Der ultimative Tokio-Guide: 28 unvergessliche Erlebnisse für Abenteurer

Nachdem ich über drei Jahre in Tokio gelebt habe, habe ich diesen Guide mit den besten Erlebnissen der Stadt zusammengestellt. Keine übliche Copy-and-paste-Liste, sondern Orte, an die ich selbst gehe, in denen ich esse und zu denen ich Freunde und Familie mitnehme, wenn sie mich besuchen. Du findest hier alles: vom Sake in den winzigen Bars von Golden Gai bis zu ruhigen Tempeln, versteckten Gärten und der skurrilen Seite der Stadt, die den meisten Touristen verborgen bleibt. Ich habe markiert, welche Erlebnisse komplett kostenlos sind, denn Tokio lässt sich mit jedem Budget geniessen.

Du bist im Dezember hier? In meinem Guide zu Weihnachten in Japan findest du die schönsten Illuminationen und Weihnachtsmärkte in Tokio.

Wenn du Kunst und Musik liebst, erfährst du hier mehr über die Ausstellung zu Ryuichi Sakamoto in Tokio – eine aussergewöhnliche Reise durch die Klangwelt des verstorbenen Komponisten.

Du suchst ein Souvenir mit einer Geschichte? Wie wäre es mit Akoya-Perlen? In Akihabara kannst du eine Perle aus einem Perlenautomaten holen.

Weiter in die alte Hauptstadt? Hier findest du meine Auswahl der schönsten Orte in Kyoto – von Fushimi Inari bis Gion.

Wenn du Tokios Nachtleben von früher erleben willst, solltest du Golden Gai in Shinjuku nicht verpassen: ein Labyrinth aus winzigen Bars voller Charakter.

Einige dieser 28 Orte sind aus gutem Grund berühmt; andere sind Geheimtipps, die ich erst nach Jahren hier entdeckt habe. Neben Sehenswürdigkeiten geht es auch darum, wo du essen und abends ausgehen kannst – für mich erwacht Tokio gerade dort richtig zum Leben. Wenn du zuerst tiefer in die Traditionen hinter diesen Orten eintauchen möchtest, lies meinen Guide zur japanischen Kultur.

Eine ehrliche Warnung, bevor du losziehst: In Japan kommst du mit Englisch nur bedingt weiter, sogar in Tokio. Das Land gehört weltweit zu den Ländern mit den niedrigsten Englischkenntnissen. Lass dich davon nicht abhalten: Ich habe einen Guide zum Reisen in Japan ohne Japanischkenntnisse geschrieben, der alles Wichtige abdeckt. Und da sich der Tourismus in Japan in den nächsten Jahren voraussichtlich deutlich verändern wird, ist jetzt wirklich ein guter Zeitpunkt für einen Besuch.

Planst du, länger als nur für einen Urlaub zu bleiben? Dann wirf einen Blick auf meinen Guide zur Einwanderungspolitik Japans.

1. Trink Habushu und Sake aus Masu-Bechern in Golden Gai

Overflowing glass of nihonshu sake in a wooden masu box at a Golden Gai bar in Shinjuku
Ein Glas übervoll eingeschenkter Sake in Golden Gai, als ich 2023 dort ankam

Eines meiner liebsten Ausgehviertel in Tokio ist Shinjuku, besonders Golden Gai. Es ist ein Labyrinth aus sechs schmalen Gassen mit rund 280 winzigen Bars, in den meisten finden weniger als zehn Leute Platz. Das Viertel entstand nach dem Krieg als Schwarzmarkt und war bis zum Verbot der Prostitution in Japan im Jahr 1958 ein illegales Rotlichtviertel. Danach übernahmen die winzigen Bars. Heute ist es absolut sicher, und sich durch diese Gassen zu trinken, fühlt sich an wie eine Zeitreise ins alte Tokio.

Zwei Dinge solltest du wissen, bevor du hingehst: Viele Bars verlangen einen kleinen Eintritt (meist 500 bis 1’000 Yen, oft steht der Preis an der Tür), und einige lassen nur Stammgäste hinein. Hat eine Bar kein englisches Schild und winkt dich der Betreiber ab, nimm es nicht persönlich – probier einfach die nächste Tür. Viele Bars in Golden Gai heissen Ausländerinnen und Ausländer herzlich willkommen.

Bei den Getränken empfehle ich Whisky, japanischen Sake – korrekt nihonshu genannt, denn «sake» bedeutet auf Japanisch einfach Alkohol – oder das besondere okinawanische Getränk Habushu. Habushu ist ein Schnaps, in dessen Flasche sich tatsächlich eine Habu-Schlange befindet. Er ist also nichts für Vegetarier oder schwache Nerven. Die Schlange selbst hat keinen Eigengeschmack; es ist eine kulturelle Tradition.

Einer meiner schönsten Erinnerungsmomente aus Golden Gai: Als ich Nihonshu bestellte, schenkte mir der Barkeeper mein Glas in einer Masu-Box (einem kleinen quadratischen Holzbecher) absichtlich so voll ein, dass es überlief – eine japanische Tradition, die zeigen soll, dass das Haus nicht knausert.

Meine Routine vor Ort: Bevor ich in Golden Gai eintauche, wärme ich mich in einer Stehbar (Tachinomi) in Shinjuku auf. In diesen Bars gibt es keine Sitzplätze; sie sind günstig, schnell und perfekt für einen Drink und eine Kleinigkeit zu essen. Rechne mit Getränken für 300 bis 600 Yen und einer lauten, lokalen Atmosphäre. Ein Getränk, eine Kleinigkeit, dann weiter – so machen es die Einheimischen.

2. Schreine und Tempel besuchen: Senso-ji, Kakugo-Inari-Schrein und Gotokuji-Tempel

Hundreds of white maneki-neko lucky cat figurines at Gotokuji Temple in Setagaya, Tokyo
Gotokuji-Tempel, von mir 2025 fotografiert

Was ich dir wirklich empfehlen kann: Plane ein paar kulturelle Stopps in deine Tokio-Reise ein. Wenn du traditionelle japanische Architektur magst, besuche den Senso-ji in Asakusa, Tokios ältesten Tempel. Ja, dort ist viel los, aber er ist nicht ohne Grund berühmt. Komm früh am Morgen oder nach Sonnenuntergang – dann erlebst du den Tempel ganz anders. Wenn du schon in Asakusa bist, lohnt sich ein kurzer Abstecher zur Kappabashi Street. Hier kaufen Tokios Restaurants ihre Küchenutensilien, und ein japanisches Kochmesser ist ein viel besseres Souvenir als alles, was du am Flughafen findest.

Möchtest du abseits der üblichen Route unterwegs sein? Von Senso-ji führt ein 15-minütiger Spaziergang Richtung Norden nach Yoshiwara, Edos berühmtem Vergnügungsviertel und einem der am wenigsten bekannten historischen Spaziergänge Tokios.

Wenn du an japanische Kultur denkst, kommt dir wahrscheinlich die «Winkekatze» (Maneki-neko) in den Sinn. Ihr ist ein buddhistischer Tempel gewidmet: der Gotokuji-Tempel in Setagaya, wo Tausende weisse Katzenfiguren das Tempelgelände säumen. Ich mag diesen Tempel, weil er abseits der Touristenmassen liegt. Wenn du selbst eine der Katzen kaufen möchtest, wie die auf meinem Foto oben, solltest du früh am Morgen da sein, bevor sie ausverkauft sind.

Mein liebster versteckter Schrein liegt in Ginza. Auf dem Dach des Gebäudes Ginza Six steht der winzige Kakugo-Inari-Schrein. Ursprünglich schützte er das alte Kaufhaus Matsuzakaya, das hier stand. Als Ginza Six 2017 gebaut wurde, liess man den Schrein stehen und versetzte ihn aufs Dach, statt ihn zu entfernen. Der Schrein selbst ist klein, aber der Dachgarten ist kostenlos zugänglich und die Aussicht beeindruckend. Von dort oben kannst du die besten Fotos vom Uniqlo-Gebäude machen und an klaren Tagen sogar den Tokyo Skytree sehen.

3. Basashi probieren: Japans rohes Pferdefleisch

Plate of basashi, thinly sliced raw horse meat, at a restaurant in Ogikubo, Tokyo
Basashi (rohes Pferdefleisch) in meinem Lieblingsrestaurant in Ogikubo, auf meiner Google-Maps-Liste

In meinem Heimatland, der Schweiz, essen wir Pferdefleisch. Deshalb war dieses Gericht für mich weniger überraschend als für die meisten Besucher. Viele Menschen, besonders Deutsche und Briten, finden die Vorstellung zunächst gewöhnungsbedürftig. Auch in Japan wird Pferdefleisch gegessen, allerdings meist roh. Es heisst Basashi: dünn aufgeschnittenes rohes Pferdefleisch, das hier als Delikatesse gilt und ursprünglich aus Kumamoto im Süden Japans stammt.

Wenn du die anfängliche Hemmschwelle überwindest, ist Basashi überraschend mild. Das Fleisch ist mager, zart und leicht süsslich, ohne die Schwere, die du vielleicht erwartest. Typischerweise wird es in kleinen Scheiben mit geriebenem Ingwer oder Knoblauch, Sojasauce und manchmal Wasabi serviert. Es ist auch sicherer, als du vielleicht denkst: Bei Pferdefleisch ist das Risiko für Parasiten und Bakterien deutlich geringer als bei rohem Hühner- oder Schweinefleisch. Deshalb darf es in Japan unter strengen Auflagen roh serviert werden.

Mein persönlicher Tipp ist Basashi Yukhoe, eine koreanische Variante von Tatar, vermischt mit rohem Eigelb und Sesamöl. Es gehört zu meinen Lieblingsgerichten in ganz Tokio. Das Foto oben stammt aus einem Pferdefleischrestaurant in Ogikubo, in das ich immer wieder zurückkehre. Du findest es auf meiner Google-Maps-Liste.

4. Besuche die Dogenzaka Church in Shibuya oder andere Themenbars

Interior of the Dogenzaka Church bar in Shibuya with church-style decoration
In der Dogenzaka Church, einer Bar im Kirchenstil in Shibuya

Ein weiteres tolles Viertel für das Nachtleben in Tokio ist Shibuya. Die Strassen rund um Shibuya Crossing sind voller Izakayas, Bars und Nachtclubs. Und ehrlich gesagt, funktioniert es hier prima, einfach herumzuschlendern und dort einzukehren, wo es interessant aussieht. Wenn du aber etwas erleben möchtest, das du sonst nirgendwo auf der Welt findest, kann ich dir die Dogenzaka Church empfehlen – eine Bar im Stil einer katholischen Kirche am Hang von Dogenzaka.

Eine kleine Warnung: Manche könnten das Konzept etwas anstössig finden. Die Bar ist wie eine Kirche gestaltet, das Personal serviert Drinks in Nonnenkostümen und oben gibt es eine Girls-Bar mit Burlesque-Shows. Das ist genau so ein Erlebnis, das es nur in Tokio gibt und das du entweder liebst oder auslässt.

Die praktischen Infos: Unter der Woche ist der Eintritt gratis, am Wochenende kostet er 200 Yen. Dazu kommt ein Mindestverzehr von einem Drink für 800 Yen. Die Musik wechselt von Abend zu Abend. Schau deshalb vor deinem Besuch auf der Website nach, was gerade läuft.

Wenn dir die Kirchenbar zu wild klingt, gibt es in Shinjuku eine ruhigere, aber genauso ungewöhnliche Alternative: die Vowz Bar in der Nähe des Bahnhofs Yotsuya. Das ist nicht einfach eine Bar mit Mönchsthema. Sie wird von echten, ordinierten buddhistischen Mönchen geführt, die dir Drinks servieren, mit dir über das Leben plaudern und manchmal am Tresen Sutren rezitieren. Ich habe dort sogar an meiner eigenen Beerdigung teilgenommen: Ich legte mich in einen Sarg, während ein Mönch das Ritual an mir vollzog. Das klingt makaber, war aber auf seltsame Weise friedlich – und definitiv mein erstes Mal in einem Sarg. Wenn du wissen möchtest, wie sich das anfühlt, habe ich das ganze Beerdigungserlebnis ausführlich beschrieben.

Und falls du deinen Abend stattdessen in Shibuya verbringst: Ich habe auch über einen typischen Abend in Shibuya geschrieben – von Strassenauftritten bis zum Onsen-Besuch spät in der Nacht. Lohnt sich, wenn du in der Gegend bist.

5. Robatayaki essen: ein japanischer Genuss vom Grill

Meat and vegetables grilling over charcoal at a robatayaki restaurant in Nakano, Tokyo
Robatayaki in Nakano

Ein sehr traditionelles Esserlebnis, das du unbedingt ausprobieren solltest, ist Robatayaki – grob übersetzt «Kochen am offenen Feuer». Frisches Fleisch, Meeresfrüchte und Gemüse liegen vor den Köchen bereit. Sie grillieren alles über heisser Holzkohle mitten im Restaurant, direkt vor deinen Augen. In klassischen Robatayaki-Restaurants reichen die Köche dir die fertigen Gerichte sogar über den Tresen auf einem langen Holzbrett – eine Tradition aus den Fischerdörfern im Norden Japans, wo diese Art des Kochens ihren Ursprung hat.

Mein Tipp: Frag immer nach einem Platz am Tresen. Das Grillieren ist die halbe Show, und den Köchen bei der Arbeit mit der Holzkohle zuzusehen, macht Robatayaki so besonders. Das haben wir auf die harte Tour in unserem Lieblings-Robatayaki-Restaurant in Nakano gelernt. Dort assen wir 2024 zum ersten Mal am Valentinstag und sassen direkt am Grill. Als wir später mit meinem Freund Jowey zurückkamen, bekamen wir oben einen Platz, weit weg vom Geschehen. Das Essen war immer noch ausgezeichnet, aber unten am Tresen ist das Erlebnis einfach besser.

6. Eine JDM-Tour in Tokio: Daikoku PA

Tuned JDM cars parked at Daikoku Parking Area in front of Tokyo Tower
JDM-Autotour mit Wangun OG, Foto von mir nach unserer Rückkehr vom Daikoku-Parkplatz.

Ich glaube, fast alle haben «The Fast and the Furious: Tokyo Drift» gesehen. Lustigerweise wurde der Grossteil des Films tatsächlich in Los Angeles gedreht, und die wichtigsten «japanischen» Figuren wurden von koreanisch-amerikanischen Schauspielern gespielt. Trotzdem hat der Film eines richtig gemacht: Er hat die Welt – und auch mich – neugierig auf Japans echte Street-Car-Szene gemacht. Die JDM-Autokultur (Japanese Domestic Market) ist einzigartig. Ihr legendärer Treffpunkt ist das Daikoku Parking Area in Yokohama, wo sich nachts Tuner, Drift-Autos und Supercar-Besitzer treffen.

Der Haken: Das Daikoku PA liegt mitten in einem Autobahnkreuz und ist nur mit dem Auto erreichbar. Es gibt keinen Bahnhof, keinen Zugang für Fussgänger, und Taxis warten dort oft nur ungern. Deshalb empfehle ich, eine JDM-Tour zum Daikoku zu buchen, statt auf eigene Faust hinzufahren. Ich war schon mehrmals mit Wangan OG beim PA und jedes Mal begeistert. Man weiss nie, was auftaucht: An einem Abend sind es klassische Skylines und RX-7, am nächsten parkt jemand einen Lamborghini neben einem Van im Bosozoku-Stil.

7. Die Ausstellung «The Making of Harry Potter» besuchen

The Making of Harry Potter in Tokyo: Where Magic Meets the City
Wie ich mich bei «The Making of Harry Potter» in Tokio vor Voldemort verbeuge

Seit meiner Kindheit bin ich ein riesiger Harry-Potter-Fan – dieser Besuch war für mich also ein Muss. In Tokio befindet sich die Warner Bros. Studio Tour Tokyo: The Making of Harry Potter, die weltweit grösste Harry-Potter-Attraktion in Innenräumen. Sie wurde 2023 auf dem Gelände des ehemaligen Vergnügungsparks Toshimaen in Nerima eröffnet, etwa 20 Minuten von Ikebukuro entfernt. Direkt beim Eingang gibt es einen eigenen Bahnhof: Toshimaen.

Drinnen gehst du durch Kulissen in Originalgrösse, etwa die Grosse Halle, die Winkelgasse und Gleis 9¾, und erhältst Einblicke hinter die Kulissen, die du bisher noch nie gesehen hast. Am besten gefallen haben mir die bewegten Porträts. Sie sehen absolut echt aus, genau wie in den Filmen. Und natürlich kannst du die berühmten Snacks und ein echtes Butterbier probieren. Getrunken wird es aus einem Souvenirbecher, den du mit nach Hause nehmen kannst.

Ein wichtiger Tipp: Tickets gibt es nur online und im Voraus, mit festgelegter Eintrittszeit. Vor Ort kannst du keine kaufen, und beliebte Termine sind oft schon Wochen vorher ausverkauft. Buche also, sobald deine Reisedaten feststehen.

8. Anime-Schauplätze im echten Leben

How to Find Saitama’s House in Tokyo: A Guide for Anime Fans (One Punch Man House)
Anime-Schauplätze

Ich bin mit Anime aufgewachsen, und viele dieser Serien gehören zu meiner Kindheit. Besonders beliebt war in der Schweiz Heidi, die klassische Serie, die in den Schweizer Alpen spielt. Regie führte Isao Takahata, Hayao Miyazaki kümmerte sich um das Szenendesign – und das Jahre, bevor die beiden Studio Ghibli gründeten. Später kamen Shonen-Serien wie Naruto, One Piece und Dragon Ball Z dazu, die tagsüber auf RTL II liefen (auf Deutsch synchronisiert).

Was vielen Fans nicht bewusst ist: Zahlreiche berühmte Anime-Szenen basieren auf realen Orten, und Tokio ist voll davon. Diese Schauplätze zu besuchen – in Japan als Seichi Junrei oder «Anime-Pilgerreise» bekannt – gehört zu meinen liebsten kostenlosen Aktivitäten in der Stadt. So gibt es Saitamas Haus aus One Punch Man tatsächlich in Setagaya. Und die berühmte Treppe in der Schlussszene von Your Name (Kimi no Na wa) ist ein echter Ort: die Treppe beim Suga-Schrein in Yotsuya, die genauso aussieht wie im Film. Ich habe einen ausführlichen Guide zu Anime-Schauplätzen in Tokio, die es wirklich gibt zusammengestellt – mit Wegbeschreibungen und Fotos von meinen Besuchen.

9. In einem Tokioter Club tanzen: Womb, Camelot oder Decabar

Decabar Tokyo Kinbaku Show, SM Tokyo, and Kinky Tokyo
Decabar – DJ Sumirocks 90. Geburtstagsparty (die weltweit älteste aktive Club-DJ)

Tokio hat meiner Meinung nach eines der besten Nachtleben der Welt. Unsere Nächte folgen meistens demselben Rhythmus: Wir starten in einem Izakaya (einem japanischen Lokal mit Getränken), ziehen weiter in eine Bar und beenden den Abend in einem Club. Wenn du es wie die Einheimischen machen willst, lass dir Zeit. Jede Etappe hat ihr eigenes Tempo.

Für eine unvergessliche Nacht geh ins Womb oder ins Camelot – zwei der bekanntesten Clubs Tokios, beide in Shibuya. Das Womb ist eine Institution für Techno und House und bei DJs auf der ganzen Welt für sein beeindruckendes Soundsystem und eine der grössten Discokugeln bekannt, die du je sehen wirst. Das Camelot ist die Mainstream-Variante: Hier läuft Hip-Hop und Chartmusik, und meistens ist der Club voller junger Leute aus aller Welt. Wenn du etwas ganz anderes suchst, verbindet das Decabar in Shinjuku DJ-Sets mit Live-Performancekunst und japanischen Seilkunst-Shows. Schau dir also vor dem Besuch das Veranstaltungsprogramm an.

Zwei praktische Tipps: Nimm deinen Pass mit, denn die Clubs in Tokio kontrollieren am Eingang den Ausweis, und ein ausländischer Führerschein wird oft nicht akzeptiert. Rechne zudem mit einem Eintritt von etwa 1’000 bis 4’000 Yen, je nach Club und Abend. In der Regel ist ein Getränkegutschein dabei.

10. Einen Showclub in Tokio besuchen

Burlesque dancer performing at Tantra Tokyo showclub
Eine atemberaubende Burlesque-Show im Tantra Tokyo, einem der elegantesten und kunstvollsten Showclubs von Roppongi.

Wenn du abends lieber etwas Entspannteres als einen Clubbesuch möchtest, empfehle ich dir einen Showclub. Diese Lokale verbinden an einem Abend Performance, Musik und Spektakel. Anders als in gewöhnlichen Nachtclubs, wo du selbst tanzt, lehnst du dich hier mit einem Drink zurück und lässt die Show auf dich zukommen.

Einer der bekanntesten Orte ist Tantra Tokyo in Roppongi, ein eleganter Burlesque-Club, in dem talentierte Tänzerinnen eine Atmosphäre schaffen, die zugleich stilvoll und gewagt ist. Die Shows wechseln im Laufe des Abends, sodass du nie genau weisst, was als Nächstes kommt – das gehört zum Reiz dazu. Im Tantra gibt es auch eine eigene Karaoke-Bar, falls du nach der Show noch weiterfeiern möchtest. Wenn du sehen willst, wie es drinnen tatsächlich aussieht, habe ich im Tantra mehrere Videos gedreht. Du findest sie auf meinem YouTube-Kanal.

11. Girls-Bars oder Themen-Cafés besuchen

Staff member flexing at the Muscle Girls Bar in Ikebukuro, Tokyo
Die Muscle Girls Bar in Ikebukuro – ein Foto von meinem ersten Besuch 2023

In Japan gibt es eine besondere Art von Bar, die es so kaum anderswo gibt: die Girls-Bar. Das Konzept ist einfach. Du bezahlst für einen bestimmten Zeitraum, meistens inklusive Getränken à discrétion, und eine Frau hinter der Theke unterhält sich mit dir, während du trinkst. Meistens auf Japanisch – so wird der Besuch gleich zu einer unterhaltsamen Sprachübung. Damit das klar ist: Hier geht es um Unterhaltung und Gespräche, gewissermassen um die leichtere und günstigere Variante des klassischen Hostess-Clubs. Mehr läuft nicht, und die Bars sind völlig legal.

Allerdings ist die Qualität sehr unterschiedlich. Manche Girls-Bars sind schnell vergessen, während andere aus dem Konzept eine richtige Show machen. Das beste Beispiel ist die Muscle Girls Bar in Ikebukuro. Die Frauen, die dir deine Drinks servieren, sind ernsthafte Athletinnen und trainieren zwischen den Runden vor deinen Augen. Je nach Paket buchst du 30 bis 80 Minuten Getränke à discrétion. Gegen Aufpreis kannst du auch «Services» bestellen, etwa dich von einer der Muskel-Frauen schlagen oder treten zu lassen. Glaub mir: Noch lustiger ist es, wenn du das für einen Freund kaufst. Ich gehe seit meinem ersten Besuch 2023 dorthin, und die Bar gehört immer noch zu den unterhaltsamsten, die ich in Tokio kenne.

Wenn du es lieber etwas ruhiger magst, gibt es in Tokio auch jede Menge Themen-Cafés – von Tier-Cafés bis zu den berühmten Maid-Cafés in Akihabara. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Falls du in einer Spielhalle landest, lies meine Tipps dazu, wie japanische Greifautomaten funktionieren, bevor du all deine Münzen ausgibst.

12. In einer Izakaya essen

Small dishes and drinks at an izakaya in Koenji, Tokyo
Kleine Gerichte und Getränke in einer Izakaya in Koenji, Tokio

Wenn du Japan besuchst, solltest du mindestens einmal in einer Izakaya essen. Eine Izakaya ist ein japanisches Pub, in dem verschiedene kleine Gerichte zum Teilen und günstige Getränke serviert werden. Hier spielt sich nach der Arbeit das echte japanische Sozialleben ab. Fast jeden Abend beginne ich mit Freunden in einer Izakaya. Du findest sie überall in Tokio, aber für ein authentisches Erlebnis vor Ort solltest du nach Suginami-ku fahren. Ich habe sowohl in Ogikubo als auch in Koenji gelebt. In diesen Vierteln habe ich einige der besten Izakayas besucht. Dazwischen liegt Asagaya, das genauso gut ist. Die Izakayas hier sind günstiger, freundlicher und viel authentischer als alles, was du in der Nähe der grossen Touristenattraktionen findest.

Eine Warnung: In einigen Izakayas wird rohes Hühnerfleisch (Torisashi) serviert. Aus Sicherheitsgründen würde ich darauf verzichten. Ich habe einen ganzen Artikel darüber geschrieben, warum.

Für Filmfans gibt es eine berühmte Ausnahme von meiner Regel, Touristenorte zu meiden: Gonpachi Nishiazabu, das als Inspiration für die ikonische Kampfszene in Kill Bill gilt. Das Restaurant liegt im Viertel Roppongi, nur einen kurzen Spaziergang von der Station Roppongi entfernt. Das Publikum ist deutlich international geprägt, viele Gäste kommen aus den USA. Nimm dir etwas Zeit und erkunde Roppongi, bevor du hingehst. Bei meinem ersten Besuch war der Film der Grund. Beim zweiten und dritten Mal kam ich zurück, weil mir das Essen wirklich schmeckte.

13. Trinke aus einem «Bierstiefel» in Japans ältester Bierhalle: Ginza Lion (7-chome)

Massive glass beer boot and garlic bread snacks at the historic Ginza Lion Beer Hall 7-chome in Tokyo.
Die «Hero»-Kombi: ein riesiger Bierstiefel mit Knoblauchbrot. In dieser Halle von 1934 ist es legendär, den Stiefel zu bestellen – damit ziehst du sofort alle Blicke auf dich!

Wenn du die Seele von Ginza spüren möchtest, geh ins Erdgeschoss der Ginza Lion Beer Hall (7-chome). Als Schweizer Expat habe ich schon viele europäische Bierhallen gesehen, aber diese «alte Halle» ist etwas ganz Besonderes. Sie wurde 1934 erbaut und ist Japans älteste erhaltene Bierhalle – eine «Bierkathedrale», die die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden hat. Schau dich beim Eintreten um: Die Halle hat hohe Decken, dunkle Säulen und hinter der Bar ein riesiges Glasmosaik mit einer Ernteszene, das aus über 250 verschiedenen Glasfarben besteht.

Mein Highlight hier ist der Bierstiefel, das berühmte Stiefelglas. Biergläser in Stiefelform sind eine deutsche und österreichische Tradition, die man selbst in der Schweiz nur selten sieht – und in Japan sind sie eine echte Rarität. Da die meisten Einheimischen bei ihren kleinen Sapporo-Gläsern bleiben, wirst du mit einer Bestellung des Stiefels sofort zum Helden der Halle. Die Leute halten an und schauen dich anerkennend an. Dazu gibt’s Knoblauchtoast – meine übliche Bestellung hier – und schon hast du einen der unterhaltsamsten und günstigsten Abende, die Ginza zu bieten hat.

Wenn du nach diesem Abschnitt Lust auf mehr bekommen hast, schau dir meinen Guide zu japanischem Bier an. Darin geht’s um Bierkultur, Brauereien und weitere historische Bierhallen in ganz Japan.

14. Versteckte Gärten entdecken: Koishikawa Korakuen, Shinjuku Gyoen oder Kokyo Gaien

Pond and autumn trees at Koishikawa Korakuen Garden in Tokyo
Koishikawa Korakuen, wo ich mein erstes Date mit meiner Verlobten hatte

Tokio ist zwar für seine Wolkenkratzer und belebten Strassen bekannt, doch die Stadt hat auch viele ruhige Gärten, in denen du dem Trubel entfliehen kannst. Mein persönlicher Favorit ist Koishikawa Korakuen, einer der ältesten japanischen Gärten in Tokio und noch immer ein Geheimtipp, den die meisten Touristen verpassen. Mein erstes Date mit meiner Verlobten hatte ich in diesem Garten – deshalb wird er immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Wenn du in Tokio nur einen Garten besuchst, dann diesen.

Shinjuku Gyoen ist eine weitere tolle Möglichkeit und mein Lieblingsort in der Stadt, um die Kirschblüte zu erleben. Mit über tausend Kirschbäumen verschiedener Sorten dauert die Blütezeit hier länger als fast überall sonst in Tokio. Gut zu wissen: Es ist auch einer der wenigen Orte in Japan, an denen du einen Studierendenrabatt bekommst. Dieser richtet sich hier meistens nach deinem Alter und nicht danach, ob du tatsächlich studierst.

Zum Schluss ist der Kokyo Gaien National Garden ideal für einen gemütlichen Spaziergang mit herrlichem Blick auf den Kaiserpalast. Zur Kirschblütenzeit empfehle ich dir, eines der Ruderboote auf dem Wassergraben bei Chidorigafuchi zu mieten, direkt neben dem Garten. Unter blühenden Kirschbäumen zu rudern, gehört zu den schönsten Erlebnissen in Tokio. Aber sei gewarnt: Entweder zahlst du bei einer Online-Reservation ungefähr das Doppelte, oder du stehst sehr früh auf und stellst dich an. Wir haben uns für die frühe Morgenstunde entschieden, und jede Minute Schlaf, die wir verloren haben, war es wert.

Tokio-Touren und Tickets buchen

Viele Erlebnisse auf dieser Liste lassen sich einfacher geniessen, wenn du Tickets oder eine Führung im Voraus buchst. Unten kannst du aktuelle Erlebnisse in Tokio auf Klook vergleichen.

15. Die schönsten Tagesausflüge ab Tokio: Kawagoe, Kamakura, Odawara und mehr

Odawara Castle with white walls and stone foundation on a clear day
Ich habe dieses Foto von der Burg Odawara auf dem Weg nach Hakone mit meinen Eltern aufgenommen

Wenn du während deines Aufenthalts Zeit hast, empfehle ich dir wärmstens, mindestens einen Tagesausflug ab Tokio zu machen. In der Stadt selbst gibt es endlos viel zu erleben, doch ausserhalb bekommst du einen ganz anderen Blick auf Japan. Alle diese Ziele erreichst du in etwa einer Stunde.

Eine der einfachsten und lohnendsten Möglichkeiten ist Kawagoe, das oft auch «Klein-Edo» genannt wird. Mit der Tobu-Tojo-Linie bist du in weniger als einer Stunde von Tokio aus dort. Dich erwarten traditionelle Strassen mit Lehmziegel-Lagerhäusern, historische Tempel wie Kita-in und lokale Spezialitäten wie Süsskartoffel-Snacks, die es in allen möglichen Formen gibt – von Chips bis Glace. Im Vergleich zu anderen Tagesausflügen geht es in Kawagoe entspannt zu und die Stadt lässt sich gut zu Fuss erkunden. Perfekt für einen ruhigeren Reisetag. Ich habe einen ausführlichen Kawagoe-Reiseführer mit den schönsten Erlebnissen, versteckten Orten und Tipps zum Essen geschrieben.

Eine weitere beliebte Option ist Kamakura, bekannt für seine vielen Tempel und den berühmten Grossen Buddha – eine elf Meter hohe Bronzestatue unter freiem Himmel. Kamakura liegt an der Küste und ist am Wochenende spürbar touristischer. Wenn du kannst, komm also unter der Woche. Die Mischung aus Geschichte, Wanderwegen und Meer lohnt sich aber so oder so. Wenn du noch Energie hast, geht es weiter zur Insel Enoshima gleich die Küste hinunter. Dort erwarten dich Meerblicke, Höhlen und frische Meeresfrüchte. Wir haben Kamakura und Enoshima auf einem Ausflug besucht – die Kombination funktioniert bestens.

Wenn du dich für Burgen und die Geschichte der Samurai interessierst, ist die Burg Odawara eine tolle Wahl. Sie gibt dir einen authentischen Einblick in Japans Feudalzeit. Da sie auf dem Weg nach Hakone liegt, kannst du beide Orte problemlos verbinden. Das Foto der Burg habe ich auf genau so einem Ausflug mit meinen Eltern gemacht.

Für alle, die den Nervenkitzel suchen, ist Fuji-Q Highland einer der besten Vergnügungsparks Japans. Der Park liegt nahe dem Kawaguchi-See am Fuss des Fuji und beherbergt einige der extremsten Achterbahnen der Welt, darunter Fujiyama, Eejanaika und Takabisha. An klaren Tagen hast du direkt vom Park aus eine fantastische Aussicht auf den Fuji – manchmal sogar während der Fahrt. Und auch wenn Achterbahnen nicht dein Ding sind, findest du bei Fuji-Q Anime-Attraktionen, eines der grössten Gruselkabinette der Welt und tolle Fotospots. Ich empfehle, den Besuch mit dem Kawaguchi-See oder der Chureito-Pagode zu verbinden und so einen ganzen Tag rund um den Fuji zu verbringen.

16. Sushi in einem Spitzenrestaurant essen: Fukuzushi in Roppongi ist meine Empfehlung

Fresh uni (sea urchin) sushi served at Fukuzushi restaurant in Roppongi
Uni bei Fukuzushi in Roppongi, serviert an meinem Geburtstag

In Tokio gibt es Sushi von Weltklasse – und zwar in jeder Preisklasse. Wenn du dir während deiner Reise aber ein wirklich erstklassiges Sushi-Erlebnis gönnen möchtest, empfehle ich dir Fukuzushi in Roppongi. Das kleine, familiengeführte Restaurant liegt versteckt hinter den Hauptstrassen von Roppongi. Es ist gemütlich und ruhig – das genaue Gegenteil der grellen Sushi-Ketten. Wenn du lieber eine günstigere und lockere Variante möchtest, findest du hier meine Rangliste der besten Sushi-Ketten Japans.

Mit diesem Ort verbinde ich besondere Erinnerungen. Meine Verlobte reservierte das Restaurant 2024 als Geburtstagsgeschenk für mich, und es war ganz klar das beste Essen, das ich je in Tokio hatte. Das Uni auf dem Foto oben stammt genau von diesem Abendessen. Mit rund 33’000 Yen pro Person ist es definitiv teuer, aber für einen einmaligen Genuss auf der Reise war es jeden Yen wert.

Ein paar praktische Hinweise: Der Küchenchef spricht kein Englisch, aber seine Frau spricht es sehr gut und führt dich durch die Speisekarte. Ausserdem haben sie eine persönliche Verbindung zur Waseda-Universität: Ihre Tochter hat dort studiert, genau wie ich. Eine Reservation ist unbedingt nötig und kann über ihre Website vorgenommen werden.

17. Ein japanisches Baseballspiel schauen

Beer girl with keg backpack selling beer in the stands at a Japanese baseball game
Ich war mit meinem Vater an einem Baseballspiel. Es war sein Geburtstagsgeschenk. Auf dem Bild siehst du eine Bierverkäuferin.

Für Sportfans gehört ein japanisches Baseballspiel einfach dazu – selbst wenn du dich überhaupt nicht für Baseball interessierst. Japanische Fans machen aus jedem Spiel ein Fest: Jeder Spieler hat seinen eigenen Anfeuerungsruf, das Publikum singt während des ganzen Spiels perfekt aufeinander abgestimmt, und wenn die Heimmannschaft punktet, gehen Tausende Regenschirme oder Ballons gleichzeitig in die Höhe. Diese organisierte Energie findest du in keiner anderen Sportart.
In Tokio sind zwei grosse Teams zu Hause. Die Yomiuri Giants spielen im Tokyo Dome, die Tokyo Yakult Swallows im Freiluftstadion Meiji Jingu Stadium. Wenn du die Wahl hast, würde ich an einem Sommerabend das Meiji Jingu Stadium nehmen. Mit einem Bier unter freiem Himmel ist Baseball einfach unschlagbar.
Mein erstes Spiel war übrigens in Yokohama. Dort sah ich mit meinem Vater ein Auswärtsspiel der Yomiuri Giants. Es regnete die ganze Zeit, aber wir hatten trotzdem einen tollen Tag – das sagt einiges über die Stimmung aus.
Ein praktischer Tipp: Nimm Bargeld mit. Die berühmten Bierverkäuferinnen, die sich mit Bierfässern auf dem Rücken durch die Tribünen bewegen, nehmen nur Bargeld. Unten an den Verkaufsständen kannst du zwar mit Kreditkarte Bier kaufen, aber dann verpasst du die halbe Freude und musst jedes Mal deinen Platz verlassen.

18. Bon-Odori-Tanzfest oder Hanabi-Feuerwerksfestival im Sommer

Dancers in yukata circling the stage at the Ebisu Bon Odori festival in Tokyo
Bon Odori in Ebisu, 2024

Wenn du Tokio im Sommer besuchst, solltest du unbedingt ein Bon-Odori-Fest (ein traditionelles Sommer-Tanzfest) oder ein Hanabi-Festival (Feuerwerk) erleben. Bon Odori findet zwischen Juli und August überall in der Stadt statt: Einheimische tanzen in Yukata im Kreis um eine zentrale Bühne, umgeben von Essensständen, Laternen und Taiko-Trommeln. Am schönsten ist, dass alle mitmachen dürfen – auch wenn du keine Ahnung hast, was du tust. Niemand stört sich daran, und meistens zeigt dir jemand die Schritte. Zwischen den Tänzen kannst du an den Ständen Kingyo Sukui ausprobieren, das Goldfisch-Schöpfspiel – ein Klassiker auf jedem japanischen Sommerfest.

Jeden Sommer gibt es Dutzende solcher Feste. Am liebsten mag ich die Bon-Odori-Feste in Nakano, Koenji und Ebisu. In Koenji findet eines der grössten Awa-Odori-Feste ausserhalb von Tokushima statt: Ende August ziehen Tausende Tänzerinnen und Tänzer durch die Strassen. Es lohnt sich wirklich, den Besuch danach zu planen.

Ich will ehrlich sein: Tokios Sommer sind brutal heiss und schwül. Diese Feste sind so ziemlich der einzige Grund, warum ich einen Japanbesuch im Juli oder August empfehlen würde. Aber wenn du dann ohnehin hier bist, machen sie aus der schlimmsten Jahreszeit etwas Besonderes.

19. Wagyu essen: Ein japanisches Rindfleisch-Erlebnis, das du probieren musst

Best Gyukatsu in Tokyo at Gyukatsu Aona Shinjuku
Gyukatsu Aona, mein liebstes Gyukatsu in Tokio

Wagyu-Rindfleisch ist der eine Luxus, auf den du in Tokio nicht verzichten solltest. Du kannst es als Steak oder Yakiniku essen, aber am liebsten mag ich eine Variante, von der die meisten Touristen noch nie gehört haben: Gyukatsu. Dabei wird Wagyu wie ein Katsu-Schnitzel paniert, weniger als eine Minute frittiert und innen noch blutig serviert – mit Reis, fein geschnittenem Kohl, Misosuppe und verschiedenen Dips.

Mein Geheimtipp für das beste Gyukatsu in Tokio ist Gyukatsu Aona in Shinjuku. Bei den berühmten Ketten musst du eine Stunde anstehen, bei Aona ist es ruhiger und meiner Meinung nach auch besser. Das Beste daran: An deinem Tisch steht ein kleiner Tischgrill aus Stein, und das Rindfleisch kommt fast roh. So kannst du jede einzelne Scheibe genau so anbraten, wie du sie magst. Ich nehme es medium rare, meine Verlobte gut durchgebraten – so sind alle am Tisch zufrieden. Das Mittagessen wird dadurch zu einem kleinen Kocherlebnis.

20. Daifuku probieren: süsse japanische Leckereien

Strawberry daifuku mochi at a traditional wagashi shop
Daifuku, die ich bei einem Besuch in Kyoto gekauft habe

Ein Japanbesuch ist nicht komplett, ohne Daifuku probiert zu haben: weiche, zähe Mochi-Reiskuchen mit süsser Füllung. Die klassische Variante ist mit roter Bohnenpaste gefüllt, aber der eigentliche Star ist Ichigo Daifuku: eine ganze frische Erdbeere, umhüllt von Bohnenpaste und Mochi. So ist jeder Bissen gleichzeitig süss, leicht säuerlich und zäh. Daifuku findest du in ganz Tokio in Wagashi-Läden (traditionellen japanischen Süsswarengeschäften), in den Lebensmittelabteilungen von Kaufhäusern und sogar in Convenience-Stores. Die frisch von Hand gemachten Stücke aus einem richtigen Laden spielen aber in einer ganz anderen Liga.

Von allen Desserts in Japan ist Daifuku mein absoluter Favorit. Besonders gern mag ich Matcha- und Schokoladenvarianten mit einer ganzen Erdbeere in der Füllung. Ein Tipp: Gutes Daifuku wird frisch zubereitet und sollte noch am selben Tag gegessen werden, denn das Mochi wird schnell hart. Kauf es also nicht als Mitbringsel für zu Hause, sondern hol dir eins, iss es gleich vor Ort und geh danach für ein zweites zurück.

21. Fugu essen: Japans berühmter Kugelfisch

Thin slices of fugu pufferfish sashimi arranged on a plate at Guenpin in Osaka
Meine Verlobte zwang mich, in Osaka Fugu zu essen

Für Mutige gehört Fugu (Kugelfisch) zu Japans berühmtesten kulinarischen Erlebnissen. Der Fisch enthält ein tödliches Gift. Deshalb darf er nur von Köchen zubereitet werden, die eine spezielle Fugu-Lizenz besitzen. Dafür müssen sie jahrelang trainieren und eine strenge Prüfung bestehen. In einem lizenzierten Restaurant ist Fugu völlig sicher. Die Gefahr, von der du in den Nachrichten liest, geht fast immer von Laien aus, die den Fisch zu Hause fangen und zubereiten.

Ich bin ehrlich: Vor meinem ersten Mal hatte ich ziemlich Angst. Meine Verlobte zwang mich quasi, es zu probieren, und erst nachdem ich mich darüber informiert hatte, wie das Lizenzsystem funktioniert, entspannte ich mich. Fugu-Sashimi wird hauchdünn geschnitten und ist fast durchsichtig. Es schmeckt zart und mild und hat eine leicht zähe Konsistenz. Dabei geht es weniger um den Geschmack als um das Erlebnis – und die Geschichte, die du danach erzählen kannst.

Fugu findest du in gehobenen Restaurants in ganz Tokio, als Sashimi (Tessa) oder im Eintopf (Tecchiri). Die klassische Saison dafür ist der Winter. Unser erstes Fugu-Abendessen hatten wir in Osaka, in einer Restaurantkette, die sich ganz darauf spezialisiert hat. In meinem separaten Beitrag kannst du alles über das Fugu-Erlebnis nachlesen.

22. Feuerwerk in Tokio: eine sommerliche Tradition

Colorful fireworks exploding over the river at the Itabashi Fireworks Festival in Tokyo
Feuerwerk am Itabashi-Hanabi-Festival

Im Sommer besuche ich in Tokio meistens zwei oder drei Hanabi-Festivals (Feuerwerksfeste). Japanische Feuerwerksfeste sind eine ganz andere Nummer als das, was die meisten von zu Hause kennen: Zehntausende Feuerwerkskörper erleuchten länger als eine Stunde den Himmel, ganze Menschenmengen tragen Yukata, und überall gibt es Essensstände.

Das berühmteste ist das Sumidagawa-Feuerwerksfestival bei Asakusa. Es zieht fast eine Million Besucher an – und genau so voll ist es auch. Auf meinem YouTube-Kanal habe ich ein Video dazu gemacht, wie du das Festival geniessen und dabei dem grössten Gedränge ausweichen kannst. 2024 besuchte ich mit meiner Verlobten und einem Freund auch das Feuerwerk in Itabashi. Meine wichtigste Erkenntnis von diesem Abend: Komm nicht erst im letzten Moment. Die Wege sind so voll, dass du dich kaum bewegen kannst, und Einheimische versuchen trotzdem, sich mit dem Velo durch die Menge zu drängen – das macht alles noch chaotischer. Komm ein oder zwei Stunden früher, such dir einen Platz und bring Snacks aus einem Konbini mit.

Wenn du eine Sommerreise planst, wirf einen Blick auf meine Übersicht zu Tokios Feuerwerksfestivals mit Terminen und Veranstaltungsorten für 2026. So findest du heraus, welche zu deinen Reisedaten passen.


23. Eine Illumination in Tokio erleben

Projection mapping show on the Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku at night
Die allabendliche Projection-Mapping-Show in Shinjuku

Tokio liebt Illuminationen, und du findest sie das ganze Jahr über – im Winter ist die Stadt aber am zauberhaftesten. Die spektakulärste Show gibt es jeden Abend kostenlos: die Projection-Mapping-Show am Gebäude der Stadtregierung von Tokio in Shinjuku. Guinness World Records hat sie als grösste permanente Projection-Mapping-Show der Welt anerkannt. Der ganze 243 Meter hohe Wolkenkratzer verwandelt sich in eine riesige Leinwand, auf der zum Beispiel Godzilla das Gebäude erklimmt.

Ich gebe zu: Als die Show startete, war ich nicht beeindruckt. Die ersten Bilder wirkten beliebig, wie ein Bildschirmschoner, der auf einen Wolkenkratzer projiziert wird. Seitdem hat sich aber viel getan: Die neueren Shows sind tatsächlich auf die Architektur des Gebäudes abgestimmt, und heute lohnt sich ein Abstecher wirklich – zumal alles kostenlos ist und täglich nach Sonnenuntergang stattfindet.

Im Winter macht die ganze Stadt mit. Meine zwei Lieblingsgegenden sind die Winterillumination in Asakusa, wo Senso-ji und die Nakamise-Strasse in warmes, dezentes Licht getaucht werden, das zur historischen Atmosphäre passt, und die Weihnachtsilluminationen in Roppongi mit ihren riesigen, auffälligen LED-Installationen – ein ziemlicher Kontrast. Wenn du beide besuchst, erlebst du an einem Abend zwei Seiten Tokios. Was die kalte Jahreszeit sonst noch zu bieten hat – von Weihnachtsmärkten bis zu Schneeaffen –, erfährst du in meinem Guide zu Tokio im Winter.

24. Die einzigartige Kultur eines Maid-Cafés erleben

A maid drawing a Pikachu with ketchup on omurice at a maid cafe in Akihabara
In vielen Maid-Cafés verzieren die Mitarbeitenden dein Essen mit «kawaii»-Motiven und sprechen dabei einen Zauberspruch, damit es noch besser schmeckt.

Wenn du eine der berühmtesten «Galapagos»-Subkulturen Japans erleben möchtest, musst du ein Maid-Café besuchen – am besten in Akihabara, wo das Konzept Anfang der 2000er-Jahre entstanden ist. In diesen Cafés dreht sich alles um ein bestimmtes Thema: Die Kellnerinnen tragen Dienstmädchen-Kostüme und begrüssen dich als «Herrn» oder «Herrin» des Hauses.

Es geht um viel mehr als nur darum, einen Kaffee zu trinken – es ist eine richtige Vorstellung. Wenn dein Essen kommt, meist etwas Niedliches wie Omurice (Reis mit Omelett), malt dir die Maid mit Ketchup ein Bild darauf, zum Beispiel eine Katze oder ein Herz. Ausserdem sollst du mit ihr zusammen einen «Zauberspruch» aufsagen, etwa das berühmte «Moe Moe Kyun», damit das Essen noch besser schmeckt. Ja, die Handbewegungen gehören dazu. Nein, du kommst nicht darum herum.

Am Anfang kann es sich etwas seltsam anfühlen, besonders wenn du wie ich in Europa aufgewachsen bist. Aber das Ganze ist völlig harmlos und macht Spass – es gehört einfach zur Popkultur Tokios. Zwei praktische Dinge solltest du wissen: Zusätzlich zu deiner Bestellung zahlst du normalerweise eine kleine Sitzgebühr. Und du darfst die Maids nur fotografieren, wenn du ein «Cheki» kaufst – ein Sofortbild mit ihnen, das oft von Hand verziert wird. Dein eigenes Essen darfst du fotografieren. Ich empfehle dir, es mindestens einmal auszuprobieren, einfach um die Energie und die völlige Hingabe an das Thema zu erleben.


25. Durch die «Fussgängerparadiese» spazieren (Hokousha Tengoku)

A wide view of Chuo-dori in Akihabara during Hokousha Tengoku, showing crowds of people walking freely on the main road surrounded by anime billboards and neon signs.
Akihabaras Hauptstrasse verwandelt sich jeden Sonntag in einen riesigen Platz unter freiem Himmel. So kannst du die «Electric Town» ohne Verkehr erleben.

Eines meiner absoluten Lieblingsdinge am Wochenende ist ein Besuch in einem Fussgängerparadies in Tokio, das vor Ort Hokousha Tengoku oder einfach «Hokoten» genannt wird. An diesen Tagen werden die belebtesten Hauptstrassen der Stadt in Ginza, Akihabara und Shinjuku komplett für den Verkehr gesperrt – die Strassen gehören dann den Menschen.

Meine Verlobte und ich lieben diese Stunden, weil das «Tokyo Shuffle» – das ständige Anrempeln auf überfüllten Gehwegen – dann einfach verschwindet. Einkaufen fühlt sich plötzlich entspannt statt stressig an.

Ginza (Chuo-dori) ist dabei das Nonplusultra. Mitten auf der Strasse stehen Tische und Stühle mit Sonnenschirmen, und wir holen uns meist einen Kaffee und setzen uns auf die Strassenmitte, um das Treiben zu beobachten. Das Luxusviertel lässt sich kaum besser erleben.

Akihabara verwandelt seine wichtigste Einkaufsstrasse, die «Electric Town», in eine riesige Fussgängerzone unter freiem Himmel. Ohne Autos kannst du endlich weit genug zurücktreten, um die wahre Grösse der Neonschilder und Anime-Werbetafeln zu erfassen. Wenn du Fotos von Akihabara machen möchtest, ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.

In Shinjuku werden die Strassen auf der Ostseite gesperrt. So wird das geschäftige Viertel rund um Isetan und Bic Camera zu einem Ort für einen entspannten Spaziergang.

Mein Tipp: Diese Veranstaltungen finden normalerweise sonntags statt, in Ginza auch samstags. Von April bis September bleiben die Strassen bis 18 Uhr gesperrt – ideal, um vor dem Abendessen im goldenen Abendlicht Fotos zu machen. Das Ganze ist völlig kostenlos und eines dieser lokalen Geheimnisse, die das Leben hier so besonders machen.


26. Besuche eines der Kulturfestivals in Tokio

Das ganze Jahr über finden in Tokio unzählige besondere Festivals statt. Fast jeden Tag gibt es irgendwo in der Stadt eines. Ich gehe sehr gern hin und schreibe über die Veranstaltungen, die mich überraschen. Mit etwas Glück fallen deine Reisedaten mit einem dieser Festivals zusammen.

Oiran Dochu in Shinagawa Oiran waren die ranghöchsten Kurtisanen der Edo-Zeit, berühmt für ihre aufwendigen Kimonos, hoch aufragenden Sandalen und ihren langsamen, zeremoniellen Gang. Diese Tradition ist längst verschwunden, doch beim Shinagawa Shukuba Matsuri stellen Frauen aus der Gegend den legendären Oiran-Umzug in voller historischer Kleidung nach. Wenn der Umzug die alte Tokaido-Strasse entlangzieht, fühlt es sich an, als würde man direkt in die Edo-Zeit blicken.

Bakeneko-Festival in Kagurazaka Diese Veranstaltung läutet in Tokio die Halloween-Saison ein. Menschen aus Japan und anderen Ländern verkleiden sich als Bakeneko – die übernatürlichen, gestaltwandelnden Katzen aus der japanischen Folklore – und tanzen durch die Strassen von Kagurazaka. Mein Tipp: Katzenohren bekommst du in jedem Don Quijote in Tokio; damit fällst du gar nicht weiter auf. Bei kaum einem anderen Festival macht das Mitmachen so viel Spass wie hier.

Yomiuriland Jewellumination Dieses mitreissende Winterereignis taucht den ganzen Vergnügungspark in «Juwelen»: Dafür sorgen 6,5 Millionen LEDs in Edelsteinfarben, entworfen von der Lichtkünstlerin Motoko Ishii. Erwachsene kommen wegen der Rundumsicht aus der Sky-Shuttle-Gondel, während Kinder die interaktive Mission im Horror House lieben: Sie müssen einem Geist seinen Teddybären zurückbringen. Hier treffen rasante Achterbahnen auf Tokios spektakulärste Lichtshow – eine energiegeladene Alternative zu den Illuminationen im Stadtzentrum.

Ueno de Panda Spring Festival Ein lebhaftes Fest zum chinesischen Neujahr auf dem Fountain Square im Ueno-Park, bei dem chinesische und japanische Kultur aufeinandertreffen. Die Menschen strömen zu den Gachi-Chuka-Ständen mit authentischem chinesischem Streetfood aus verschiedenen Regionen und zu den traditionellen Bian-Lian-Aufführungen mit Maskenwechsel. Doch im Mittelpunkt des Festes stehen Uenos berühmteste Bewohner: die Pandas im Ueno-Zoo. Ich habe einen ausführlichen Guide zum Festival und dazu geschrieben, was es so besonders macht.


27. Erlebe die «seltsame» Seite Tokios

Auf den ersten Blick wirkt Tokio vielleicht perfekt. Doch je länger du hier bist, desto mehr entdeckst du die seltsamen und faszinierenden Details, die diese Stadt so einzigartig machen.

Was fast alle Besucherinnen und Besucher überrascht: Es ist völlig normal, Menschen in der Öffentlichkeit schlafen zu sehen. Spät in der Nacht entdeckst du Angestellte in tadellosen Anzügen, die auf Trottoirs, Bänken oder Bahnhofsböden eingeschlafen sind – oft liegt ihr Aktenkoffer gleich neben ihnen. Niemand stört sie, nichts wird gestohlen, und am nächsten Morgen sind sie wieder bei der Arbeit. Gefährlich ist das nicht. Es gehört einfach zu einer Kultur mit langen Arbeitstagen, obligatorischen Trinkgelagen und dem letzten Zug, der etwa um Mitternacht fährt.

Die meisten Nächte enden mit einer ruhigen Zugfahrt nach Hause, doch manche führen dich viel tiefer in die Stadt hinein. Wenn du wissen willst, wie weit das Kaninchenloch reicht, wirf einen Blick in meinen Guide zu extremen Erlebnissen im japanischen Nachtleben – von der energiegeladenen Muscle Girls Bar bis zur professionellen Disziplin in Shinjukus unterirdischen SM-Bars.

Und dann wäre da noch das Essen. Tokio zählt zu den besten Städten der Welt für Feinschmecker, serviert aber auch einige der ungewöhnlichsten Gerichte, denen du je begegnen wirst. Von rohem Pferdefleisch (Basashi) über Wasabi-Glace bis zu Natto – den berühmt-berüchtigten klebrigen fermentierten Sojabohnen, die viele Japanerinnen und Japaner entweder lieben oder nicht einmal anrühren – wird das Probieren «bizarrer» Speisen zum Teil des Abenteuers.

Selbst alltägliche Dinge können sich anfangs seltsam anfühlen. In Verkaufsautomaten gibt es alles Mögliche, von heissem Kaffee bis zu frischen Eiern. Die gesellschaftlichen Regeln sind streng, werden aber fast nie laut ausgesprochen, und kleine Momente im Alltag erinnern dich immer wieder daran, dass du weit weg von Europa bist. Selbst die Musik in den Läden ist anders: Wenn «Auld Lang Syne» erklingt, schliesst der Laden gleich. In meinem Artikel erfährst du, warum «Auld Lang Syne» in japanischen Läden gespielt wird.

Viele Touristinnen und Touristen kommen mit Erwartungen hierher, die von viralen Internetvideos geprägt sind. Der Alltag ist jedoch viel facettenreicher. Ich habe einen ausführlichen Guide zu verbreiteten Japan-Reisemythen und der Wahrheit hinter den Klischees geschrieben, an die viele vor ihrer Reise glauben.

Diese Momente fühlen sich anfangs vielleicht etwas seltsam an – genau das macht Tokio aber so faszinierend. Am Ende sind es nicht die berühmten Sehenswürdigkeiten, an die du dich am besten erinnerst, sondern die kleinen Kulturschocks, aus denen unvergessliche Geschichten werden.


28. Tokios Shoppingwelt meistern (für Frauen)

Tokio ist eine Modehauptstadt von Weltrang, aber beim Shoppen gelten kulturelle Eigenheiten und Besonderheiten, die du kennen solltest, bevor du losziehst. Einen ausführlichen Überblick über die besten Viertel und detaillierte Grössentabellen findest du in meinem vollständigen Tokio-Modeguide. Hier das Wichtigste:

Die Realität japanischer Kleidergrössen. Kleidung fällt in Japan deutlich kleiner aus als im Westen. Eine japanische «Medium»-Grösse entspricht oft einer westlichen «Small»-Grösse, und viele Boutiquen mit trendiger Mode führen nur eine sehr begrenzte Auswahl für grosse, kräftige oder sportliche Staturen. Im Zweifel nimm eine Nummer grösser und probiere die Sachen immer an.

Die «Free Size»-Regel. Viele beliebte japanische Labels stellen nur Kleidungsstücke in «F» (Free Size) her – also eine Einheitsgrösse für alle. Trotz des Namens sind diese Stücke meist auf eine schlanke, zierliche Silhouette zugeschnitten. Betrachte «Free Size» deshalb ungefähr als westliche «Small»-Grösse.

BHs und Dessous. Japanische Dessous sind für ihre aufwendigen Designs bekannt, aber auch hier fallen die Körbchengrössen klein aus. Die meisten Besucherinnen müssen im Vergleich zu US- oder UK-Grössen ein bis zwei Körbchengrössen höher wählen, damit der BH richtig sitzt.

Makellose Vintage-Stücke. Tokio hat eine der besten Secondhand-Szenen der Welt, denn die Stücke sind meist in neuwertigem Zustand. Japanische Besitzerinnen und Besitzer pflegen ihre Kleidung aussergewöhnlich gut. Koenji und Shimokitazawa sind die beiden grossen Vintage-Hotspots. Da ich selbst in Koenji gelebt habe, kann ich bestätigen: Dort verlierst du leicht einen ganzen Nachmittag.

Autofreie Einkaufsparadiese. Sonntags sind wichtige Einkaufsstrassen in Ginza und Akihabara für Autos gesperrt (siehe Abschnitt 25). Während dieser «Hokoten»-Zeiten lässt es sich in den belebtesten Vierteln besonders entspannt shoppen.

Knigge in der Umkleidekabine. Zieh immer deine Schuhe aus, bevor du das erhöhte Podest in einer Umkleidekabine betrittst. Viele Geschäfte geben dir auch eine Make-up-Schutzhaube, damit deine Schminke nicht an die Kleidung kommt. Beides ist ganz normal – orientiere dich einfach am Personal.

  • Wohnst du hier? Für grössere Einkaufstouren habe ich Guides zu den besten Möbelgeschäften in Tokio, dazu, wo du in Tokio Babykleidung kaufen kannst, und zum Kauf von Eheringen in Tokio geschrieben.

  • 29. Orte, die du meiden solltest

    Joypolis. Segas Indoor-Freizeitpark in Odaiba klingt auf dem Papier toll, aber die meisten Attraktionen wirken veraltet, und mir hat es überhaupt nicht gefallen. Deine Zeit und dein Geld sind anderswo besser investiert. Ich habe eine ausführliche Rezension geschrieben, in der ich erkläre, warum.

    Omoide Yokocho. Die berühmte «Memory Lane» in Shinjuku ist überbewertet und ständig überfüllt. Heute ist sie vor allem ein Fotomotiv, für das Touristinnen und Touristen Schlange stehen, um dasselbe Bild zu machen. Viele der winzigen Restaurants verlangen entsprechend hohe Preise. Wenn du das echte Erlebnis einer Izakaya-Gasse suchst, weisst du dank dieses Guides schon, wohin ich dich stattdessen schicken würde: nach Suginami.

    Restaurants mit rohem Hähnchen. Torisashi, rohes Hähnchen-Sashimi, ist legal und wird in einigen Izakayas serviert. Aus gesundheitlichen Gründen würde ich aber darauf verzichten. Das Salmonellenrisiko ist real, ganz egal, wie frisch das Fleisch ist. Ich habe einen ganzen Artikel darüber geschrieben. Und ja, manchmal lege ich meine Freunde immer noch rein, indem ich es für den Tisch bestelle.

    Ginza Art Aquarium. Auf den ersten Blick ist es optisch beeindruckend, doch die Goldfischbecken sind für die Anzahl der Fische darin viel zu klein. Bei mir hat das einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, und ich kann nicht empfehlen, das zu unterstützen.

    Ich liebe das Leben in Tokio. Die Stadt gehört zu den internationalsten Ecken Japans, das Essen und das Nachtleben sind Weltklasse, und es gibt unzählige Möglichkeiten, in die Geschichte des Landes einzutauchen. Ja, während der Hochsaison kämpfen manche Gegenden Japans mit Overtourism. Doch die meisten Gemeinden heissen respektvoll reisende Besucherinnen und Besucher nach wie vor herzlich willkommen, und die Menschen in Tokio sind Ausländerinnen und Ausländern gegenüber merklich aufgeschlossener als auf dem Land.

    Trotzdem solltest du nicht nur in Tokio bleiben. Wenn du über die Stadt hinaus reist, trägt das nicht nur zu einer nachhaltigeren Verteilung des Tourismus bei, sondern hilft dir auch, Japan in seinen historischen Städten und heissen Quellenorten besser zu verstehen. Für mich ist ein Onsen auf dem Land ein völlig anderes Erlebnis als einer in der Stadt. Bei einem Onsen geht es nicht nur um heisses Wasser. Es geht um die Stimmung, die Natur ringsum und die entspannte Zeit, die du gemeinsam dort verbringst.

    Du hast wenig Zeit? Meine Route für einen Tag zu Fuss durch Tokio führt dich von Harajuku bis nach Shinjuku und durch einige der spannendsten Quartiere der Stadt.

    Du bist noch auf der Suche nach dem passenden Ausgangspunkt? In meinem Guide zu Unterkünften in Tokio vergleiche ich Shinjuku, Shibuya, Ginza, Asakusa, Ueno und lokale Quartiere wie Koenji. In meinem Artikel zu den Kosten einer Japanreise gehe ich ausserdem auf Hotels, Essen und Transport ein.

    Möchtest du für einen Tag aus der Stadt raus? Mein Guide zu den besten Tagesausflügen ab Tokio stellt Hakone, den Fuji, Kamakura, Nikko und weitere Ziele vor. Und in meiner Japan-Reiseroute zeige ich dir, wie Tokio in eine längere Reise passt.

    Reist du mit der Familie? In meinem Guide zu Tokio mit Kindern findest du die besten Attraktionen, Kinderpreise und Familienhotels.

    Häufige Fragen zu Aktivitäten in Tokio

    Was kann man in Tokio am besten unternehmen?

    Tokio hat mehr zu bieten, wenn du über die bekannten Sehenswürdigkeiten hinausgehst. Neben den grossen Highlights bleiben oft die kleinen Erlebnisse am stärksten in Erinnerung: in den winzigen Bars von Golden Gai etwas trinken, versteckte Schreine auf den Dächern über der Stadt entdecken, an einer Stehbar essen und dich in Quartieren verlieren, die in den üblichen Listen kaum auftauchen. Dieser Guide stellt dir 28 davon vor – eine Mischung aus Bekanntem und wirklich Lokalem.

    Wie viele Tage solltest du für Tokio einplanen?

    Bei deinem ersten Besuch reichen drei bis fünf Tage, um die wichtigsten Viertel ohne Eile zu erkunden. Eine Woche oder länger ist besser, wenn du es gemütlicher angehen, Seitenstrassen entdecken und einen Tagesausflug machen möchtest. Tokio ist riesig. Wenn du an einem Wochenende alles abhaken willst, siehst du meistens viele Züge und nur wenig von der Stadt.

    Ist ein Besuch in Tokio teuer?

    Das kann er sein, muss aber nicht. Zugfahrten, Sushi vom Förderband, Ramen und Stehbars sind preiswert. Viele der schönsten Erlebnisse, etwa durch die Viertel zu schlendern oder Schreine zu besuchen, kosten wenig oder gar nichts. Der grösste Kostenfaktor ist meist die Unterkunft. Wenn du früh buchst und etwas ausserhalb der belebtesten Viertel übernachtest, macht das viel aus.

    In welchem Viertel solltest du bei deinem ersten Tokio-Besuch übernachten?

    Shinjuku und Shibuya sind für den ersten Besuch besonders praktisch: Die Verkehrsverbindungen sind gut und das Nachtleben liegt direkt vor der Tür. Wenn du es lieber ruhiger und lokaler magst, bieten dir Viertel an der Chuo-Linie wie Koenji und Asagaya ein wohnliches Flair. Mit dem Zug bist du trotzdem schnell im Zentrum.

    Musst du Japanisch sprechen, um Tokio zu besuchen?

    Nein. In Tokios Zentrum kommst du mit Englisch und Übersetzungs-Apps gut zurecht, und das Verkehrsnetz ist auch auf Englisch gut ausgeschildert. Ein paar einfache Redewendungen helfen trotzdem sehr – besonders in kleineren Bars und Restaurants, wo nur wenig Englisch gesprochen wird. Oft machen sie den Unterschied zwischen einem herzlichen Empfang und einem holprigen Start.

    Wie ist das Nachtleben in Tokio?

    Tokios Nachtleben bietet alles: von winzigen Bars mit gerade einmal sechs Sitzplätzen in Golden Gai bis hin zu riesigen Clubs und allem dazwischen. In den kleinen Bars ist der lokale Rhythmus einfach: ein Drink, ein Gericht, dann geht’s weiter. In Gegenden wie Shinjuku und Shibuya findest du besonders leicht einen Einstieg, und in der Stadt ist bis in die frühen Morgenstunden einiges los.

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