren. Prepaid-SIM-Karten gibt es auch, sie kosten pro Gigabyte aber mehr.
Korea
Korea belegt bei der Internetgeschwindigkeit weltweit oft Platz 1. Ein Breitbandanschluss ist schnell eingerichtet, und viele Vermieter bieten die Wohnung gleich mit schnellem Internet an. Mobilfunkabos sind günstiger als in Japan, und Flatrates mit unbegrenztem Datenvolumen gibt es überall. Prepaid-SIM-Karten kannst du einfach kaufen und aktivieren, sogar als Tourist.
Sicherheit und Sauberkeit
Japan und Südkorea sind beide extrem sicher und haben eine niedrige Kriminalitätsrate. In den meisten Vierteln kannst du nachts unbesorgt allein unterwegs sein.
- Japan: Die Strassen sind nicht blitzblank, aber im Vergleich zu vielen anderen Ländern liegt relativ wenig Abfall herum. Die Regeln zur Mülltrennung sind streng und können anfangs kompliziert wirken – dadurch bleiben die meisten Gegenden sauber. Trotzdem siehst du fast an jeder Strasse etwas Müll, vor allem Zigarettenstummel oder weggeworfene Alkoholflaschen. Und obwohl Japan als besonders ordentlich gilt, gibt es viele Ausnahmen. Auf Okinawa habe ich zum Beispiel Hunderte alte Autoreifen gesehen, die im Wald entsorgt worden waren. In Kyoto bin ich einmal tief im Wald auf einen ausrangierten Kühlschrank gestossen.
- Korea: Im Allgemeinen ist es sauber, aber manche Gegenden in Seoul wirken voller und weniger ordentlich. Die Müllabfuhr ist je nach Viertel unterschiedlich organisiert. In Südkorea habe ich nie illegale Müllablagerungen gesehen.
Japan und Südkorea gehören regelmässig zu den sichersten Ländern der Welt. Wie sich Sicherheit anfühlt, kann aber unterschiedlich sein: Während Korea bis spät in die Nacht lebendig und aktiv wirkt, beruht Japans Sicherheit auf einem sehr hohen Mass an gesellschaftlicher Ordnung. Wenn du eher zu Japan tendierst, habe ich einen ehrlichen GuidezurSicherheit in Tokio für Touristen und Expats geschrieben. Darin geht es um alles – von Betrugsmaschen im Nachtleben bis hin zu den sichersten Vierteln.
Behördengänge und Bürokratie
Japan
Viele Expats sind überrascht, wie viel Zeit einfache Behördengänge in Anspruch nehmen können. Ein Bankkonto zu eröffnen, die Adresse anzumelden oder eine Krankenversicherungskarte zu erhalten, erfordert oft mehrere Besuche und einiges an Papierkram.
Die Behörden bieten nur selten umfassenden Support auf Englisch an. Deshalb brauchst du vielleicht weiterhin Hilfe von jemandem, der Japanisch spricht, oder von einem Relocation-Service. Viele Stadtverwaltungen bieten jedoch kostenlose Übersetzungsdienste oder Dolmetscher an, die Ausländerinnen und Ausländern bei einfachen Behördengängen helfen. Trotzdem kann es Wochen dauern, bis selbst einfache Änderungen bearbeitet sind.
Korea
Auch in Korea gibt es viel Papierkram, doch oft geht es schneller. Immer mehr Behörden bieten Formulare auf Englisch oder Übersetzungshilfe an. Die digitalen Angebote sind gut ausgebaut, und vieles lässt sich online erledigen, darunter Steuererklärungen und Visa-Verlängerungen.
Öffentlicher Verkehr
Japan
Japans Zugsysteme gelten in Sachen Pünktlichkeit und Abdeckung als die besten der Welt. In Tokio und Osaka kommst du mit dem Zug oder der U-Bahn fast überall hin. Busse schliessen die Lücken, und Taxis sind zuverlässig, aber teuer.
Korea
Die U-Bahn in Seoul ist sauber, modern und etwas günstiger als in Japan. Busse erschliessen Gegenden, die nicht mit dem Zug erreichbar sind. Taxis gibt es reichlich, und sie sind deutlich günstiger als in Japan – damit sind sie eine realistische Option für den Alltag.
Banken und Bezahlen
Japan
Bargeld ist in Japan noch immer Trumpf. Kreditkarten werden zwar immer häufiger akzeptiert, doch viele Orte, vor allem kleine Restaurants, bevorzugen nach wie vor Bargeld. Geldautomaten gibt es überall, aber sie haben teils eingeschränkte Öffnungszeiten oder akzeptieren bestimmte ausländische Karten nicht.
In letzter Zeit sind mobile Bezahl-Apps wie PayPay immer beliebter geworden, und in Geschäften und Restaurants siehst du häufig QR-Code-Aufkleber. Weniger praktisch ist allerdings die grosse Zahl konkurrierender Zahlungsanbieter wie au Pay, Rakuten Pay, Suica, QuickPay und viele andere. Das kann verwirrend und unübersichtlich wirken, statt smart oder effizient.
Korea
Korea ist weitgehend bargeldlos. Fast überall kannst du mit Karte oder mobilen Apps wie KakaoPay bezahlen. Mit dem passenden Visum lässt sich relativ einfach ein Bankkonto eröffnen, und Geldautomaten sind praktisch und auf Englisch nutzbar.
Fazit:
Wenn dir makellos saubere Strassen, Züge von Weltklasse und penible Ordnung wichtig sind, wirst du dich in Japan wahrscheinlich wohler fühlen. Stell dich aber auf Papierkram und Barzahlungen ein. Wenn du schnellere Behördengänge, bessere mobile Dienste und einen digitaleren Alltag bevorzugst, hat Korea die Nase vorn.
Natur und Reisemöglichkeiten
Japan und Korea haben beide dicht besiedelte Städte, doch ihre Naturlandschaften und Reiseerlebnisse unterscheiden sich überraschend stark. Wenn du deine Wochenenden am liebsten mit Ausflügen in die Berge, an Strände und aufs Land verbringst, erfährst du hier, was dich erwartet.
Landschaften und Vielfalt
Japan
Geografisch ist Japan unglaublich vielfältig. Von Tokio aus erreichst du in nur wenigen Stunden:
- Schneebedeckte Berge
- Vulkanseen
- Subtropische Strände auf Okinawa
- Historische Tempel und Schreine inmitten von Wäldern
Jede Region hat ihre eigene, unverwechselbare Landschaft und saisonale Höhepunkte. Die japanische Wertschätzung für die Natur ist fest im Alltag verankert – vom Hanami (Kirschblütenschauen) im Frühling bis zum Momiji (Betrachten der Herbstblätter).
Korea
Korea ist kompakter; die Landschaft wird von bewaldeten Hügeln und Bergen geprägt. Insgesamt ist die Vielfalt zwar geringer, aber auch hier findest du wunderschöne Orte:
- Seoraksan-Nationalpark (felsige Gipfel und Wanderwege)
- Jeju (vulkanische Küste und Wasserfälle)
- Strände an der Ostküste
- Historische Tempel, eingebettet in die Berge
Im Vergleich zu Japan wirkt die Natur in der Nähe von Seoul weniger dramatisch, und viele Einheimische fahren weiter weg, um wandern zu gehen oder ans Meer zu reisen.
Anreise und Verkehr
Japan
Inlandsreisen sind dank des Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszüge) und der Regionalzüge, die fast das ganze Land abdecken, sehr bequem. Wochenendausflüge sind unkompliziert, können aber teuer sein – besonders, wenn du mit dem Hochgeschwindigkeitszug fährst.
Beispiele für Reisezeiten ab Tokio:
- Kyoto: ca. 2,5 Stunden mit dem Shinkansen
- Nikko: ca. 2 Stunden mit dem Regionalzug
- Hakone: ca. 1,5 Stunden mit Zug und Bus
Viele Expats kaufen einen Japan Rail Pass, um bei Reisen zwischen Städten Geld zu sparen.
Korea
Korea verfügt über ein effizientes Netz aus Überlandbussen und Zügen. Der KTX-Schnellzug verbindet Seoul mit Busan in etwa 2,5 Stunden – meist deutlich günstiger als eine vergleichbare Reise in Japan.
Beispiele für Reisezeiten ab Seoul:
- Busan: ca. 2,5 Stunden mit dem KTX
- Gyeongju: ca. 2 Stunden mit dem Zug
- Sokcho (Seoraksan): ca. 2,5 Stunden mit dem Bus
Insgesamt sind Reisen im Land günstiger und lassen sich spontaner planen.
Aktivitäten in der Natur
Japan
Aktivitäten im Freien sind fest in der Kultur verankert. Beliebt sind unter anderem:
- Wandern (hunderte markierte Wanderwege)
- Skifahren und Snowboarden (Nagano, Hokkaido)
- Surfen (Chiba, Shonan-Küste)
- Onsen (heisse Quellen) in malerischen Bergorten
Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz, und viele Einheimische unternehmen das ganze Jahr über Wochenendausflüge.
Korea
Korea ist ein Land der Wanderer. Selbst in Seoul findest du gut markierte Wege auf Berge wie den Bukhansan. Zu den weiteren Aktivitäten im Freien gehören:
- Ausflüge an die Strände von Busan oder Jeju
- Camping in Nationalparks
- Velofahren entlang des Han-Flusses
Auch wenn es weniger Möglichkeiten zum Skifahren und weniger abwechslungsreiche Landschaften gibt, ist die Wanderkultur stark ausgeprägt und die Wanderwege sind meist gut erreichbar.
Reisen ins Ausland
Japan
Dank seiner Lage sind Reisen nach Südostasien, Australien und an die US-Westküste von Japan aus bequem. Flüge können teuer sein, werden aber häufig angeboten.
Korea
Durch die Nähe zu China, Vietnam und Japan ist Korea ein idealer Ausgangspunkt für günstige Reisen in der Region. Billigfluggesellschaften bieten preiswerte Verbindungen in ganz Asien.
Fazit:
Wenn du abwechslungsreiche Naturlandschaften und saisonale Reiseerlebnisse liebst, bietet Japan unzählige Möglichkeiten, auch wenn sie oft mehr kosten. Wenn du lieber günstiger reist und eine aktive Wanderkultur schätzt, ist Korea ein toller Ausgangspunkt für Wochenendabenteuer – besonders, wenn dir die geringere landschaftliche Vielfalt in der Nähe der Grossstädte nichts ausmacht.
Japan oder Korea: Vor- und Nachteile
Japan: Vor- und Nachteile
✅ Vorteile
- Spektakuläre Natur und Vielfalt: Von tropischen Stränden bis zu verschneiten Bergen – Japans Landschaften sind atemberaubend und abwechslungsreich.
- Hochwertige Infrastruktur: Züge, öffentliche Einrichtungen und Strassen sind in puncto Zuverlässigkeit und Sauberkeit Weltklasse.
- Eine nützliche Sprache: Japanisch wird weltweit häufig gelernt und ist hilfreich, wenn du Anime, die japanische Kultur oder verwandte Branchen liebst.
- Reiche traditionelle Kultur: Tief verwurzelte Bräuche und Feste schaffen ein Gefühl von Kontinuität und Charme.
- Internationale Gastronomie in den Städten: Besonders in Tokio findest du hervorragende chinesische, thailändische, italienische und koreanische Restaurants.
❌ Nachteile
- Höhere Lebenshaltungskosten: Wohnen, Transport und Essen gehen können sich schnell summieren, besonders in Grossstädten.
- Eine zurückhaltendere Gesellschaft: Freundschaften entwickeln sich oft langsam, und soziale Umgangsformen können förmlich wirken.
- Mehr seltsame Begegnungen: mehr unheimliche Leute und mehr Belästigungen im öffentlichen Raum.
- Bürokratie und langsame Abläufe: Selbst einfache Dinge wie ein Bankkonto zu eröffnen oder den Wohnsitz anzumelden, erfordern oft mehrere Besuche und viel Papierkram.
- Zahlungen vor allem mit Bargeld: Auch wenn sich das ändert, bevorzugen viele Orte weiterhin Bargeld, was etwas veraltet wirken kann.
- Mildere Aromen: Wenn du scharfes Essen liebst, findest du die traditionelle japanische Küche vielleicht weniger spannend.
Korea: Vor- und Nachteile
✅ Vorteile
- Niedrigere Lebenshaltungskosten: Miete, Lebensmittel und Restaurantbesuche sind insgesamt günstiger.
- Offenere soziale Kultur: Freundschaften und berufliche Beziehungen entstehen schneller, besonders unter jüngeren Koreanerinnen und Koreanern.
- Digitale Bequemlichkeit: Bargeldloses Bezahlen, Online-Behördendienste und schnelles Internet erleichtern den Alltag.
- Fantastische Esskultur: Kräftige Aromen, günstige Mahlzeiten und eine lebendige Restaurantkultur.
- Mehr Angebote auf Englisch: Besonders in Seoul sind die Englischkenntnisse besser und mehr Dienstleistungen auf Englisch verfügbar.
❌ Nachteile
- Weniger abwechslungsreiche Landschaften in der Nähe von Seoul: Es gibt zwar schöne Wanderwege, doch die Landschaft kann weniger vielfältig wirken.
- Koreanisch ist ausserhalb Koreas weniger nützlich: Es sei denn, du arbeitest in Korea oder liebst die koreanische Popkultur.
- Gelegentliche kulturelle Starrheit: Hierarchien und Förmlichkeit sind am Arbeitsplatz nach wie vor stark ausgeprägt, verändern sich aber rasch.
- Scharfes Essen kann überwältigend sein: Viele Gerichte sind stark gewürzt, was nicht jedem schmeckt.
Kurz zusammengefasst:
- Wenn du traditionelle Kultur und vielfältige Natur liebst und dich an Förmlichkeit nicht störst, wird Japan dich wahrscheinlich inspirieren.
- Wenn dir moderne Annehmlichkeiten, eine offene Gesellschaft und niedrigere Lebenshaltungskosten wichtig sind, ist Korea vielleicht die bessere Wahl.
Einen praktischen Überblick über den öffentlichen Verkehr in Korea – von T-money bis zum KTX – findest du in meinem Guide zum Unterwegssein in Südkorea. Zu den Reisekosten in Japan erfährst du mehr in meinem Beitrag darüber, wie viel eine Japanreise kostet.
Japan oder Korea im Vergleich: Häufige Fragen
Ist es einfacher, nach Japan oder Korea auszuwandern?
Für die meisten Expats ist der Einstieg in Korea etwas einfacher. Englisch wird häufiger gesprochen, Wohnungen können günstiger sein und viele Expats arbeiten im Bildungsbereich, in der IT oder bei internationalen Unternehmen. In Japan ist das Visum meist an eine Vollzeitstelle gebunden, und viele Arbeitgeber erwarten Japanischkenntnisse. Sobald du aber eine feste Stelle hast, ist dein Arbeitsplatz sehr sicher. In beiden Ländern wird der Umzug viel einfacher, wenn du schon vor der Ankunft eine Jobzusage hast.
Lebt es sich besser in Korea oder Japan?
Das hängt davon ab, was dir wichtig ist. Japan bietet eine erstklassige Infrastruktur, abwechslungsreichere Natur und sehr sichere Arbeitsplätze, hat aber höhere Lebenshaltungskosten und eine eher zurückhaltende Gesellschaft. Korea ist günstiger, schnelllebiger und digitaler. Es ist einfacher, Freundschaften zu schliessen, und das Essen ist schärfer. Oben vergleiche ich die beiden Länder im Detail und weiter unten verrate ich dir, welches ich persönlich empfehle.
Ist Korea günstiger als Japan?
Im Allgemeinen ja. Miete, Lebensmittel und Restaurantbesuche sind in Korea meist günstiger. Besonders frisches Obst und Gemüse kostet dort oft 30 bis 40 Prozent weniger als in Japan. Die Mieten in den Grossstädten Seoul und Tokio liegen allerdings näher beieinander, als viele denken.
Muss man Japanisch oder Koreanisch sprechen, um dort zu leben?
In beiden Ländern kannst du mit Englisch loslegen, besonders in internationalen Jobs und Grossstädten. Die Sprache zu lernen, macht aber einen riesigen Unterschied. Koreanisch gilt im Alltag oft als schneller zu lernen, weil das Alphabet einfach ist. Japanisch braucht wegen des Schriftsystems länger. In beiden Ländern verbessern schon ein paar Sprachkenntnisse den Alltag und helfen dir, Freundschaften zu schliessen.
Ist Japan oder Korea sicherer?
Beide Länder sind nach globalen Massstäben äusserst sicher. Gewaltverbrechen sind selten, und tagsüber wie nachts fühlt man sich sehr sicher. Japan ist dafür bekannt, dass man sich selbst spätabends sicher fühlt; Korea ist ähnlich sicher. In beiden Ländern muss man vor allem auf die üblichen Kleinigkeiten in Grossstädten achten – echte Gefahren sind kaum ein Thema.
In welchem Land ist die Work-Life-Balance besser: Japan oder Korea?
Keines der beiden Länder ist für eine entspannte Arbeitskultur bekannt, doch in beiden tut sich etwas. In Japan sind die Arbeitstage lang und die Arbeitskultur formell und hierarchisch, auch wenn Reformen die schlimmsten Überstunden eingedämmt haben. In Korea geht es schnell und intensiv zu, gleichzeitig modernisiert sich das Land rasch. Ausländerinnen und Ausländer in internationalen Unternehmen haben in beiden Ländern oft eine bessere Work-Life-Balance als Einheimische in traditionellen Firmen.
Welches Land ist besser für internationale Studierende?
Beide Länder haben starke Universitäten und bieten immer mehr Studiengänge auf Englisch an. Im Alltag kann Korea günstiger sein und hat eine sehr gesellige, internationale Studierendenszene. Japan bietet dagegen eine grössere Auswahl an Universitäten und eine hervorragende Infrastruktur. In beiden Ländern gibt es Stipendien – die beste Wahl hängt oft vom konkreten Studiengang und der Stadt ab.
Fazit und persönliche Empfehlungen
Bei der Entscheidung, ob du in Japan oder Korea leben möchtest, geht es nicht nur darum, Preise zu vergleichen oder Listen abzuhaken. Es geht darum, dir den Alltag auszumalen, den du dir wünschst, und dir klarzumachen, welche Werte dir besonders wichtig sind.
Beide Länder sind dynamisch und modern und zugleich tief in ihren Traditionen verwurzelt. Beide bieten grossartige Möglichkeiten, dich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln, doch die Erfahrungen unterscheiden sich deutlich. Dieser Guide soll dir helfen, hinter die Fassade zu blicken und den Alltag so zu sehen, wie er wirklich ist.
Wenn du dich in einer Umgebung wohlfühlst, die durchdacht und höflich wirkt und auf Jahrhunderten kultureller Kontinuität beruht, wird dich Japan wahrscheinlich begeistern. Die japanische Gesellschaft hat eine stille Schönheit, auch wenn sie manchmal förmlich wirkt oder sich nur langsam verändert. Du hast unzählige Möglichkeiten, spektakuläre Landschaften zu erkunden, eine Sprache mit weltweiter Bedeutung zu lernen und tief in eine der einflussreichsten Kulturen der Welt einzutauchen. Für viele ist das ein wichtiger Grund, warum sich das Expat-Erlebnis in Japan im Vergleich zu Korea so besonders anfühlt.
Wenn du dagegen ein energiegeladeneres, nach aussen herzliches Umfeld mit einem schnelleren Wandel bevorzugst, könnte Korea besser zu dir passen. Besonders Seoul verbindet moderne Technologie, aufregendes Essen und ein geselliges Umfeld, in dem du dich schnell heimisch fühlen kannst. Die Lebenshaltungskosten sind in Korea oft tiefer, und der Komfort im Alltag kann viele kleine Belastungen verhindern, die sich mit der Zeit summieren.
Hier sind ein paar persönliche Empfehlungen, die dir bei der Entscheidung helfen:
Entscheide dich für Japan, wenn …
du die Vielfalt der Natur liebst, Struktur und Förmlichkeit schätzt und eine Sprache lernen möchtest, die dir Zugang zu japanischer Popkultur, Wirtschaft und Reisen eröffnet. Wenn du Traditionen schätzt, wirst du die grössten Unterschiede im Tempo und in der Förmlichkeit des Alltags bemerken.
Entscheide dich für Korea, wenn …
du eine offenere Atmosphäre im Umgang miteinander bevorzugst, tiefere Kosten und weniger Bürokratie möchtest und kräftige, vielseitige Küche magst. Letztlich kommt es darauf an, wie wichtig dir Gemeinschaft, Komfort und Spontaneität sind.
Für welches Land du dich auch entscheidest: Du wirst auf eine gute Art gefordert. Du lernst, kulturelle Feinheiten zu verstehen, neue Traditionen zu feiern und Perspektiven zu entdecken, die dich ein Leben lang begleiten werden.
Wenn du dir noch unsicher bist, könntest du beide Länder ein paar Wochen lang besuchen, bevor du dich langfristig festlegst. Schon kurze Aufenthalte können dir zeigen, in welcher Umgebung du dich mehr zu Hause fühlst.
Ich habe auch Guides geschrieben, in denen ich die Schweiz und Südkorea sowie Japan und die Schweiz vergleiche. Zusammen bieten diese Guides einen umfassenderen Blick darauf, wie sich Alltag, Kultur und Möglichkeiten in diesen drei Ländern unterscheiden.
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