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Matsumoto liegt in den Japanischen Alpen in der Präfektur Nagano und ist einer dieser Orte, die einen ganz unauffällig positiv überraschen. Hier steht eine der wenigen original erhaltenen Burgen Japans, es gibt eine wirklich gute Restaurantszene, alte Gassen, in denen man sich gern verliert, und das alpine Tal von Kamikochi ist schnell erreicht. Für eine Stadt, die viele Erstbesucher auslassen, hat Matsumoto ganz schön viel zu bieten.
Dieser Reiseplan für drei Tage basiert auf unserer eigenen Reise. Er verbindet die grossen Sehenswürdigkeiten – die schwarz verputzte Burg und die nördlichen Alpen – mit kleineren Entdeckungen wie einer Velotour durch Wasabi-Felder und einem überraschenden Stück Schweizer Backkunst. Ausserdem findest du hier die Zug- und Busverbindungen sowie die Abfahrtszeiten, die für die Reise zwischen den einzelnen Orten wirklich wichtig sind.
Matsumoto-Reiseplan auf einen Blick
| Tag | Höhepunkte | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Tag 1 | Ramen zum Mittagessen, Velotour zur Daio Wasabi Farm, Swiss Village, Abendessen im Izakaya | Velos am Bahnhof Hotaka mieten und vor Betriebsschluss zurückgeben |
| Tag 2 | Kamikochi: Taisho-Teich, Kappa-Brücke, Myojin-Teich, Yakiniku zum Abendessen | Früh losfahren und den Rückbus reservieren |
| Tag 3 | Burg Matsumoto, Nawate-dori, Kusama-Museum, ehemalige Kaichi-Schule | Grosse Taschen vor dem Besuch der Burg in Schliessfächern verstauen |
| Zusätzlicher Tag | Poststation Narai-juku | Ein unkomplizierter halbtägiger Ausflug mit dem Zug |
Anreise: Von Tokio aus dauert die Fahrt mit dem JR Azusa Limited Express ab Shinjuku zum Bahnhof Matsumoto etwa 2,5 bis 3 Stunden.
Tag 1: Ankunft, Daio Wasabi Farm und lokale Küche
Ankunft in Matsumoto
Als wir gegen 12.30 Uhr mit dem Zug in Matsumoto ankamen, merkten wir sofort, wie praktisch die Stadt für Besucher ist. Der Bahnhof Matsumoto ist modern, übersichtlich und von vielen Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten aus zu Fuss erreichbar. Wir übernachteten im The Celecton Matsumoto, etwa 13 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Das Hotel war eine komfortable und preiswerte Basis, um die Stadt in den nächsten drei Tagen zu erkunden.
Einer der grössten Vorteile Matsumotos ist, dass die Stadt so kompakt ist. Viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten erreichst du zu Fuss, und auch Tagesausflüge nach Kamikochi, Narai-juku und zur Daio Wasabi Farm sind bequem mit dem Zug oder Bus möglich. Für alle, die zum ersten Mal in der Präfektur Nagano sind, ist Matsumoto ein idealer Ausgangspunkt, um sowohl die Japanischen Alpen als auch die kulturellen Höhepunkte der Region zu entdecken.

Bevor wir mit unserem Nachmittagsprogramm starteten, machten wir im Mensho Sazou (麺匠 佐蔵) Mittagspause, einem der beliebtesten Ramen-Restaurants in Matsumoto. Die Stadt ist für regionale Spezialitäten wie Soba, Wasabi und Süsswasseraal bekannt. Eine gute Schüssel Ramen ist aber ebenfalls nie weit, und dieses Restaurant gehörte schnell zu unseren Lieblingsessen der Reise.
Die kräftige, aromatische Brühe passte perfekt zu den bissfesten Nudeln. Im gut besuchten Gastraum sassen viele Einheimische – das liess uns vermuten, dass wir eine gute Wahl getroffen hatten. Nach einem Vormittag unterwegs war das der ideale Einstieg in Matsumotos Küche und ein schöner Start, um die Stadt zu erkunden.
Die Daio Wasabi Farm erkunden

Nach dem Mittagessen fuhren wir ein kurzes Stück mit dem Zug bis zur Station Hotaka und machten uns von dort auf den Weg zur Daio Wasabi Farm, einer der grössten und bekanntesten Wasabi-Farmen Japans. Der Bahnhof ist sauber und übersichtlich und ein praktischer Ausgangspunkt, um die umliegende Landschaft von Azumino zu erkunden.
Direkt vor dem Bahnhof gibt es mehrere Veloverleihe. Normale Velos kosten ab etwa 200 Yen pro Stunde, E-Bikes ab etwa 300 Yen pro Stunde. Da die Strecke zum Hof grösstenteils flach und nicht weit ist, reicht für die meisten Besucherinnen und Besucher ein normales Velo völlig aus.
Die Fahrt selbst ist schon ein Erlebnis: Sie führt über ruhige Landstrassen, vorbei an kristallklaren Bächen und mit schönen Ausblicken auf die Berge. Dabei lernst du eine ruhigere Seite der Präfektur Nagano kennen.

Die Mitarbeitenden der Veloverleihe waren freundlich und gaben uns eine Karte mit einer schönen Route entlang des Flusses zur Daio Wasabi Farm. Wir entschieden uns für diese Strecke und fanden sie zu einem der schönsten Erlebnisse des Tages. Sie führt durch die ruhige Landschaft, entlang kristallklarer Bäche, die vom Wasser aus den Japanischen Alpen gespeist werden, und bietet auf einem grossen Teil der Fahrt herrliche Bergblicke.
Wenn du mit dem Velo unterwegs bist, denk daran: In Japan herrscht Linksverkehr. Auf einigen Abschnitten gibt es eigene Velowege, auf einem grossen Teil der Route teilst du die Strasse aber mit dem lokalen Verkehr. Bei unserem Besuch waren zum Glück nur wenige Fahrzeuge unterwegs, sodass sich die Fahrt auch für gemütliche Velofahrerinnen und Velofahrer angenehm anfühlte.
Plane für die Daio Wasabi Farm mindestens 30 bis 60 Minuten ein. Der Eintritt ist kostenlos, was sie zu einem der preiswertesten Ausflugsziele in der Gegend um Matsumoto macht. Berühmt ist der Hof für seine weitläufigen Wasabifelder. Dort wird die in Japan beliebte grüne Wurzel mit aussergewöhnlich reinem Quellwasser aus den Japanischen Nordalpen angebaut.
Auf gut gepflegten Wegen geht es durch den Hof, vorbei an Bächen, Holzbrücken und schattigen Plätzen, die den Besuch auch in den wärmeren Monaten angenehm machen. Infotafeln erklären den Wasabianbau, allerdings sind viele davon auf Japanisch. Mit Google Translate konnten wir die Texte gut verstehen und mehr über die Geschichte des Wasabianbaus in der Region erfahren.
Abseits der Felder gibt es mehrere Imbissstände, Restaurants und Souvenirläden. Besonders beliebt ist das Wasabi-Eis, das überraschend mild schmeckt und Süsse mit einer dezenten Wasabinote verbindet. Ausserdem kannst du verschiedene Snacks, Saucen und lokale Produkte mit Wasabi probieren, die anderswo nur schwer zu finden sind.
Das war tatsächlich mein zweiter Besuch auf der Daio Wasabi Farm, und ich habe ihn genauso genossen wie den ersten. Die Anlage ist zwar nicht gross, doch die friedliche Atmosphäre, die schöne Landschaft und die besondere landwirtschaftliche Umgebung machen sie zu einem der schönsten Tagesausflüge ab Matsumoto – besonders in Verbindung mit einer Velotour durch die umliegende Landschaft von Azumino.
Besuch im «Swiss Village»
Bevor wir nach Matsumoto zurückkehrten, machten wir einen kurzen Abstecher ins Swiss Village, das mit dem Velo etwa 10 Minuten von der Daio Wasabi Farm entfernt liegt. Trotz seines Namens ist das Swiss Village kein traditionelles Dorf, sondern ein Einkaufs- und Freizeitkomplex, dessen Architektur von den Alpen inspiriert ist. Hier findest du verschiedene Geschäfte, Restaurants und Cafés sowie offene Plätze mit Blick auf die umliegenden Berge.
Die Präfektur Nagano wird wegen ihrer eindrücklichen Berglandschaften, des kühlen Klimas und der vielen Möglichkeiten für Aktivitäten im Freien oft als «Schweiz Japans» bezeichnet. Das Swiss Village erinnert zwar nicht besonders stark an eine echte Schweizer Stadt, doch die alpin inspirierten Gebäude und die Bergkulisse schaffen eine besondere Atmosphäre, die sich deutlich von vielen anderen Sehenswürdigkeiten der Region unterscheidet.
Da ich in der Schweiz aufgewachsen bin, fand ich die Architektur eher charmant als authentisch. Trotzdem war der Besuch unterhaltsam und eine amüsante kulturelle Kuriosität. Der Komplex ist weitläufig, lässt sich gut erkunden und bietet bei einer Velotour durch die Landschaft von Azumino eine angenehme Pause. Je nach Interesse kannst du hier 15 Minuten lang Fotos machen oder über eine Stunde durch die Geschäfte stöbern und etwas essen.
Einer der Hauptgründe für einen Zwischenstopp ist die praktische Lage. Da das Swiss Village so nah an der Daio Wasabi Farm liegt, ist der Abstecher mit kaum zusätzlichem Aufwand verbunden. Auch wenn dich Einkaufen nicht besonders interessiert, sind die offenen Plätze und die Aussicht auf die Berge ein entspannter Ort, um dir die Beine zu vertreten, bevor du mit dem Velo zurück zum Bahnhof Hotaka fährst.
Abendessen in einer lokalen Izakaya
Nachdem wir unsere Velos vor der Schliessung um 18 Uhr am Bahnhof Hotaka zurückgegeben hatten, fuhren wir mit dem Zug zurück nach Matsumoto und erkundeten am Abend die kulinarische Seite der Stadt. Sehenswürdigkeiten wie die Burg Matsumoto und Kamikochi stehen zwar meist im Mittelpunkt, doch die lokale Küche gehört zweifellos zu den Höhepunkten eines Besuchs. In Matsumoto gibt es eine ausgezeichnete Auswahl an Restaurants: von traditionellen Soba-Lokalen und Ramen-Restaurants bis hin zu gemütlichen Izakaya und Spezialitätenrestaurants mit regionalen Gerichten aus Nagano.
Zum Abendessen entschieden wir uns für ein lokales Izakaya in der Nähe des Bahnhofs Matsumoto. Izakayas werden oft mit Pubs oder Tavernen verglichen, doch das Erlebnis unterscheidet sich deutlich von dem, was viele internationale Besucher erwarten. Statt ein einzelnes Hauptgericht zu bestellen, teilen sich die Gäste meist verschiedene kleinere Speisen und geniessen dazu Getränke mit Freunden, Familie oder Arbeitskollegen. Auf den Menüs stehen oft gegrillte Spiesschen, Sashimi, frittiertes Poulet, saisonales Gemüse, Tofugerichte und lokale Spezialitäten, die sich im Laufe des Jahres ändern.
Einer der Gründe, warum ich auf Reisen in Japan gerne Izakayas besuche: Sie vermitteln oft einen authentischeren Einblick in den japanischen Alltag als Restaurants, die sich vor allem an Touristen richten. Bei unserem Besuch war der Speiseraum voller Einheimischer, die sich nach der Arbeit entspannten. So entstand eine einladende, lebhafte Atmosphäre, die sich deutlich von den grösseren Restaurantketten in Städten wie Tokio oder Osaka unterschied.
Wer regionale Spezialitäten probieren möchte, sollte nach Gerichten Ausschau halten, die typisch für die Präfektur Nagano sind. Die Region ist berühmt für Soba-Nudeln, Berggemüse, das als Sansai bekannt ist, regional angebauten Wasabi und hochwertige Äpfel. Einige Restaurants servieren auch Basashi (Sashimi aus Pferdefleisch), eine Spezialität, die in Teilen Zentraljapans verbreitet ist. Wer gerne Neues probiert, entdeckt vielleicht sogar essbare Insekten auf der Speisekarte. Für viele internationale Besucher mag das ungewöhnlich klingen, doch Gerichte mit Heuschrecken (Inago) und anderen Insekten haben in den Bergregionen Naganos eine lange Tradition. Früher galten sie als wichtige Proteinquelle. Heute sind sie eher eine kulturelle Besonderheit als ein alltägliches Lebensmittel, werden aber in einigen lokalen Lokalen weiterhin angeboten – für alle, die etwas Aussergewöhnliches probieren möchten.
Ein praktischer Vorteil einer Unterkunft in der Nähe des Bahnhofs Matsumoto ist die grosse Auswahl an Restaurants, die bequem zu Fuss erreichbar sind. Nach einem Tag auf dem Velo durch Azumino und einem Besuch der Daio Wasabi Farm war es schön, einfach durch die umliegenden Strassen zu schlendern und ohne zusätzliche Fahrt ein Restaurant auszuwählen. Vor vielen Lokalen stehen realistische Speisemodelle oder Fotomenüs, die Besucherinnen und Besuchern ohne Japanischkenntnisse die Auswahl erleichtern.
Wer konkrete Tipps sucht: In meinem Google-Maps-Guide habe ich auch einige unserer Lieblingsrestaurants, Cafés und Imbisse in der Gegend gespeichert. Ob du nach Ramen, einem Izakaya, Yakiniku, Soba oder ungewöhnlichen lokalen Spezialitäten suchst – Matsumoto bietet viel mehr kulinarische Vielfalt, als viele bei ihrem ersten Besuch erwarten.
Erlebnisse in Matsumoto und Nagano buchen
Bei einigen Punkten dieses Reiseplans ist es einfacher, eine geführte Tour oder den Transport im Voraus zu organisieren – besonders für den Tagesausflug nach Kamikochi. Unten kannst du auf Klook nach aktuellen Aktivitäten in Nagano suchen.
Tag 2: Wandern in Kamikochi – Japans alpines Wunderland
Früher Aufbruch nach Kamikochi

Der zweite Tag unserer Matsumoto-Route stand ganz im Zeichen von Kamikochi, einem der spektakulärsten Naturziele Japans. Kamikochi liegt im Chūbu-Sangaku-Nationalpark in den nördlichen Japanischen Alpen und ist für seine kristallklaren Flüsse, die Berglandschaft und gut zugängliche Wanderwege bekannt. Für viele Besucherinnen und Besucher ist Kamikochi der Hauptgrund, Matsumoto in ihre Reisepläne aufzunehmen.
Um möglichst viel vom Tag zu haben, nahmen wir früh am Morgen den Bus ab Matsumoto. Private Fahrzeuge dürfen Kamikochi nicht befahren. Besucherinnen und Besucher müssen deshalb von ausgewiesenen Verkehrsknotenpunkten aus mit dem Bus oder Taxi anreisen. In der Hochsaison, besonders im Herbst und an Wochenenden, können die Busse voll werden – eine frühe Abfahrt lohnt sich also.
Unsere Wanderung begann am Taisho-ike, einem der meistfotografierten Orte Kamikochis. Im ruhigen Wasser spiegeln sich die umliegenden Berge. Am Morgen, wenn es meist weniger windig ist, ergeben sich hier oft besonders schöne Fotomotive. Von dort folgten wir dem Flussuferweg bis zur Kappa-Brücke, dem bekanntesten Wahrzeichen Kamikochis und dem zentralen Treffpunkt mit Restaurants, Geschäften und Besuchereinrichtungen.
Der Weg zwischen dem Taisho-ike und der Kappa-Brücke ist gut gepflegt und für die meisten Besucherinnen und Besucher geeignet. Obwohl dieser Abschnitt in den Japanischen Alpen liegt, braucht man dafür kaum Wandererfahrung und überwindet nur wenige Höhenmeter. Der grösste Teil der Strecke führt auf flachen Kieswegen und Holzstegen durch Wälder, am Fluss entlang und über offene Flächen mit herrlichem Blick auf die Berge.
Viele Reiseführer empfehlen, für den Weg zwischen dem Taisho-ike, der Kappa-Brücke und dem Myojin-ike etwa vier Stunden einzuplanen. Wir schafften die Strecke in ungefähr zweieinhalb Stunden und hielten trotzdem oft für Fotos an. Wenn du gerne fotografierst, Tiere beobachtest oder einfach in Ruhe unterwegs bist, solltest du deutlich mehr Zeit einplanen.
Am meisten beeindruckte mich, wie viel Abwechslung diese vergleichsweise einfache Wanderung bot. Innerhalb weniger Stunden erlebten wir Alpenflüsse, dichte Wälder, Feuchtgebiete, Berggipfel, Hängebrücken und offene Täler. Nur wenige Orte in Japan bieten eine so eindrückliche Bergkulisse und sind gleichzeitig für gemütliche Wanderungen und Familien so gut zugänglich.

Von der Kappa-Brücke zum Myojin-Teich
Nachdem wir die Kappa-Brücke überquert hatten, wanderten wir weiter zum Myojin-Teich und folgten damit einem der schönsten Wanderwege in Kamikochi. Im Vergleich zur belebteren Gegend rund um die Kappa-Brücke war es auf diesem Wegabschnitt deutlich ruhiger, und wir konnten die Natur viel intensiver erleben. Der Weg führt durch Wälder, an kristallklaren Bächen entlang und über mehrere malerische Holzbrücken. Immer wieder eröffnen sich dabei Blicke auf die umliegenden Berggipfel.
Auch Tierbeobachtungen machen den Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bei unserem Besuch begegneten wir nahe dem Wanderweg einer Gruppe Japanmakaken, die durch den Wald zog. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie in ihrem natürlichen Lebensraum nach Nahrung suchten und miteinander interagierten, war eines der Highlights des Tages. Es erinnerte uns daran, dass Kamikochi trotz seiner Beliebtheit ein geschütztes Wildnisgebiet ist.
Viele fragen sich bei ihrem ersten Besuch, ob es hier Bären gibt. In den umliegenden Bergen leben Asiatische Schwarzbären, und Wanderinnen und Wanderer tragen häufig Bärenglocken. Auf den Hauptwanderwegen zwischen dem Taisho-Teich, der Kappa-Brücke und dem Myojin-Teich ist tagsüber jedoch viel los, weshalb Begegnungen mit Wildtieren selten sind. Während unseres Besuchs fühlte sich die Gegend sehr sicher an. Oft hörten wir in der Ferne die Bärenglocken vorbeiziehender Wanderinnen und Wanderer.
Als Schweizer Reisender fiel mir auch auf, wie vertraut mir manche Teile von Kamikochi vorkamen. Die Mischung aus Alpenflüssen, bewaldeten Tälern und schneebedeckten Gipfeln erinnerte mich an Landschaften, mit denen ich in der Schweiz aufgewachsen bin. Trotzdem hat Kamikochi seinen ganz eigenen Charakter. Traditionelle japanische Berghütten, einheimische Wildtiere und das aussergewöhnlich klare Wasser des Azusa-Flusses schaffen ein Erlebnis, das unverkennbar japanisch ist und nicht einfach an die europäischen Alpen erinnert.
Mittagessen bei der Kappa-Brücke
Nach unserer Wanderung am Vormittag machten wir eine Mittagspause in der Nähe der Kappa-Brücke, dem wichtigsten Besucherzentrum der Gegend. Hier befinden sich die meisten Restaurants, Cafés, Souvenirläden und Besuchereinrichtungen von Kamikochi. Damit ist es der praktischste Ort für eine Pause, bevor du deine Wanderung fortsetzt.
Überrascht hat uns, wie belebt es hier wurde – sogar an einem Wochentag. Gegen Mittag bildeten sich vor vielen Restaurants bereits spürbare Warteschlangen, und das Personal hatte sichtlich Mühe, mit der Nachfrage Schritt zu halten. In besonders beliebten Reisezeiten wie zur Herbstlaubfärbung, während der Golden Week und an Wochenenden können die Wartezeiten deutlich länger sein.
Rund um die Kappa-Brücke findest du alles von einfachen Snacks und Gebäck bis zu vollwertigen Mahlzeiten mit Curryreis, Soba-Nudeln, japanischen Menüs und regionalen Spezialitäten aus der Präfektur Nagano. Wegen der abgelegenen Lage in den Bergen sind die Preise im Allgemeinen höher als in Matsumoto. Dafür, dass alle Vorräte ins Tal transportiert werden müssen, sind sie aber durchaus angemessen.
Wenn du einen Tagesausflug nach Kamikochi planst, empfehle ich dir dringend, ein paar Snacks und eine Flasche Wasser mitzunehmen – besonders, wenn du weiter zum Myojin-Teich wandern oder zusätzliche Wege erkunden möchtest. Beim Genuss der Berglandschaft etwas zu essen dabeizuhaben, ist eine willkommene Alternative, falls die Restaurants voll sind.
Wichtige Tipps zum Transport
Bevor du Kamikochi besuchst, solltest du ein paar Informationen zum Transport kennen, die Erstbesucher leicht überraschen können.
Saison: Kamikochi ist ungefähr von Mitte April bis Mitte November geöffnet. Im Winter ist die Zufahrtsstrasse gesperrt und es fahren keine Busse.
Am wichtigsten ist, dass private Fahrzeuge in Kamikochi grundsätzlich nicht erlaubt sind. Die meisten Besucherinnen und Besucher reisen mit dem Bus aus Matsumoto, ab dem Bahnhof Shin-Shimashima oder von einem der ausgewiesenen Park-and-Ride-Plätze ausserhalb des Tals an. In den Hauptreisezeiten können die Busse deshalb sehr voll werden, besonders an Wochenenden, Feiertagen und während der Herbstlaubsaison.
Für die Rückfahrt stellten wir fest, dass eine Reservation im Voraus unerlässlich war. Je nach Anbieter und Saison kann für die Rückfahrt mit dem Bus eine Reservation nötig sein, und beliebte Abfahrtszeiten sind schnell ausgebucht. Wenn du in einer stark frequentierten Zeit reist, empfehle ich dir dringend, die Fahrpläne zu prüfen und den Transport vor der Reise zu buchen, statt davon auszugehen, dass noch Plätze frei sind.
Überrascht hat uns auch die Zugfahrt zwischen Matsumoto und dem Bahnhof Shin-Shimashima. Anders als bei vielen Bahnverbindungen in den grossen japanischen Städten kannst du für die gesamte Fahrt nicht einfach mit einer IC-Karte wie Suica oder Pasmo ein- und auschecken. Kauf die passenden Tickets am besten vor dem Einsteigen und informiere dich vor der Fahrt über die aktuellen Ticketbestimmungen.
Ich würde dir auch empfehlen, beim Wandern die Zeit im Auge zu behalten. Bei der Landschaft in Kamikochi vergisst man leicht, wie schnell die Zeit vergeht. Wenn du den geplanten Rückbus verpasst, wird die Rückreise nach Matsumoto deutlich komplizierter. Notiere dir vor dem Aufbruch auf die Wanderwege die Abfahrtszeit deines Busses und plane genug Zeit ein, um wieder zum Busbahnhof zurückzukehren.
Yakiniku-Abendessen zurück in Matsumoto

Nach einem ganzen Tag Wandern in Kamikochi kehrten wir erschöpft und hungrig nach Matsumoto zurück. Statt in der Nähe des Bahnhofs nach einer schnellen Mahlzeit zu suchen, entschieden wir uns für Yakiniku Kaishu Minami Matsumoto (焼肉 海州 南松本店). Das stellte sich als eines der unvergesslichsten kulinarischen Erlebnisse der Reise heraus.
Falls du Yakiniku noch nicht kennst: Das Prinzip ist einfach. Am Tisch grillst du verschiedene Fleischstücke selbst auf einem eingebauten Grill. Bei dieser geselligen Art zu essen teilt man das Essen, probiert verschiedene Gerichte und verbringt Zeit miteinander, statt eine Mahlzeit schnell hinunterzuschlingen. Nach einem langen Tag in den Bergen fühlte sich das wie die perfekte Belohnung an.
Eine der ungewöhnlicheren Besonderheiten des Restaurants ist ein 10-Yen-Service: Das Personal feuert dich begeistert an. Dieses kleine, humorvolle Detail trägt zur entspannten Atmosphäre bei und verleiht dem Restaurant einen unverwechselbaren lokalen Charakter.
Ein weiteres Highlight war das Angebot mit unbegrenzt Lemon Sour. Für gerade einmal 550 Yen kann man so viel von dem beliebten japanischen alkoholischen Getränk trinken, wie man möchte. Es wird mit Shochu, Sodawasser und Zitrone zubereitet. Mit 8 Prozent Alkohol war es deutlich stärker als die Varianten, die häufig in grösseren Restaurantketten serviert werden – bei den Einheimischen war es deshalb besonders beliebt.
Yakiniku stammt zwar ursprünglich aus Japan, doch dieses Restaurant bietet auch einige Gerichte mit koreanischem Einfluss. Neben gegrilltem Fleisch stehen Kimchi, kalte Nudeln und weitere Klassiker des koreanischen Barbecues auf der Karte, die gut zu den rauchigen Aromen vom Grill passen.
Am meisten beeindruckte uns das Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Vergleich zu ähnlichen Yakiniku-Restaurants in grösseren Städten wie Tokio waren die Portionen grosszügig, die Preise angemessen und die Atmosphäre entspannt und einladend. Gutes Essen, kalte Getränke und das Gefühl, einen ganzen Wandertag geschafft zu haben: Diese Kombination machte das Essen zu einem unserer Lieblingsgerichte in Matsumoto.
Tag 3: Burg, Kultur und Schweizer Brot
Besuch der Burg Matsumoto

Unser letzter Tag in Matsumoto begann bei der Burg Matsumoto, dem berühmtesten Wahrzeichen der Stadt und einer der wenigen original erhaltenen Burgen Japans. Anders als viele Burgen im Land, die nach Kriegen, Bränden oder Naturkatastrophen mit modernen Materialien wiederaufgebaut wurden, hat die Burg Matsumoto einen grossen Teil ihrer ursprünglichen Holzkonstruktion aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert bewahrt. So bekommen Besucherinnen und Besucher einen viel authentischeren Eindruck von Japans Feudalzeit als in vielen rekonstruierten Burgen.
Als Erstes fällt die markante schwarze Fassade der Burg ins Auge, die ihr den Spitznamen «Krähenburg» eingebracht hat. Umgeben von einem breiten Wassergraben und vor der Kulisse der Berge der Präfektur Nagano zählt sie zweifellos zu den fotogensten Burgen Japans. Während unseres Besuchs schwammen bunte Koi-Karpfen durch den Wassergraben, während sich Besucherinnen und Besucher entlang der Wege versammelten, um die Spiegelung der Burg im Wasser zu bewundern.
Für viele Reisende ist der Besuch des Burginneren das Highlight. Stell dich allerdings auf einen langsameren Ablauf ein, als du vielleicht erwartest. Die Besucherzahlen werden sorgfältig kontrolliert, und die schmalen Holztreppen führen im ganzen Gebäude zu Engpässen. In der Hochsaison kann es zu langen Wartezeiten kommen. Die Treppen im Inneren sind überraschend steil und an manchen Stellen fast wie Leitern. Hier musst du gut auf deine Schritte achten. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Knieproblemen sowie für Familien mit sehr kleinen Kindern können Teile des Aufstiegs eine Herausforderung sein.
Wegen der engen Platzverhältnisse im Inneren gibst du grosse Rucksäcke und sperrige Gegenstände am besten in den Münzschliessfächern beim Eingang ab. Wir waren froh, das gemacht zu haben – mit Gepäck wären die Treppen deutlich schwieriger zu bewältigen gewesen.
Trotz der Menschenmengen und der langsam vorankommenden Warteschlangen bietet das Innere einen faszinierenden Einblick in das Leben auf einer Burg während Japans Feudalzeit. Holzbalken, Verteidigungsanlagen, Aussichtspunkte und Ausstellungen historischer Waffen vermitteln, wie die Festung vor Jahrhunderten funktionierte. Anders als rekonstruierte Burgen, die oft wie Museen in modernen Gebäuden wirken, fühlt sich die Burg Matsumoto noch immer wie ein echtes historisches Bauwerk an.
Auch wer sich gegen einen Besuch im Schloss entscheidet, kann das Gelände rundherum geniessen. Der Schlosspark ist frei zugänglich und bietet aus verschiedenen Blickwinkeln tolle Fotomotive. Bei unserem Besuch unterhielten sich mehrere als Ninja verkleidete Darsteller mit den Touristen und posierten für Fotos. Das sorgte für eine fröhliche, familienfreundliche Atmosphäre.
Was viele Besucher an der Burg Matsumoto übersehen, ist ihre bemerkenswerte Überlebensgeschichte. In der Meiji-Zeit, als in ganz Japan viele Burgen als Symbole des alten Feudalsystems abgerissen wurden, entging auch die Burg Matsumoto diesem Schicksal nur knapp. Einheimische setzten sich mit Kampagnen für den Erhalt des Bauwerks ein und retteten es so für künftige Generationen. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Laufe des 20. Jahrhunderts sorgten dafür, dass die Burg eines der wichtigsten historischen Wahrzeichen Japans blieb.
Nawate-dori (Froschstrasse) erkunden

Auf dem Weg von der Burg Matsumoto zum Kunstmuseum der Stadt Matsumoto machten wir einen Abstecher zur Nawate-dori, einer der charmantesten und eigenwilligsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die schmale Fussgängerstrasse verläuft entlang des Metoba-Flusses. Traditionell gestaltete Ladenfronten, kleine Cafés, Antiquitätengeschäfte und lokale Essensstände säumen den Weg und schaffen eine nostalgische Atmosphäre, die sich deutlich vom modernen Japan unterscheidet.
Die Nawate-dori ist wegen der unzähligen Froschstatuen, Dekorationen und Souvenirs in der Gegend besser als «Froschstrasse» bekannt. Das Thema hängt mit dem japanischen Wort kaeru zusammen, das sowohl «Frosch» als auch «nach Hause zurückkehren» bedeutet. Wegen dieser sprachlichen Verbindung gelten Frösche seit Langem als Symbole für sichere Reisen und Glück.
Bei unserem Besuch stöberten wir in kleinen, unabhängigen Läden, sahen uns Antiquitäten an und probierten lokale Snacks – und genossen dabei die entspannte Atmosphäre. Im Vergleich zu einigen der bekannteren historischen Einkaufsstrassen Japans wirkte die Nawate-dori angenehm lokal und wenig besucht. Dank ihrer überschaubaren Grösse lässt sie sich auch gut zu Fuss besuchen, wenn du zwischen mehreren der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Matsumotos unterwegs bist.
Die Geschichte hinter dem Froschthema reicht weiter zurück, als vielen Besuchern bewusst ist. Einst lebten entlang der Flussufer zahlreiche Kajika-Frösche. Nach einem verheerenden Hochwasser im Jahr 1959 verschwanden sowohl die Frösche als auch grosse Teile des umliegenden Viertels. In den folgenden Jahrzehnten machten die Einheimischen den Frosch zum Symbol für Erneuerung und Wiederaufbau. Schliesslich verwandelten sie die Nawate-dori in das einzigartige Ausflugsziel, das Besucher heute erleben.
Auch wenn die meisten Reisenden weniger als eine Stunde hier verbringen, ist die Nawate-dori eine angenehme Pause zwischen grösseren Sehenswürdigkeiten wie der Burg Matsumoto und dem Kunstmuseum der Stadt Matsumoto. Wenn du die lokale Kultur erleben, durch besondere Läden stöbern und eines der charakteristischsten Viertel Matsumotos kennenlernen möchtest, lohnt sich ein kurzer Abstecher allemal.
Kunstmuseum der Stadt Matsumoto: Yayoi Kusama

Von der Nawate-dori gingen wir weiter zum Kunstmuseum der Stadt Matsumoto, einer der wichtigsten kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt und einem Muss für alle, die sich für zeitgenössische japanische Kunst interessieren. Bekannt ist das Museum vor allem für seine Verbindung zu Yayoi Kusama, der international gefeierten Künstlerin, die 1929 in Matsumoto geboren wurde und später zu einer der bekanntesten Künstlerinnen Japans avancierte.
Schon vor dem Betreten des Gebäudes erwarten die Besucher farbenfrohe Installationen im Freien, die Kusamas unverwechselbaren Punktemuster-Stil zeigen. Die Skulpturen sind beliebte Fotomotive und machen sofort klar, dass es sich hier nicht um ein traditionelles Kunstmuseum handelt. Im Innern umfasst die Sammlung Gemälde, Skulpturen und weitere Werke, die Kusamas künstlerische Entwicklung und jene Themen zeigen, mit denen sie weltweit bekannt wurde.
Da ich Kusamas Werke bereits von meinem Besuch auf Naoshima kannte, fand ich es faszinierend, mehr über ihre Verbindung zu Matsumoto zu erfahren und zu sehen, wie sehr die Stadt ihre berühmteste Künstlerin würdigt. Die Ausstellungen bieten wertvollen Kontext, um ihre künstlerische Entwicklung und ihren weltweiten Einfluss besser zu verstehen.
Über die Kusama-Sammlung hinaus zeigt das Museum auch Werke anderer Künstler mit Bezug zur Präfektur Nagano und zu Matsumoto. Bei unserem Besuch umfassten die Ausstellungen Gemälde, Kalligrafie und zeitgenössische Werke, die von den Landschaften und dem kulturellen Erbe der Region inspiriert sind. Dieser breitere Fokus macht das Museum auch für Besucher interessant, die sich nicht besonders für moderne Kunst begeistern.
Die meisten Besucher können das Museum je nach Interesse bequem in ein bis zwei Stunden erkunden. Wer sich besonders für Kunst interessiert, bleibt vielleicht länger. Doch auch für alle, die ihrer Reise durch Matsumoto einfach einen kulturellen Halt hinzufügen möchten, ist das Museum gut zugänglich.

Ehemalige Kaichi-Schule

Nach dem Besuch des Kunstmuseums der Stadt Matsumoto machten wir uns zu Fuss auf den etwa 30-minütigen Weg zur ehemaligen Kaichi-Schule, einer der am wenigsten beachteten historischen Sehenswürdigkeiten Matsumotos. Während sich viele Besucher ganz auf die Burg Matsumoto konzentrieren, bietet dieses wunderschön erhaltene Schulgebäude einen faszinierenden Einblick in eine prägende Epoche der japanischen Geschichte.
Die 1876 erbaute ehemalige Kaichi-Schule gilt als eines der ältesten erhaltenen Grundschulgebäude Japans und ist als Nationalschatz ausgewiesen. Das Gebäude entstand in der frühen Meiji-Zeit, als Japan nach Jahrhunderten relativer Abschottung rasch modernisierte und Ideen aus Europa und Nordamerika übernahm.
Als Erstes fiel mir die ungewöhnliche Architektur auf. Das Gebäude verbindet traditionelle japanische Bautechniken mit westlich inspirierten Gestaltungselementen – ein Stil, der als giyōfū oder «Pseudo-Westliche Architektur» bekannt ist. Statt europäische Gebäude einfach zu kopieren, interpretierten einheimische Handwerker fremde Stile mit vertrauten Materialien und Techniken. So entstand eine einzigartige Verbindung verschiedener Kulturen, die zugleich japanisch und westlich wirkt.
Bei genauerem Hinsehen entdeckt man Details, die diese faszinierende Verbindung zeigen. Traditionelle Dachziegel sitzen über kunstvoll gestalteten Fassaden, die Stein- und Backsteinbauten nachahmen, während sich im ganzen Gebäude aufwendige Schnitzereien und eindeutig japanische Gestaltungselemente finden. Die Kombination spiegelt Japans Wunsch wider, sich während der Meiji-Zeit zu modernisieren und zugleich die eigene kulturelle Identität zu bewahren.
Auch wenn Architektur sonst nicht zu deinen Hauptinteressen auf Reisen gehört, vermittelt die ehemalige Kaichi-Schule ein wertvolles Verständnis dafür, wie schnell sich Japan im späten 19. Jahrhundert veränderte. Beim Rundgang durch das Gebäude fühlt es sich an, als würde man in eine Zeit eintauchen, in der das Land sich neu erfand und mit Ideen aus aller Welt experimentierte.

Im Inneren ist die Atmosphäre einer Schule noch immer spürbar. Die Klassenzimmer wurden sorgfältig so erhalten, wie sie während der Meiji-Zeit ausgesehen haben könnten. Holzpulte, Unterrichtsmaterialien und historische Ausstellungen lassen dich erahnen, wie der Alltag der Kinder aussah, die im späten 19. Jahrhundert hier zur Schule gingen.
Ein Spaziergang durch die Korridore gibt einen faszinierenden Einblick in den Wandel des japanischen Bildungswesens während einer Zeit rasanter Modernisierung. Fächer wie Lesen, Schreiben und Rechnen, aber auch Englisch, wurden nach und nach eingeführt, während sich das Land auf eine neue Generation in einer sich wandelnden Welt vorbereitete. Die Ausstellungen erklären anschaulich, wie sich das Bildungswesen in dieser entscheidenden Phase der japanischen Geschichte entwickelte.
Eine Schweizer Überraschung: Züpfe in Matsumoto

Eine der unerwartetsten Entdeckungen während unserer Zeit in Matsumoto hatte nichts mit Burgen, Museen oder Berglandschaften zu tun. Versteckt unter dem Laboratorio Coffee befindet sich eine kleine Bäckerei. Die Bäckerin hat rund zwanzig Jahre in der Schweiz gelebt, unter anderem in Niederbipp im Kanton Bern.
Als Schweizer Besucher war ich wirklich überrascht, mitten in der Präfektur Nagano eine authentische Züpfe zu finden. Züpfe ist ein traditionelles geflochtenes Brot, das besonders in den deutschsprachigen Regionen der Schweiz beliebt ist und häufig zum Sonntagsfrühstück gegessen wird. Ihre weiche Krume, der buttrige Geschmack und die typische geflochtene Form machen sie zu einem der bekanntesten Schweizer Backwaren.
Was diese Bäckerei besonders macht, ist ihre Authentizität. Statt einfach eine japanische Interpretation eines Schweizer Brots zu backen, hält sich die Bäckerin an traditionelle Techniken, die sie während ihrer Jahre in der Schweiz gelernt hat. Das Ergebnis kommt der Züpfe, mit der ich zu Hause aufgewachsen bin, erstaunlich nahe.
Besucherinnen und Besucher sollten wissen, dass es dieses Brot nicht täglich gibt. Es ist nur einmal im Monat erhältlich, meist am dritten Sonntag, und damit eine kleine kulinarische Entdeckung. Leider erfuhren wir das zu spät, um selbst noch ein Brot zu kaufen. Aber allein die Geschichte dazu war so spannend, dass ich sie in diesen Reiseführer aufnehmen wollte.
Gerade für Schweizer Besucherinnen und Besucher dürfte es zu den überraschendsten Erlebnissen in Matsumoto gehören, unter einem Café in den japanischen Alpen eine echte Züpfe zu entdecken.
Letzter Ramen-Stopp vor Tokio
Bevor wir in den Zug zurück nach Tokio stiegen, legten wir noch einen letzten kulinarischen Stopp ein: im Oboshi Matsumotoeki Building Ten, einem Ramen-Restaurant direkt im Bahnhof Matsumoto. Nach drei Tagen voller Sightseeing, Wanderungen und gutem Essen in der Stadt war das der perfekte Abschluss unserer Reise.
Wir bestellten Aka Ramen, eine scharfe Variante mit kräftiger Brühe und angenehmer Schärfe. Die aromatische Suppe, die bissfesten Nudeln und die grosszügigen Toppings machten das zu einem der besseren Ramen-Gerichte, die wir bisher in der Nähe eines Bahnhofs in Japan gegessen haben. Vielleicht ist das Restaurant kein Reiseziel, für das man quer durchs Land fahren würde, aber für eine schnelle, zuverlässige Mahlzeit vor der Zugfahrt ist es eine ausgezeichnete Wahl.
Wenn du vor der Abfahrt noch Zeit hast, findest du am Bahnhof Matsumoto auch verschiedene Souvenirläden mit Produkten aus der Präfektur Nagano. Regionale Snacks, Produkte aus Äpfeln, Soba-Nudeln und Souvenirs rund um Wasabi sind beliebte Mitbringsel für die Heimreise.
Narai-juku: Ein Ausflug ins Japan der Edo-Zeit

Wenn du in Matsumoto einen zusätzlichen Tag hast, kann ich dir einen kurzen Zugausflug nach Narai-juku sehr empfehlen – einem der am besten erhaltenen Postorte entlang der historischen Nakasendo-Route. Narai liegt zwischen Kyoto und Edo (dem heutigen Tokio) und diente einst Händlern, Samurai und Reisenden auf dem Weg durch die Berge Zentraljapans als wichtiger Rastplatz. Heute bietet der Ort einen der authentischsten Einblicke in Japans Vergangenheit zur Edo-Zeit.
Unser Besuch begann am Bahnhof Narai, einem kleinen Bahnhof aus Holz, der sofort die passende Stimmung für den Tag schuf. Nur wenige Minuten nachdem wir den Bahnsteig verlassen hatten, fanden wir uns inmitten wunderschön erhaltener Holzhäuser wieder. Sie säumen eine lange, schmale Strasse, die sich im Laufe der Jahrhunderte erstaunlich wenig verändert hat.
Anders als einige der bekannteren historischen Viertel Japans wirkt Narai-juku noch erstaunlich authentisch. In vielen traditionellen Gebäuden befinden sich nach wie vor familiengeführte Geschäfte, die Lackwaren, handgefertigte Produkte, lokale Snacks und regionale Spezialitäten verkaufen. Während unseres Besuchs gab es kaum Verkehr, moderne Beschilderung oder grosse Reisegruppen. So konnten wir uns leicht vorstellen, wie der Ort vor Hunderten von Jahren ausgesehen haben muss.
Am meisten beeindruckt hat mich die Atmosphäre. Statt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu eilen, lädt Narai dazu ein, es ruhig angehen zu lassen und einfach die Umgebung zu geniessen. Wir verbrachten unsere Zeit damit, durch stille Seitenstrassen zu schlendern, kleine Geschäfte zu durchstöbern und die wunderschön erhaltene Architektur zu bewundern. Die Mischung aus historischen Holzhäusern, Bergkulisse und ruhigen Strassen machte den Besuch zu einem der entspanntesten Reiseerlebnisse unserer ganzen Reise.
Die meisten Besucher können Narai-juku in zwei bis drei Stunden bequem erkunden. Wer sich für Geschichte interessiert oder gern fotografiert, möchte vielleicht länger bleiben. Dank der überschaubaren Grösse und der direkten Zugverbindung eignet sich der Ort besonders gut für einen Halb- oder Ganztagesausflug von Matsumoto aus.
Lohnt sich ein Besuch in Matsumoto?
Vor unserem Besuch dachte ich, Matsumoto sei vor allem ein praktischer Ausgangspunkt für Ausflüge nach Kamikochi und in die Japanischen Alpen. Stattdessen wurde die Stadt zu einer der schönsten Überraschungen unserer Reise durch Zentraljapan.
In drei Tagen erkundeten wir eine der schönsten original erhaltenen Burgen Japans, radelten durch die friedliche Landschaft von Azumino, probierten lokale Spezialitäten, entdeckten unerwartete kulturelle Schätze und wanderten durch einige der spektakulärsten Berglandschaften des Landes. Das Besondere an Matsumoto ist nicht eine einzelne Sehenswürdigkeit, sondern die Vielfalt an Erlebnissen, die diese kompakte und gut erreichbare Stadt zu bieten hat.
Wenn du eine Reise durch Zentraljapan planst, ist Matsumoto weit mehr als einen kurzen Zwischenstopp wert. Nimm dir ein paar Tage Zeit, lass es ruhig angehen und erkunde auch die Gegend jenseits der Hauptattraktionen. Vielleicht wird es, wie bei uns, zu einem der Höhepunkte deiner Reise.
Häufige Fragen zu Matsumoto
Wie viele Tage sollte man für Matsumoto einplanen?
Drei Tage sind ideal: ein Tag für die Daio Wasabi Farm und Azumino, einer für Kamikochi und einer für die Burg Matsumoto und die Stadt. Wenn du Narai-juku besuchen möchtest, plane einen vierten Tag ein.
Kann man Kamikochi von Matsumoto aus an einem Tag besuchen?
Ja. Nimm früh den Zug und den Bus über Shin-Shimashima. Von Taisho-Teich aus kannst du über die Kappa-Brücke zum Myojin-Teich wandern. In der Hochsaison solltest du deinen Rückbus im Voraus reservieren. Kamikochi ist nur vom Frühling bis Mitte November geöffnet.
Wie komme ich von Tokio nach Matsumoto?
Am einfachsten geht es mit dem JR-Azusa-Express ab Shinjuku. Die Fahrt dauert etwa 2,5 bis 3 Stunden. Fernbusse ab Shinjuku sind günstiger, brauchen aber länger.
Ist der Eintritt zur Daio Wasabi Farm kostenlos?
Ja, der Eintritt zur Farm ist kostenlos. Plane etwas extra für Wasabi-Glace und Snacks ein und miete am Bahnhof Hotaka ein Velo, um hinzufahren.
Wofür ist Matsumoto bekannt?
Matsumoto ist vor allem für die Burg Matsumoto bekannt, eine der wenigen erhaltenen Originalburgen Japans. Wegen ihrer schwarzen Mauern wird sie auch Krähenburg genannt. Die Stadt gilt ausserdem als Tor zu Kamikochi in den Japanischen Nordalpen, ist die Heimatstadt der Künstlerin Yayoi Kusama und liegt unweit der Wasabi-Farmen von Azumino.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch in Matsumoto?
Am besten eignen sich der späte Frühling bis in den Herbst – auch, weil Kamikochi nur etwa von Mitte April bis Mitte November geöffnet ist. Im Sommer kannst du in der kühlen Bergluft wandern, im Herbst kommen die Farben der Berge dazu. Die Burg und die Stadt lohnen sich das ganze Jahr über, aber im Winter ist Kamikochi nicht zugänglich.
Lohnt sich ein Ausflug von Matsumoto nach Narai-juku?
Wenn du einen halben Tag übrig hast: ja. Narai-juku gehört zu den am besten erhaltenen Poststationen am alten Nakasendo-Weg. Die lange Strasse mit ihren Holzhäusern aus der Edo-Zeit fühlt sich an wie eine Reise in die Vergangenheit. Von Matsumoto kommst du bequem mit dem Zug hin; gut passt der Ausflug zu einem gemütlicheren vierten Tag.
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